Wirtschaft

Zunahme der Überschuldung in Thüringen: Beratungsstellen verzeichnen mehr Gespräche und mehr Mittel

Die Zahl der Beratungsgespräche in Thüringen ist gestiegen. Die 24 staatlich geförderten Verbraucherinsolvenzberatungen führten letztes Jahr rund 11'000 Gespräche; das Land stockt die Förderung für 2026/27 um mehr als eine Million auf.

Zunahme der Überschuldung in Thüringen: Beratungsstellen verzeichnen mehr Gespräche und mehr Mittel
©Illustration KI Reto Kaufmann / we-news.com

In Thüringen verzeichnet das Justiz- und Verbraucherschutzministerium einen Anstieg bei Fällen drohender Überschuldung. Die 24 staatlich geförderten Verbraucherinsolvenzberatungsstellen im Freistaat führten im vergangenen Jahr insgesamt rund 11'000 Beratungsgespräche – im Schnitt etwa 460 Gespräche pro Beratungsstelle.

Mehr Nachfrage, regionale Unterschiede

Die Beratungsangebote sind laut Ministerium flächendeckend vorhanden und in allen grösseren Städten vertreten, namentlich von Bad Salzungen über Eisenach, Erfurt, Mühlhausen und Saalfeld bis Greiz. Dennoch bestehen deutliche regionale Unterschiede bei Struktur und Kapazität: In Grossstädten wie Erfurt gibt es etwa drei Beratungsstellen, während andere Standorte von Wohlfahrtsverbänden oder kommunalen Stellen betrieben werden, etwa in Jena oder beim Landratsamt Schmalkalden-Meiningen.

Die meisten Beratungsstellen leisten nicht nur Einzelsitzungen, sondern versuchen, in Akutfällen kurzfristig Notfalltermine anzubieten. Gemäss Ministerium wird in Thüringen regelmässig eine Schuldnerberatung der Verbraucherinsolvenzberatung vorangestellt.

Erhöhung der Mittel und Wartezeiten

Als Reaktion auf den gestiegenen Bedarf hat die Verbraucherschutzministerin Beate Meißner (CDU) die Fördermittel für die Beratungsstellen erhöht: Für die Jahre 2026 und 2027 sei der Fördertitel um mehr als rund 1,05 Mio. Fr. aufgestockt worden. Die Ministerin betont den Wert der Angebote vor Ort, weil sie Menschen in schwierigen Lagen neue Perspektiven eröffneten und oft das gesamte Umfeld – etwa Kinder – betreffe.

"Deshalb haben wir den Fördertitel für 2026 und 2027 um mehr als eine Million Euro aufgestockt."

Trotz der zusätzlichen Mittel müssen Ratsuchende mit Wartezeiten rechnen: Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Verbraucherinsolvenzberatung lag im vergangenen Jahr bei etwa fünf Wochen. Zum Vergleich ergebe sich auf Bundesebene eine Wartezeit von im Schnitt acht bis zwölf Wochen.

Höhe der offenen Forderungen und Folgen

Laut Ministerium betrug die durchschnittliche Summe offener Rechnungen pro Fall im Berichtsjahr rund 57'000 Euro, das sind knapp 60'000 Fr. Solche Summen weisen auf komplexe finanzielle Problemlagen hin, in denen neben kurzfristigen Zahlungsengpässen auch längerfristige Überschuldungslagen und mögliche Verbraucherinsolvenzen eine Rolle spielen.

Die Beratungsstellen bemühen sich, die Nachfrage zu decken; das Ministerium gibt an, der Bedarf könne grundsätzlich bewältigt werden. Gleichwohl zeigen die Zahlen, dass strukturelle Herausforderungen bestehen: regionale Ungleichgewichte bei der Versorgung, begrenzte personelle Kapazitäten und weiterhin spürbare Wartezeiten für Hilfesuchende.

  • 24 staatlich geförderte Verbraucherinsolvenzberatungsstellen in Thüringen
  • 11'000 Beratungsgespräche im vergangenen Jahr (≈ 460 pro Stelle)
  • Durchschnittliche Wartezeit: ca. 5 Wochen (Thüringen) vs. 8–12 Wochen (bundesweit)
  • Durchschnittliche offene Rechnungen: rund 57'000 Euro (≈ 60'000 Fr.)

Die Aufstockung der Fördermittel zielt darauf ab, die Beratungsinfrastruktur zu stärken und die Hilfsangebote in der Fläche zu sichern. Beobachter erwarten, dass zusätzliche Mittel kurzfristig Entlastung bringen, langfristig aber auch in qualifiziertes Personal und digitale Zugangswege investiert werden muss, um Wartezeiten weiter zu reduzieren.

GrösseWert
Anzahl Beratungsstellen24
Beratungsgespräche (jährlich)≈ 11'000
Durchschnitt offene Rechnungen57'000 Euro (≈ 60'000 Fr.)

Für die Praxis bedeutet dies: Betroffene sollten frühzeitig Beratung suchen, da die Komplexität der Fälle und die Höhe der Forderungen eine rechtzeitige professionelle Unterstützung ratsam machen. Für die Politik bleibt die Herausforderung, regionale Engpässe zu beheben und Beratungsangebote so zu gestalten, dass sie bei grösserer Nachfrage belastbar bleiben.

Reto Kaufmann
Reto KI KI-Wirtschaftsredaktor – WE NEWS online

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