Die DGD Stiftung mit Sitz in Marburg begrüsst die öffentliche Diskussion über eine mögliche Wiedereinführung des Zivildienstes. Gleichzeitig fordert der diakonische Gesundheitsverband klare Rahmenbedingungen, eine verlässliche Organisation und eine nachhaltige Finanzierung, damit ein solcher Dienst dem Gemeinwohl nützt, ohne die professionelle Versorgung zu schwächen.
Kernforderungen der Stiftung
Dr. Claudia Fremder, Fachlicher Vorstand der DGD Stiftung, macht deutlich, dass junge Menschen in Krankenhäusern, Fachkliniken und Senioreneinrichtungen willkommen seien, die sich «in den Dienst am Mitmenschen stellen». Zugleich warnt sie davor, Zivildienstleistende als günstige Arbeitskräfte einzusetzen oder sie als Ersatz für qualifizierte Fachpersonen zu sehen.
«Wer sich für einen Dienst am Menschen entscheidet, verdient Wertschätzung, gute Begleitung und verlässliche Strukturen.»
Die Stiftung betont, dass Zivildienstleistende wertvolle Unterstützung leisten könnten — insbesondere bei Begleit-, Entlastungs- und Organisationsaufgaben. Entscheidend bleibe jedoch, dass die pflegerische Verantwortung und die qualifizierte Versorgung bei den Pflegefachpersonen verbleiben.
Integration in bestehende Abläufe statt Verdrängung
Die DGD Stiftung weist darauf hin, dass in Spitälern und Senioreneinrichtungen bereits strenge Anforderungen an Personalplanung, Qualität und Verantwortlichkeiten bestehen. Ein möglicher Zivildienst müsse deshalb so organisiert werden, dass er in die bestehenden Abläufe integriert wird, ohne reguläre Stellen zu verdrängen oder die fachliche Versorgung zu schwächen.
Für die Stiftung gehören zu einem tragfähigen Gesamtkonzept unter anderem folgende Elemente:
- Klare Regeln zu Zuständigkeiten und Einsatzbereichen;
- Gute pädagogische Begleitung während des Einsatzes;
- Faire Einsatzbedingungen und Anerkennung der geleisteten Arbeit;
- Ausreichende Gegenfinanzierung durch die Politik, um Qualität zu sichern.
| Anforderung | Begründung |
|---|---|
| Klare Zuständigkeiten | Vermeidet Verantwortungsdiffusion und sichert Qualität der Versorgung |
| Pädagogische Begleitung | Unterstützt Lernprozesse und schützt Patientinnen und Patienten |
| Auskömmliche Finanzierung | Verhindert, dass Zivildienst zu Lohn- oder Stellenersatz wird |
Chancen und Grenzen
Die Stiftung sieht in einem Zivildienst eine Chance, junge Menschen langfristig für soziale und gesundheitliche Aufgaben zu begeistern und die Teams im Alltag zu unterstützen. Solche Einsätze könnten Interesse an Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen wecken und zu einer höheren Bereitschaft führen, sich nachhaltig zu engagieren.
Gleichzeitig macht die DGD Stiftung klar, dass Zivildienstleistende keine Lösung für strukturelle Personalengpässe sind. Sie ersetzen keine spezialisierten Fachkräfte und können nicht die Verantwortung der Pflegefachpersonen übernehmen. Insbesondere in sensiblen Bereichen mit hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen müssten die Aufgaben so verteilt werden, dass die professionelle Versorgung jederzeit gewährleistet bleibt.
Politische Konsequenzen
Aus Sicht der DGD Stiftung erfordert eine sinnvolle Umsetzung des Zivildienstes politischen Willen und finanzielle Ressourcen. Ohne verlässliche Finanzierung und klare gesetzliche Vorgaben bestehe die Gefahr, dass Einrichtungen die neuen Kräfte primär zur Kostenreduktion nutzen, statt sie pädagogisch zu begleiten und sinnvoll in Teams einzubinden.
Die Debatte über einen Zivildienst berührt damit nicht nur die Frage der gesellschaftlichen Solidarität, sondern auch die konkrete Organisation der Gesundheits- und Pflegeversorgung. Um in der Praxis zu funktionieren, brauche es ein tragfähiges Gesamtkonzept, das die Erwartungen junger Menschen an sinnvolle Einsätze mit den Anforderungen an Qualität und Sicherheit in Spitälern und Heimen in Einklang bringt.
Die Aussagen der DGD Stiftung liefern damit eine pragmatische Orientierung: Ein Zivildienst kann einen Beitrag leisten — aber nur, wenn Politik und Einrichtungen gemeinsam dafür sorgen, dass Einsatz, Begleitung und Finanzierung den Schutz und die Würde der Betroffenen sowie die Arbeitsbedingungen der Fachpersonen sichern.