In Ho-Chi-Minh-Stadt bringen Freiwillige digitale Bildungsangebote direkt zu den Menschen nach Hause. Die städtische Kampagne «Digitale Kompetenz», die 2025 lanciert wurde, mobilisierte im Sommer 2026 mehr als 8'000 Jugendliche in Aktionen in 168 Stadtbezirken, Gemeinden und Sonderzonen. Ziel ist, grundlegende digitale Fähigkeiten zu vermitteln, damit Bürgerinnen und Bürger Online-Dienste nutzen und an der digitalen Transformation teilhaben können.
Von Haus-zu-Haus-Schulungen bis zum Marktstand
Viele der freiwilligen Jugendlichen fungieren als «digitale Lehrpersonen»: Sie besuchen Familien abends nach Schule oder Arbeit, erklären die Nutzung von Apps wie der staatlichen Identifikations-App VNeID und begleiten ältere Menschen oder technisch weniger versierte Nutzerinnen beim Umgang mit dem Smartphone. Andere Teams richten Anlaufpunkte in Wohnquartieren oder auf Märkten ein, um Kleinhändler beim Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln, Plattformen und Geschäftsanwendungen zu unterstützen.
Die städtischen Initianten betonen, dass die Kampagne nicht nur technische Kniffe vermitteln will, sondern praktische Anwendungen in Alltag und Geschäftsbetrieb fördert. Damit soll die digitale Teilhabe erhöht und gleichzeitig die lokale Wirtschaft gestärkt werden; die Aktion steht in Verbindung mit dem Anspruch, zum zweistelligen Wachstumsziel der Stadt beizutragen.
Organisation und Grundprinzipien
Aus den Berichten der städtischen Projekte geht hervor, dass zahlreiche gemeinschaftsbasierte Technologiegruppen und Freiwilligenteams entstanden sind. Sie arbeiten nach einem einfachen, praxisorientierten Leitprinzip, das bei Einsätzen wiederholt genannt wird:
«es sofort zu verstehen, es tun zu können und es sofort anzuwenden»
Der Lernansatz setzt auf Direktunterstützung, Wiederholung und niedrigschwellige Hilfestellungen. In mehreren Bezirken wurden spezielle «Teams für digitale Volksbildung» gebildet, die gezielt benachteiligte oder wenig digitalisierte Bevölkerungsgruppen ansprechen. Teilweise erfolgen Einsätze bewusst zu Randzeiten, etwa abends, um Personen mit Arbeitszeiten zu erreichen.
- Start der Kampagne: 2025
- Teilnehmende Jugendliche 2026: über 8'000
- Abgedeckte Gebiete 2026: 168 Bezirke/Gemeinden/Sonderzonen
- Schwerpunkte: Nutzung staatlicher Apps (z. B. VNeID), digitale Zahlungsmethoden, Geschäftsplattformen, Anwendungen künstlicher Intelligenz
Erste Wirkungen und Methoden
Die Freiwilligen berichten von konkreten Erfolgen: Ältere Personen, die zuvor Schwierigkeiten mit Apps hatten, nutzen nach Anleitung digitale Dienste; Kleinverkäufer integrieren elektronische Zahlungen und erreichen so neue Kundengruppen. Das Vorgehen ist primär praxisorientiert: Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wiederholte Demonstrationen und individuelle Hilfe prägen die Einsätze.
Die Einbindung junger Freiwilliger ermöglicht zudem eine direkte Brücke zwischen Schule, Technologie und Gemeinwesen. Indem junge Menschen Wissen weitergeben, entsteht eine Multiplikatorwirkung, die über einmalige Schulungen hinaus wirkt. Gleichzeitig eröffnet die Strategie Perspektiven für die lokale Wirtschaft, insbesondere für Kleinunternehmen, die durch digitale Angebote effizienter arbeiten können.
| Jahr | Teilnehmende Jugendliche | Abgedeckte Bezirke/Gemeinden |
|---|---|---|
| 2025 (Start) | — | — |
| Sommer 2026 | 8'000+ | 168 |
Ausblick und offene Fragen
Die Kampagne setzt auf Freiwilligenarbeit und lokale Freiwilligenteams als kurzfristig wirksames Mittel zur Verbreitung digitaler Kompetenzen. Für eine nachhaltige Wirkung stellt sich aber die Frage, wie die einmal erworbenen Kenntnisse langfristig gesichert und in institutionelle Angebote überführt werden können. Ebenso offen bleibt, in welchem Umfang die Unterstützung durch formelle Schulungssysteme, lokale Behörden oder private Partner systematisch koordiniert wird.
Für die Schweiz interessant ist das Prinzip der direkten, niedrigschwelligen Vermittlung von digitalen Kompetenzen durch lokale Freiwillige: Es zeigt, wie Bildungs- und Digitalisierungsstrategien bei knappen Ressourcen auf Nachbarschaftsebene umgesetzt werden können. Gleichwohl erfordert die Verbreitung auf nationaler Ebene ergänzende Maßnahmen in den Bereichen Infrastruktur, Datensicherheit und kontinuierliche Weiterbildung.
Die Initiative in Ho-Chi-Minh-Stadt zeigt, dass praktische, community-basierte Bildungskonzepte rasch Reichweite entfalten können. Ob und wie diese Ansätze langfristig institutionalisiert und in breitere Politikziele integriert werden, bleibt eine der zentralen Fragen für die kommenden Jahre.