Das Ministerium für Bildung und Ausbildung in Vietnam hat ein neues Rahmenwerk für die Ausbildung zu künstlicher Intelligenz (KI) in der Sekundarstufe II veröffentlicht. Die Vorgabe, festgehalten in der Entscheidung Nr. 2422/QD-BGDĐT, ordnet die Lehrinhalte zu KI nach vier Hauptwissenssträngen und teilt die Bildungsziele in zwei Stufen: Grundbildungsstufe (Primar- und Sekundarstufe I) sowie Berufsbildungsstufe (Sekundarstufe II).
Vier Wissensstränge und Kompetenzen
Das Rahmenwerk basiert auf vier miteinander verknüpften Wissens- und Kompetenzbereichen, die Schülerinnen und Schülern den Zugang zu, den Umgang mit und die Entwicklung von KI ermöglichen sollen. Diese Bereiche zielen darauf ab, technische Fertigkeiten mit ethischer Reflexion und Problemlösekompetenz zu verknüpfen.
- Menschzentrierte Denkweise: KI soll der Menschheit dienen; Schülerinnen und Schüler sollen Bedürfnisse erkennen und KI-Lösungen kritisch bewerten können.
- Ethik der KI: Vermittlung der Fähigkeit, ethische und rechtliche Fragestellungen zu identifizieren und zu analysieren, mit dem Ziel einer sicheren und verantwortungsvollen Nutzung.
- KI-Techniken und -Anwendungen: Grundwissen über Funktionsweisen von KI sowie praktische Fertigkeiten im Umgang mit KI-Werkzeugen.
- Entwicklung von KI-Systemen: Aufbau von Kompetenzen von der Nutzung bis zur eigenständigen Erstellung einfacher KI-Systeme, mit Schwerpunkt auf Problemlösung.
Stufenorientierte Umsetzung
Das Dokument sieht eine gestufte Einführung von KI-Themen vor. In der Grundbildungsstufe sollen Kinder erste, intuitive Erfahrungen mit einfachen KI-Anwendungen machen, die Rolle von KI im Alltag verstehen und grundlegende Aspekte wie den Schutz personenbezogener Daten sowie Urheberrecht kennenlernen. In der Mittel- und Oberstufe wird die Anwendung vertieft: Schülerinnen und Schüler sollen KI-Werkzeuge zur Erstellung digitaler Produkte nutzen und Probleme im Schulkontext mit KI-Lösungen angehen; auf der Sekundarstufe II sind zudem Fähigkeiten zur Weiterentwicklung und Verbesserung von KI-Systemen vorgesehen.
Bildungspraktische Konsequenzen
Der Rahmen vermittelt nicht nur technisches Wissen, sondern betont die Verknüpfung von Technik, Ethik und Anwendungsorientierung. Für Schulen und Lehrpersonen bedeutet dies konkret:
- Integration von KI-Inhalten in bestehende Lehrpläne entsprechend der Klassenstufe;
- Schulung von Lehrpersonen in technischen und ethischen Aspekten der KI;
- Fokus auf Datenschutz und Urheberrecht bereits in der Primarstufe;
- Förderung von Projektarbeit und praxisnahen Anwendungen in Sekundarstufe II.
Das Rahmenwerk zeigt damit einen systematischen Ansatz: KI soll nicht nur als Fachwissen vermittelt werden, sondern als querschnittliche Kompetenz, die digitale Souveränität, Verantwortungsbewusstsein und Problemlösefähigkeit fördert.
Ausblick und Kontext
Die veröffentlichte Vorgabe entspricht einem international verbreiteten Bild von KI-Bildung: technisch-praktische Fertigkeiten sollen mit ethischer Reflexion kombiniert werden. Konkrete Auswirkungen hängen nun vom Umsetzungsaufwand ab – insbesondere von der Weiterbildung der Lehrkräfte, der Verfügbarkeit geeigneter Lehr- und Lernmaterialien sowie von Investitionen in die digitale Infrastruktur der Schulen. In den Schulen, in denen das Rahmenwerk bereits sichtbar wird, werden laut Quelle erste Schritte unternommen, etwa durch Vorstellung von Anwendungen in Klassenzimmern (Foto: Quang Trung Secondary School, Hanoi).
| Stufe | Fokus |
|---|---|
| Grundbildungsstufe | Einführung, intuitive Anwendungen, Datenschutz, Urheberrecht |
| Berufsbildungsstufe (Sek II) | Vertiefung, Entwicklung und Verbesserung einfacher KI-Systeme, Problemlösung |
Ob und wie schnell Schulen dieses Rahmenwerk flächendeckend umsetzen können, bleibt offen; das Dokument bietet jedoch einen klaren Orientierungsrahmen für die curricularen Aufgaben der kommenden Jahre. Es markiert einen Schritt hin zu einer stärker standardisierten KI-Bildung, die technische Kompetenz und ethische Verantwortung verbinden will.