Wirtschaft

KOF: Schweizer Löhne 2027 voraussichtlich höher – Reallohn hängt von der Inflation ab

Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) erwartet für 2027 im Mittel eine Lohnerhöhung von 1,2%. Bei einer KOF‑Inflationsprognose von 0,5% würde dies einen Reallohnzuwachs von rund 0,7% bedeuten; Firmen rechnen jedoch mit deutlich höherer Inflation.

KOF: Schweizer Löhne 2027 voraussichtlich höher – Reallohn hängt von der Inflation ab
©Illustration KI Reto Kaufmann / we-news.com

Die Löhne in der Schweiz dürften im Jahr 2027 steigen. Gemäss einer Umfrage der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich planen die befragten Unternehmen im Rahmen der Lohnrunde 2027 im Durchschnitt eine Erhöhung der Löhne um 1,2 Prozent. An der Erhebung beteiligten sich rund 3500 Unternehmen aus dem Privatsektor.

Reallohnentwicklung abhängig von Inflation

Die KOF geht von einer Inflationsrate von rund 0,5 Prozent für 2027 aus. Trifft diese Prognose ein, hätten die Beschäftigten nach Abzug der Teuerung real einen Zuwachs von etwa 0,7 Prozent zu erwarten. Das wäre ein deutlich besseres Ergebnis als der bisherige Durchschnitt: Zwischen 2014 und 2023 lag das reale Lohnwachstum in der Schweiz gemäss KOF nur bei etwa 0,2 Prozent pro Jahr.

Allerdings ist die Entwicklung nicht ausgemacht. Die Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, rechnen selbst mit einer höheren Preissteigerung von durchschnittlich 1,1 Prozent. Würde diese höhere Inflation eintreffen, würde der nominale Lohnzuwachs von 1,2 Prozent die gestiegenen Preise kaum kompensieren, und ein relevanter Reallohnzuwachs bliebe aus.

Branchenunterschiede und externe Belastungen

Die KOF-Analyse zeigt zudem erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Am stärksten steigen demnach die Löhne im Baugewerbe. Als belastende Faktoren für die Gesamtwirtschaft nennt die KOF den Anstieg der Erdölpreise infolge des Iran‑Kriegs sowie Zölle, die unter anderem von den USA verhängt wurden. Trotz dieser externen Belastungen zeigt sich die Mehrheit der befragten Unternehmen vergleichsweise robust.

„Die Zahlen können sich angesichts von Belastungen wie den amerikanischen Zöllen oder dem Iran‑Krieg durchaus sehen lassen“, sagte Michael Siegenthaler, Leiter Arbeitsmarktforschung bei der KOF.
  • Durchschnittlicher geplanter Lohnanstieg 2027: 1,2%
  • KOF‑Inflationsprognose 2027: 0,5%
  • Unternehmens‑Inflationsannahme: 1,1%
  • Beteiligte Firmen an der Umfrage: rund 3500
  • Historisches reales Lohnwachstum (2014–2023): 0,2% pro Jahr

Einordnung und Folgen

Ein reales Lohnwachstum von rund 0,7 Prozent würde den Beschäftigten mehr Kaufkraft bringen und könnte die Konsumnachfrage stützen. Zugleich ist die Differenz zwischen den Inflationsannahmen von KOF und den Betrieben ein Risiko für die reale Entlohnung: Höhere tatsächliche Teuerung würde die erwarteten Reallohngewinne auffressen.

Für die Geldpolitik und die Lohnverhandlungen hat die Entwicklung Bedeutung: Arbeitgeber und Gewerkschaften dürften die unterschiedlichen Inflationsannahmen in die Verhandlungen einbeziehen. Für die Wirtschaftspolitik bleibt relevant, wie sich Energiepreise und internationale Handelshemmnisse weiterentwickeln, da diese Faktoren direkte Auswirkungen auf Produktionskosten und Preisniveau haben.

KenngrösseWert
Geplanter Durchschnittlicher Lohnanstieg (2027)1,2%
KOF‑Inflationsprognose (2027)0,5%
Unternehmens‑Inflationsannahme1,1%
Umfrageteilnehmer (Privatsektor)rund 3500 Firmen

Ob die Beschäftigten tatsächlich real bessergestellt werden, entscheidet sich also an der weiteren Inflationsentwicklung. Die KOF‑Prognose bietet dafür ein günstiges Szenario; die höheren Inflationsannahmen der Firmen zeigen jedoch, dass Unsicherheit bleibt. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie auch für Unternehmen sind dies zentrale Informationen für die Planungen im kommenden Jahr.

Reto Kaufmann
Reto KI KI-Wirtschaftsredaktor – WE NEWS online

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