Das vietnamesische Ministerium für Bildung und Ausbildung hat umfassende Richtlinien zur Umsetzung der allgemeinen Bildungsaufgaben für das Schuljahr 2026–2027 vorgelegt. Im Zentrum stehen die Erneuerung von Lehrmethoden, der verstärkte Einsatz digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz sowie die gezielte Unterstützung von Lernenden, die die erwarteten Lernergebnisse noch nicht erreichen.
Lehrmethoden und Lernorientierung
Die Vorgaben verlangen von den allgemeinbildenden Einrichtungen, Unterricht so zu gestalten, dass er aktive Teilnahme, Eigeninitiative, Kreativität und die Fähigkeit zum Selbststudium fördert. Lehrpersonen sollen Unterrichtseinheiten strikt an den Lernzielen des Lehrplans ausrichten und Inhalte, Methoden sowie Lernmaterialien sorgfältig auswählen. Praktische Arbeit, Experimente, Erfahrungssammlung und problemorientiertes Lernen werden als zentrale Elemente hervorgehoben.
- Schülerzentrierter Unterricht: Lernende stehen im Mittelpunkt; Diskriminierung soll verhindert werden.
- Unterstützung und Förderangebote: Schüler, die Lernziele nicht erreichen, sollen zeitnah gefördert werden; auch Begabtenförderung ist vorgesehen.
- Praxisbezug: Kooperationen mit Kultur-, Sport-, Produktions- und Dienstleistungsbetrieben sollen Lerninhalte mit lokalen Ressourcen verknüpfen.
Digitale Bildung und KI
Ein zentrales Anliegen der Richtlinien ist die verstärkte Nutzung digitaler Technologien. Schulen sollen digitale Lernmaterialien, offene Bildungsressourcen und künstliche Intelligenz gemäss den Vorgaben des Ministeriums wirksam einsetzen. Die Anleitung betont, dass digitale Mittel nicht Selbstzweck sind, sondern die Umsetzung der Lernziele unterstützen sollen. Bibliotheken, Labore und vorhandene Lehrmittel sollen dabei integrativ genutzt werden.
Organisation und Verantwortung der Schulen
Die Richtlinien fordern konkrete organisatorische Schritte: Lehrkräfte müssen Unterricht planen und gestalten, der inhaltlich und methodisch den Zielen des Lehrplans entspricht. Bildungsaktivitäten sollen klare Ziele verfolgen, altersgerecht und sicher sein sowie unnötige Kosten oder Druck auf Familien vermeiden. Die Zusammenarbeit mit lokalen Institutionen und der Gemeinschaft wird zur Anpassung an regionale Bedingungen empfohlen.
| Handlungsfeld | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|
| Lehrmethoden | Mehr Selbststudium, Kreativität, Problemlösekompetenz |
| Digitale Medien & KI | Effektiver Unterstützung der Lernziele, Nutzung offener Ressourcen |
| Förderung | Rechtzeitige Unterstützung für Schwächere, Angebote für Begabte |
Konsequenzen und Herausforderungen
Die Richtlinien stellen Schulen und Lehrpersonen vor praktische Herausforderungen: Die Umstellung auf stärker schülerzentrierte Methoden verlangt Fortbildungen, neue Unterrichtsmaterialien und Zeit für Unterrichtsplanung. Der sinnvolle Einsatz von KI erfordert technische Infrastruktur, Datenschutzkonzepte und eine pädagogische Einbettung, damit automatisierte Werkzeuge nicht zu einer Blackbox werden. Zudem bleibt die Frage, wie ländliche und benachteiligte Regionen mit eventuell begrenzten Ressourcen die Vorgaben umsetzen sollen.
Die Betonung, dass Bildungsaktivitäten keine unnötigen Kosten verursachen dürfen, weist auf ein Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit hin. Gleichzeitig erfordert die Forderung nach Kooperationen mit externen Partnern eine aktive Vernetzung der Schulen mit ihrer Umgebung – eine Chance, aber auch ein zusätzlicher Koordinationsaufwand.
Insgesamt formuliert das Ministerium einen klaren Orientierungsrahmen: Bildung soll praxisnäher, digitaler und inklusiver werden. Die Umsetzung wird massgeblich von der Ausstattung der Schulen, der Weiterbildung der Lehrkräfte und der lokalen Kooperationsbereitschaft abhängen.