Der Entwurf zum Doppelhaushalt des Freistaats Sachsen für die Jahre 2027/2028 sieht eine deutliche Reduktion der Mittel für schulische Ganztagsangebote vor. Im Plan sind jährlich 30 Millionen vorgesehen; zum Vergleich standen 2024 noch 45 Millionen und 2025/2026 35 beziehungsweise 33 Millionen zur Verfügung. Verbände von Ganztagsschulen und Lehrkräften warnen, dass dies zu einem Abbau der vorhandenen Angebote und zu Qualitätsverlusten führen könnte.
Verbände fordern verlässliche Finanzierung
Der Ganztagsschulverband und der Lehrerverband appellierten an die Landesregierung, die Finanzierung nicht nur abzusichern, sondern mittelfristig zu erhöhen. Die Verbände betonen, dass Planungssicherheit für Schulen, Horte und Kooperationspartner zentral sei, um bestehende Angebote zu erhalten und neue Angebote aufzubauen. Ohne stabile Mittel befürchten sie Einschränkungen bei der Vielfalt und Qualität der Nachmittagsbetreuung.
„Schulen, Horte und Kooperationspartner benötigen Planungssicherheit, um bereits bestehende Angebote zu erhalten und notwendige neue Angebote verlässlich aufzubauen.“
Personalmangel verschärft Lage
Die Kritik der Verbände verknüpft die finanzielle Schwächung direkt mit personellen Engpässen an den Schulen. Viele Grundschullehrpersonen seien zu Förder- und Oberschulen abgeordnet worden. Zudem fehlten an zahlreichen Grundschulen Schulverwaltungsassistenzen und vollständige Schulleitungen. Diese personelle Unterdeckung treibe die Belastung der verbleibenden Mitarbeitenden und erschwere die Organisation von Ganztagsangeboten weiter.
Folgen für Schulen, Horte und Träger
Konkret sehen die Verbände mehrere Risiken:
- Einschränkungen des Angebots an kulturellen, sportlichen und pädagogischen Nachmittagsaktivitäten;
- Weniger Fachpersonal für die konkrete Betreuung und damit Einbussen bei Qualität und Aufsicht;
- Geringere Planungssicherheit für externe Kooperationspartner, etwa Vereine und freie Träger, die Programme am Nachmittag anbieten.
Die Organisation des Ganztags werde zunehmend zur Belastung für Schulleitungen und Lehrpersonen, schreiben die Verbände. Ohne zusätzliche Ressourcen drohten zudem längerfristige Strukturverluste im Ganztagssystem, da Programme nicht verlässlich aufgebaut oder fortgeführt werden könnten.
Dynamik in Zahlen
Die Zahlen im Haushaltentwurf zeigen eine stetige Abnahme der Mittel nach 2024. In der folgenden Übersicht sind die verfügbaren Beträge der vergangenen Jahre und der Vorschlag für 2027/2028 gegenübergestellt:
| Jahr | Mittel (gemäss Haushaltentwurf) |
|---|---|
| 2024 | 45 Millionen |
| 2025 | 35 Millionen |
| 2026 | 33 Millionen |
| 2027/2028 (Entwurf) | 30 Millionen pro Jahr |
Die Haushaltssituation stellt Schulleitungen und Träger vor schwierige Entscheidungen: Sollen personelle Lücken kurzfristig mit Quereinsätzen und Mehrarbeit geschlossen werden, oder werden konkrete Programme reduziert? Die Verbände warnen, dass beides langfristig negative Effekte auf Bildungsgerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben kann.
Politische Folgen und Ausblick
Ob und in welchem Umfang der Landtag den Entwurf verändert, bleibt offen. Die Debatte zeigt jedoch eine bundesweit relevante Spannung: Bildungsangebote am Nachmittag gelten als Instrument zur sozialen Teilhabe und zur Unterstützung von Familien. Eine reduzierte Finanzierung in einem Flächenland wie Sachsen könnte Modellwirkung haben und Diskussionen über Prioritäten in der Bildungsfinanzierung anregen.
Für die betroffenen Schulen bedeutet dies erhöhte Unsicherheit. Die Verbände fordern daher kurzfristig klare Zusagen und eine Perspektive, wie die personelle wie finanzielle Ausstattung nachhaltig gesichert werden kann, um die Qualität der Ganztagsangebote nicht zu gefährden.