Der Kanton St. Gallen setzt die nationale Reform der gymnasialen Maturität mit dem Projekt «Gymnasium der Zukunft» um. Das Departement Bildung und Kultur teilte mit, das Programm beginne zum neuen Schuljahr an mehreren Kantonsschulen und bringe fundamentale Änderungen bei Lehr- und Lernformen, der Stundentafel sowie den Übergängen zu Oberstufe und Hochschulen.
Kerndimensionen der Reform
Das Projekt gliedert sich nach kantonaler Darstellung in drei Teilbereiche: neue Lehr- und Lernformen, Anpassung der Rahmenbedingungen des gymnasialen Unterrichts inklusive Stundentafel und Lehrplan sowie die Gestaltung der Schnittstellen zur Oberstufe und zu den Hochschulen. Ziel ist es, die gymnasiale Bildung grundlegend zu erneuern — nach kantonalen Angaben in einem Ausmass, wie es zuletzt in den 1990er-Jahren geschah.
Neu vorgesehen sind etwa interdisziplinär aufgebaute Halbtages-Sequenzen, in denen bisher getrennt unterrichtete Fächer miteinander verbunden werden. Zudem wird ein neues Fach «Grundlagen für reflektiertes Denken» eingeführt. Trotz dieser Neuerungen betont der Kanton, der grundsätzlich stärkere Praxis- und Kompetenzorientierung anstrebt, den Fortbestand des fächerorientierten Gymnasiums:
«Am fächerorientierten Charakter des Gymnasiums, der zentral für die Anschlussfähigkeit an die Hochschulen sei, ändere sich aber nichts.»
Einführung und Umfang
Zum Schuljahr 2026/27 starten in St. Gallen insgesamt 1'065 neue Gymnasiastinnen und Gymnasiasten; davon beginnen 716 nach dem neuen Recht. Insgesamt besuchen rund 5'000 Schülerinnen und Schüler die sechs St. Galler Mittelschulen. Der Kanton sieht sich mit der Umsetzung damit «weiter fortgeschritten als die meisten anderen Kantone».
- Projektname: Gymnasium der Zukunft
- Schuljahresstart: 2026/27
- Neu eintretende Gymnasiastinnen und Gymnasiasten: 1'065
- Davon nach neuem Recht: 716
- Gesamtzahl Mittelschülerinnen und Mittelschüler: rund 5'000
| Grösse | Angabe |
|---|---|
| Neue Gymnasiastinnen/Gymnasiasten | 1'065 |
| Davon nach neuem Recht | 716 |
| Gesamte Mittelschülerzahl | ~5'000 |
Konsequenzen für Unterricht und Anschlussfähigkeit
Die Reform zielt darauf ab, Lernprozesse stärker zu vernetzen und Schülern mehr Wahlmöglichkeiten zu bieten. Die Einführung der Halbtages-Sequenzen könnte tradierte Fächergrenzen aufweichen und projekt- oder themenorientiertes Arbeiten fördern. Gleichzeitig betont der Kanton die Bedeutung der fächerorientierten Ausbildung für die Hochschulzugänge; die Massnahmen sollen folglich Anschlussfähigkeit sichern und zugleich neue Kompetenzen vermitteln.
Die konkrete Umsetzung wird in den betroffenen Schulen unterschiedlich ausfallen: Lehrpläne, Stundentafeln und fachliche Schnittstellen sind Gegenstand weiterer Detailarbeit. Aus kantonaler Sicht bedeutet der frühe Start einen Vorteil bei der Erprobung neuer Formen und bei der Anpassung an die kantonalen Gegebenheiten — zugleich stehen Lehrkräfte, Schulleitungen und Hochschulen vor der Aufgabe, Anforderungsprofile zu klären und Übergänge zu koordinieren.
Ausblick
Der Kanton St. Gallen positioniert sich mit dem Projekt als Vorreiter bei der Umsetzung der nationalen Maturitätsreform. Ob die Neuerungen zu einer besseren Vorbereitung auf Studium und Beruf führen und in welcher Form andere Kantone nachziehen, wird sich in den nächsten Jahren anhand von Evaluationsdaten und Erfahrungsberichten zeigen. Für Lehrpersonen und Lernende bringen die Reformen kurzfristig organisatorischen Anpassungsbedarf, langfristig aber das Potenzial zu einer zeitgemässen gymnasialen Bildung.
Die kantonale Mitteilung hebt die vergleichsweise rasche Umsetzung hervor: «Wir sind weiter fortgeschritten als die meisten anderen Kantone», lautet das Selbstzeugnis. Damit beginnt in St. Gallen ein Testlauf, dessen Ergebnisse national Beachtung finden dürften.