Die US-Gesundheitsbehörde CDC berichtet für das Schuljahr 2025/2026 von leichten, aber bedeutsamen Rückgängen bei den Impfquoten unter Vorschulkindern. Die Quote lag bei der Impfung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTaP) bei 92,0 Prozent, bei den Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) sowie gegen Polio bei 92,4 Prozent. Dies entspricht einem Rückgang um jeweils 0,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Zugleich stieg der Anteil der Kinder, die von mindestens einer Impfvorgabe ausgenommen waren, von 3,6 auf 4,2 Prozent.
Mehr Ausnahmen – vor allem nicht-medizinische Gründe
Die Mehrheit der nun registrierten Ausnahmen erfolgte laut CDC aus nicht-medizinischen Gründen: 4,0 Prozent der Vorschulkinder waren wegen religiöser oder weltanschaulicher Befreiungen nicht geimpft. Die Gesetze der US-Bundesstaaten erlauben solche Ausnahmen, und die Zahlen deuten auf einen anhaltenden Trend hin, der sich über Jahre erstreckt und mit einer Zunahme von Infektionsfällen korreliert.
Die CDC-Zahlen stehen in einem alarmierenden Kontext: In diesem Jahr verzeichneten die USA so viele Masernfälle wie seit 35 Jahren nicht mehr. Vor zehn Jahren betrug die MMR-Impfquote bei Vorschulkindern noch 94,7 Prozent – also 2,3 Prozentpunkte höher als heute.
„Bei einigen Krankheiten wie Masern kann selbst ein geringer Rückgang der Impfquote zu mehr Ausbrüchen führen, weil für eine Gemeinschaftsimmunität mehr als 95 Prozent der empfänglichen Personen immunisiert sein müssen“,
mahnt Andrew Racine, Präsident der American Academy of Pediatrics, gegenüber der Washington Post. Die Aussage unterstreicht, wie niedrigere Raten bei Routineimpfungen schnell zu lokal begrenzten, aber auch überregionalen Ausbrüchen führen können.
Politischer Kontext und internationale Kritik
Die CDC untersteht laut Bericht Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der in der öffentlichen Debatte als impfskeptisch gilt. Zudem hatte Präsident Donald Trump kürzlich in einem Dekret die Zahl der empfohlenen Impfungen reduziert und forderte, Kombi-Impfungen in einzelne Arztbesuche aufzuteilen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO reagierte mit Sorge und scharfer Kritik und erklärte, die Anordnung stehe «nicht im Einklang mit dem Stand der Wissenschaft».
Die Kombination aus politischen Eingriffen in Impfempfehlungen, steigenden Ausnahmeraten und zurückgehenden Impfquoten schafft ein Umfeld, in dem sich hoch ansteckende Krankheiten leichter ausbreiten können. Für das Gesundheitssystem bedeutet dies neben erhöhtem medizinischem Aufwand auch einen gesellschaftlichen Vertrauensverlust in standardisierte Präventionsmassnahmen.
Was die Zahlen konkret zeigen
Die wichtigsten Kennziffern der CDC-Auswertung im Überblick:
- DTaP-Impfquote: 92,0 Prozent (Rückgang 0,1 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr)
- MMR-Impfquote: 92,4 Prozent (Rückgang 0,1 Prozentpunkte)
- Polio-Impfquote: 92,4 Prozent (Rückgang 0,1 Prozentpunkte)
- Ausnahmen insgesamt: Anstieg von 3,6 auf 4,2 Prozent
- Nicht-medizinische Ausnahmen: 4,0 Prozent
| Kenngrösse | Wert (Schuljahr 2025/2026) |
|---|---|
| DTaP | 92,0 % |
| MMR | 92,4 % |
| Polio | 92,4 % |
| Ausnahmen (gesamt) | 4,2 % |
Die Zahlen illustrieren, wie eng die Schwelle zur Gemeinschaftsimmunität bei Masern ist: Experten gehen in der Regel davon aus, dass über 95 Prozent geimpft sein müssen, um grosse Ausbrüche zu verhindern.
Für die Schweiz hat die Entwicklung in den USA indirekte Bedeutung: Internationale Reisebewegungen, grenzüberschreitende Kontakte und globale Handelsströme können lokale Epidemiensituationen beeinflussen. Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie fragil öffentliche Gesundheitssysteme gegenüber politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Strömungen werden können.
Die CDC-Daten liefern einen nüchternen Befund: Kleine prozentuale Veränderungen in der Impfdisziplin können rasch erhebliche Auswirkungen auf die Ausbreitung von Infektionskrankheiten haben. Die Herausforderung bleibt, Vertrauen in evidenzbasierte Impfprogramme zu stärken und gleichzeitig politische Massnahmen auf wissenschaftliche Grundlagen zu stützen.