In Mecklenburg‑Vorpommern sorgt die Lage an den Schulen wenige Wochen vor der Landtagswahl für politischen Druck. Zentrale Probleme sind ein signifikanter Anstieg von chronischem Schulabsentismus und ein anhaltender Lehrermangel, die zusammen zu Unterrichtsausfällen und einer spürbaren Verunsicherung unter Jugendlichen und Lehrkräften führen.
Konkrete Zahlen und Folgen
Das Bildungsministerium des Landes registrierte im Schuljahr 2024/2025 506 schwere Fälle von chronischem Schulabsentismus. Gegenüber 2022/2023 entspricht dies einem Zuwachs von rund 65 Prozent bzw. 200 Fällen. Gleichzeitig verliessen 10,4 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Schulsystem im letzten Jahr ohne Abschluss.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Chronische Absentismus‑Fälle (2024/25) | 506 |
| Anstieg gegenüber 2022/23 | +65 % (≈200 Fälle) |
| Schüler ohne Abschluss | 10,4 % |
| Fehlende Lehrkräfte (im vergangenen Schuljahr) | 400 |
| Unterricht ersatzlos ausgefallen | 2,9 % |
| Stunden durch Ersatzlehrkräfte (teilweise fachfremd) | 13,5 % |
Erfahrungen aus dem Schulalltag
Die Zahlen spiegeln sich in Berichten von Schülerinnen und Schülern. Eine 16‑Jährige aus dem Raum Stralsund beschreibt, wie Klassenklima und Störungen sie zum Schwänzen trieben und zu erheblicher Belastung führten. Sie schildert, dass respektloses Verhalten einzelner Mitschüler und überforderte Lehrpersonen zu Angst vor dem Klassenraum geführt hätten:
„Ich hatte Angst vor meiner Klasse. Wir waren eine grosse Klasse. Z.B. wenn ich mich gemeldet habe, hatte ich Angst, was Falsches zu sagen, weil vielleicht Kommentare kamen oder dann wurde gelacht. Das hat damals extrem viel mit mir gemacht.“
Solche persönlichen Eindrücke deuten auf ein Problemfeld mit mehreren Ursachen hin: Klassenkonstellation, Verhaltenssteuerung, psychische Belastungen und fehlende personelle Ressourcen greifen ineinander.
Lehrermangel als strukturelles Problem
Im vergangenen Schuljahr fehlten laut Bericht 400 Lehrkräfte in Mecklenburg‑Vorpommern. Die Folge: 2,9 Prozent des Unterrichts an allgemeinbildenden Schulen fielen ersatzlos aus, und 13,5 Prozent der Unterrichtsstunden mussten durch einspringende, zum Teil fachfremde Lehrkräfte abgedeckt werden. Gewerkschaften warnen davor, dass der dauerhafte Notstand die Belastung der Lehrpersonen erhöht, Krankheit und weitere Ausfälle fördert und besonders schwächere Schülerinnen und Schüler benachteiligt.
- Akute Personalengpässe führen zu Unterrichtsausfall und fachfremder Vertretung.
- Chronischer Schulabsentismus nimmt deutlich zu und wirkt sich negativ auf Abschlussperspektiven aus.
- Psychische Belastungen und Klassenklima verstärken die Abbruchrisiken einzelner Schüler.
Politische Dimension vor der Wahl
Bildungsthemen haben damit in Mecklenburg‑Vorpommern nicht nur pädagogische, sondern auch politische Bedeutung. Schülerproteste im März 2026 mit rund 800 Teilnehmenden aus verschiedenen Regionen des Landes hatten bereits auf Missstände hingewiesen: Viele fühlten sich im Schulsystem «ausgebrannt, psychisch belastet und alleingelassen». In den Umfragen liegt die AfD vorn, die Sozialdemokratische Regierungschefin muss Stimmen verteidigen. Vor diesem Hintergrund können Bildungspolitik, Personalplanung und Schulsozialarbeit zu Wahlkampf‑ und Koalitionsthemen werden.
Die Darstellung zeigt ein zusammengesetztes Problem: kurzfristige personelle Engpässe, wachsende soziale und psychische Belastungen bei Schülerinnen und Schülern sowie strukturelle Fragen zur Schulorganisation. Die politische Debatte muss Antworten finden, die Unterrichtsversorgung sichern und zugleich Prävention, Fachkräftegewinnung und Unterstützung für belastete Jugendliche stärken.