Magdeburg – Die Sanierungs- und Modernisierungsbedürfnisse an Schulen in Sachsen‑Anhalt übersteigen die verfügbaren Fördermittel deutlich. Aus dem Infrastruktur‑Sondervermögen des Bundes stehen für die Bildungsinfrastruktur 83,9 Millionen Euro zur Verfügung. Dem Bildungsministerium lagen bis dato 125 Projektvorschläge mit einem Gesamtfördervolumen von rund 375 Millionen Euro vor; die Mittel sind damit klar überzeichnet.
Kommunale Zuständigkeit erschwert Überblick
Wie das Ministerium in Magdeburg auf eine parlamentarische Anfrage mitteilte, lässt sich der gesamte Sanierungs‑ und Modernisierungsbedarf im Land nicht beziffern. Für den Bau, die Unterhaltung und die Instandsetzung von Schulgebäuden sind in Deutschland in der Regel Gemeinden, Landkreise und kreisfreie Städte verantwortlich. Das Ministerium erklärte dazu:
«Dem Ministerium für Bildung liegen aufgrund der kommunalen Zuständigkeit keine zentralen Katasterdaten zu den Schulanlagen vor.»
Damit fehlt eine zentrale, landesweite Datengrundlage, die einen umfassenden Vergleich von Dringlichkeit und Kosten über alle Schulstandorte erlauben würde. Der Landkreistag bestätigt einen grossen Investitionsstau und legte eine Übersicht geplanter Projekte vor, die von Sanierungen bis zu Neubauten reicht.
Beispiele zeigen grosse Bandbreite der Kosten
Einige der vorgelegten Projekte verdeutlichen die Spannweite der erforderlichen Investitionen. Als exemplarische Fälle nennt die Übersicht etwa:
- Ersatzneubau einer Förderschule in Wittenberg inklusive Turnhalle und Schwimmbecken: rund 33 Millionen Euro.
- Erneuerung von Heizungs‑ und Sanitäranlagen an der Sekundarschule «An der Elbe» in Parey: rund 5,5 Millionen Euro.
- Zusätzliche Raummodule für die Ganztags‑ und Gemeinschaftsschule «G. E. Lessing» in Salzwedel wegen steigender Schülerzahlen: rund 6 Millionen Euro.
Solche Einzelprojekte zeigen, dass es nicht nur um kleinere Reparaturen, sondern oft um umfassende Modernisierungen oder komplette Neubauten geht. Neben altersbedingten Schäden wie maroden Dächern und veralteten Sanitäranlagen steigt zunehmend auch der Bedarf an Hitzeschutzmassnahmen in den Gebäuden.
Folgen für Schulbetrieb und Planung
Weil die Fördermittel nicht ausreichen, müssen Kommunen und Landkreise priorisieren. Das führt dazu, dass einige dringend benötigte Projekte zurückgestellt werden oder nur in reduzierter Form realisiert werden können. Grössere Vorhaben – etwa Ersatzneubauten mit Sport‑ und Schwimmanlagen – beanspruchen erhebliche Budgets und binden Ressourcen über Jahre.
Die Zuteilung der begrenzten Bundesmittel erfolgt nach Anträgen; die hohe Überzeichnung zeigt aber, dass die zu vergebenden Mittel nicht die Summe der dringenden Bedürfnisse abdecken. Daraus ergeben sich politische und planerische Fragen: Wie lassen sich Prioritäten transparent und fair setzen? Welche Rolle sollen Länder und Kommunen künftig bei der Erfassung und beim langfristigen Erhalt von Schulgebäuden spielen?
Der Bericht macht zudem deutlich, dass ohne eine verlässliche, landesweite Inventarisierung der Schulanlagen eine strategische, langfristige Sanierungsplanung erschwert bleibt. Für Politikerinnen und Planer ist dies eine Grundlage, um künftige Förderprogramme zielgerichteter zu gestalten und die Finanzierungsquellen besser zu koordinieren.
| Position | Betrag (Angaben im Bericht) |
|---|---|
| Verfügbare Bundesmittel (Infrastruktur‑Sondervermögen) | 83,9 Mio. Euro |
| Eingereichte Projektvorschläge | 125 Projekte |
| Gesamtes beantragtes Fördervolumen | rund 375 Mio. Euro |
Die gemeldeten Zahlen stammen aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage. Weitere Entscheidungen über die Verteilung der Mittel stehen noch aus; die Debatte um Priorisierung und Datenerfassung dürfte das Thema in den kommenden Monaten begleiten.