Die Caritas der Erzdiözese Wien hat kurz vor Schulbeginn vor einer erheblichen Unterversorgung ihrer Bildungsangebote gewarnt. Gemäss Angaben der Organisation stehen derzeit mehr als 1'000 Kinder auf Wartelisten für kostenlose Nachhilfeplätze in den sogenannten Lerncafés. Zudem werden für 86 Bildungsstandorte noch Freiwillige gesucht.
Hohe Nachfrage in Lerncafés und Bildungsprojekten
Die Caritas betreibt landesweit 75 Lerncafés und das Projekt Frei.Spiel an Schulen und Kindergärten. Insgesamt sind rund 1'400 Freiwillige in den Bildungsprojekten tätig. Die Freiwilligen begleiten gemäss Caritas etwa 6'000 Schülerinnen und Schüler beim Lernen, beim Spracherwerb und bei den Hausaufgaben. Die Organisation betont, dass 93 Prozent der betreuten Kinder ihre Noten verbessern konnten.
Finanzierungslücke und Appell an die Politik
Die Caritas macht auf die prekäre Finanzlage ihrer Bildungsangebote aufmerksam. Der Betrieb dieser Projekte bestehe derzeit zu rund zwei Dritteln aus Spenden, ein Drittel werde durch staatliche Förderungen gedeckt. Die Leiterin der Bildungsangebote der Caritas, Martina Polleres-Hyll, erwartet jedoch einen Rückgang staatlicher Unterstützung wegen des allgemeinen Spardrucks.
Vor diesem Hintergrund appelliert die Caritas an die Bundesregierung, Projekte wie die Lerncafés und FREI.Spiel langfristig finanziell abzusichern. Andernfalls drohten Kapazitätsengpässe trotz nachweislicher Erfolge bei der Lernförderung.
„Wir haben etwa 1.000 Kinder auf der Warteliste und nicht ausreichend Plätze“,
hieß es bei der Pressekonferenz. Die Caritas weist zudem auf die direkte finanzielle Belastung für Familien hin: Für ein Schuljahr betrügen die Kosten pro Kind nach ihren Angaben rund 2'200 Euro, was insbesondere für einkommensschwache Familien mit mehreren Kindern schwer zu stemmen sei.
Konsequenzen für Bildungsgerechtigkeit und präventive Wirkungen
Die Caritas formuliert den Anspruch, Bildung als Instrument der Armutsprävention zu stärken. Sie weist auf die Wirksamkeit ihrer Angebote hin und betont, dass Bildungsförderung langfristig soziale Kosten senken könne. Der Caritas-Direktor Klaus Schwertner forderte deshalb weitergehende Unterstützung: Einerseits mehr bürgerschaftliches Engagement in Form von Freiwilligen, andererseits mehr Sach- und Geldspenden aus der Bevölkerung sowie stabile staatliche Zuschüsse.
- Mehr Freiwillige: 86 Standorte suchen noch Unterstützung.
- Hoher Bedarf: Über 1'000 Kinder auf Wartelisten für Lerncafés.
- Finanzierungsstruktur: Zwei Drittel Spenden, ein Drittel staatliche Förderungen.
Die Meldung aus Wien wirft auch für die Schweiz relevante Fragen auf: Wie robust sind öffentliche und freiwillige Angebote zur Lernförderung gegen Finanzierungsengpässe? Und in welchem Umfang soll der Staat Verantwortung übernehmen, um Zugangsungleichheiten auszugleichen? Solche Fragen betreffen nicht nur einzelne Organisationen, sondern die Ausgestaltung des gesamten Systems der ausserunterrichtlichen Bildungsförderung.
| Kenngrösse | Angabe (Caritas) |
|---|---|
| Warteliste Kinder | Über 1'000 |
| Lerncafés | 75 |
| Freiwillige | 1'400 |
| Betreute Schülerinnen und Schüler | 6'000 |
| Kosten pro Schuljahr (Angabe Caritas) | Rund 2'200 Euro |
Die Forderung nach stabiler Mitfinanzierung ruft Politik und Zivilgesellschaft zum Handeln auf. Kurzfristig braucht es mehr Freiwillige und Spenden, mittelfristig eine verlässlichere öffentliche Finanzierung, damit bewährte Angebote nicht ausgedünnt werden müssen. Für die Praxis bedeutet das: Wartelisten würden sinken, und Lernförderung bliebe als präventives Instrument gegen Bildungsbenachteiligung wirksam.