Der Neurologe Prof. Rainer Surges, Direktor der Klinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn, hat die von Fußballprofi Jamal Musiala beschriebenen „Absencen“ in einem Interview eingeordnet. Absencen gehören demnach zu den epileptischen Anfällen und sind durch sehr kurze, plötzliche Funktionsausfälle des Gehirns gekennzeichnet.
Was passiert im Gehirn?
Surges erklärt, dass bei Absencen ein gleichzeitiges, krankhaft verstärktes Feuern von Nervenzellen in beiden Hirnhälften stattfindet. Diese synchronen Entladungen führen dazu, dass Betroffene für Sekunden von ihrer Umwelt abgeschottet sind und das Umfeld nicht wahrnehmen. Typische Begleiterscheinungen können kurzes Verharren in einer Haltung oder leichte automatisierte Bewegungen wie Schmatzen oder Fingerbewegungen sein.
„Absencen sind eine Form von epileptischen Anfällen.“
Klinisches Bild und Dauer
Charakteristisch für Absencen ist der abrupt einsetzende und ebenso spontan endende Verlauf: Die Episode dauert meist nur wenige Sekunden bis zu einer halben Minute. Häufig kehren Betroffene unmittelbar danach zu ihrem vorherigen Zustand zurück, ohne länger anhaltende Bewusstseinsstörungen zu zeigen. Trotzdem kann die wiederholte Bildung solcher Lücken im Alltag und insbesondere im professionellen Leistungssport bedeutsame Konsequenzen haben.
- Dauer: Sekunden bis bis zu 30 Sekunden.
- Sichtbare Zeichen: Unterbrechung der Handlung, verminderte Reaktionsfähigkeit, gelegentliche automatisierte Bewegungen.
- Ursache im Gehirn: Synchrones, bilaterales Feuern von Nervenzellen.
Diagnostik und Therapie
Die Diagnostik stützt sich auf die genaue Anamnese, Beobachtungen möglicher Anfälle und elektroenzephalographische (EEG) Untersuchungen, die typische Muster epileptiformer Aktivität zeigen können. Surges betont, dass nicht jede kurze Bewusstseinsstörung automatisch eine Epilepsie bedeutet; die Einordnung erfordert neurologische Abklärung.
Bei vielen Patienten ist das Ziel der Therapie, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Entscheidend sind eine individuelle Beurteilung und Anpassung der Behandlung, je nach Anfallstyp und Begleiterkrankungen.
Prognose und Unsicherheiten
Ein zentraler Punkt in dem Gespräch ist die Einschränkung der Prognose: Es lasse sich nicht generell versprechen, dass ein Patient dauerhaft anfallsfrei wird. Die Wahrscheinlichkeit, unter bestimmten Absence-Formen später noch andere Anfallstypen zu entwickeln, ist laut Surges erhöht. Daraus folgt, dass langfristige Überwachung und gegebenenfalls Therapieanpassungen erforderlich sind.
Relevanz für Profi- und Breitensport
Für Profisportlerinnen und -sportler stellt die Diagnose zusätzliche Herausforderungen: Neben medizinischen Aspekten spielen Sicherheitsfragen beim Wettkampf, die Verkehrssicherheit und die psychische Belastung eine Rolle. Entscheide über Einsatzfähigkeit und Belastungsumfang müssen zwischen behandelnden Neurologinnen und Neurologen, Teamärztinnen und -ärzten sowie Trainerstab individuell getroffen werden.
| Aspekt | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Dauer | Sekunden bis 30 Sekunden |
| Hirnmechanismus | Bilaterale, synchrone neuronale Entladung |
| Prognose | Individuell; dauerhafte Anfallsfreiheit nicht sicher |
In der öffentlichen Debatte kann die Bekanntgabe einer neurologischen Diagnose zu Stigmatisierung führen. Fachleute raten deshalb zu transparenter, sachlicher Information und zu einer medizinisch fundierten Begleitung Betroffener. Bei konkreten Fragen zur eigenen Gesundheit bleibt die persönliche Abklärung durch spezialisierte Ärztinnen und Ärzte unerlässlich.
Diese Einordnung durch Prof. Surges liefert eine fachliche Grundlage, ersetzt aber nicht die individuelle Diagnostik und Therapieplanung. Für Sportlerinnen und Sportler gilt im Zweifel: enge Abstimmung zwischen Neurologie, Sportmedizin und dem jeweiligen Verein oder Verband.