Travailsuisse fordert höhere Löhne
Der Dachverband Travailsuisse verlangt für das Jahr 2027 eine allgemeine Lohnerhöhung von 2 Prozent. Mit der Forderung will der Verband die anhaltende Stagnation der Reallöhne und die jüngsten Belastungen der privaten Haushalte, insbesondere durch steigende Krankenkassenprämien, ausgleichen.
Begründung und Belastungen für Haushalte
Travailsuisse macht geltend, die Kaufkraft der Erwerbstätigen habe in den letzten Jahren abgenommen. Als konkreten Kostenfaktor nennt der Verband den starken Anstieg der Krankenkassenprämien. Zwischen 2023 und 2026 habe sich der durch die Prämien verursachte Einkommensverlust laut Travailsuisse auf 1,3 Prozent für eine alleinstehende Person belaufen und auf 2 Prozent für eine Familie mit zwei Kindern. Das entspreche einer zusätzlichen jährlichen Belastung von rund CHF 1'160 für Alleinstehende respektive CHF 2'700 für eine Familie mit zwei Kindern.
Erwartete Lohnbewegung bei Arbeitgebern
Unternehmen signalisieren jedoch eine deutlich niedrigere Dynamik. Eine Umfrage des Konjunkturforschungsinstituts KOF, an der rund 3'500 Firmen aus dem Privatsektor teilnahmen, geht für 2027 von durchschnittlichen Lohnerhöhungen von 1,2 Prozent aus. In der KOF-Prognose wird die Inflation für 2027 auf rund 0,5 Prozent geschätzt, was in dieser Rechnung einen realen Reallohnzuwachs von etwa 0,7 Prozent bedeuten würde.
- Forderung Travailsuisse: +2,0 Prozent Löhne für 2027
- KOF-Erwartung: +1,2 Prozent durchschnittliche Lohnerhöhung
- Inflationserwartung 2027: rund 0,5 Prozent
Folgen für Lohnrunde und Konsum
Travailsuisse warnt, dass der schwindende finanzielle Spielraum der Haushalte den Konsum dämpfe und für eine wachsende Zahl von Menschen zu einem Problem werde. Der Verband sieht in der vorgeschlagenen, allgemeinen Lohnerhöhung ein Mittel, um die Kaufkraft zu stabilisieren und die Konsumnachfrage zu stützen.
Konfliktlinien in den Verhandlungen
Die Zahlen der KOF-Umfrage deuten auf einen Interessenkonflikt zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern hin: Während Travailsuisse einen Ausgleich der realen Belastungen fordert, orientieren sich die Lohnvorstellungen der Firmen an moderatem Kostenanstieg und an verbesserter Wettbewerbsfähigkeit. Ob die Forderung von 2 Prozent in den kommenden Lohnrunden aufgenommen oder verwässert wird, hängt von den Verhandlungen zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Branchenverbänden ab.
| Grösse | Wert |
|---|---|
| Travailsuisse-Forderung | +2,0 % |
| KOF erwartete Lohnerhöhung | +1,2 % |
| Inflationserwartung 2027 (KOF) | ~0,5 % |
| Einkommensverlust wegen Prämien (Alleinstehend, 2023–2026) | 1,3 % (~CHF 1'160/Jahr) |
| Einkommensverlust wegen Prämien (Familie, 2 Kinder) | 2,0 % (~CHF 2'700/Jahr) |
Die anstehenden Lohnrunden 2027 werden damit nicht nur zum Gradmesser für die Verteilung von Kosten und Einkommen, sondern auch für die Frage, wie stark die Politik und Sozialpartner die Auswirkungen steigender Gesundheitskosten auf die Konsumausgaben adressieren. Die unterschiedlichen Ausgangspositionen der beteiligten Akteure lassen auf kontroverse Debatten schliessen.