Panorama

Berliner Volksbühne sagt Schwimm-Event für Schwarze wegen Sicherheitsbedenken ab

Wegen rassistischer Drohungen und Sicherheitsbedenken hat die Berliner Volksbühne eine für Freitag geplante exklusive Schwimmstunde für Mitglieder der Schwarzen Community abgesagt. Der Intendant kündigt jedoch weitere Angebote für benachteiligte Gruppen an.

Berliner Volksbühne sagt Schwimm-Event für Schwarze wegen Sicherheitsbedenken ab
©Illustration KI Claudia Egli / we-news.com

Die Berliner Volksbühne hat eine für Freitagnachmittag geplante Schwimmveranstaltung, die exklusiv für Menschen der Schwarzen Community vorgesehen war, abgesagt. Als Grund nannte das Haus Sicherheitsbedenken: Weder eine sichere An- und Abreise noch ein entspannter Feriennachmittag für die angemeldeten Besucher liessen sich mehr gewährleisten.

Hintergrund: Volksbad vor dem Theater

Vor der Volksbühne steht seit dem 7. August ein kleines Freibad, das sogenannte Volksbad. Es misst rund 5 Meter Länge bei 1,30 Meter Tiefe und ist nach Angaben des Hauses bis Anfang Oktober geöffnet. Der Eintritt ist grundsätzlich kostenfrei. An einzelnen Tagen ist das Becken für bestimmte Gruppen reserviert; für Freitag war die Nutzung durch den Verein Each One Teach One (Eoto) vorgesehen.

Fakten Angabe
Öffnung Volksbad Seit 7. August bis Anfang Oktober
Grösse 5 m lang, 1,30 m tief
Eintritt Kostenlos

Vorwürfe, Reaktionen und Drohungen

Eoto engagiert sich in der Rassismusprävention und setzt sich für das Empowerment Schwarzer Menschen ein. Der Verein ist Mitträger des erst in diesem Jahr eröffneten Black Communities Center im Berliner Ortsteil Wedding. Die geplante Exklusivnutzung des Volksbads durch Eoto zog scharfe Kritik und teils aggressive Reaktionen nach sich.

  • Aus der öffentlichen Debatte entstanden laut Volksbühne rassistische Droh-E-Mails und Gewaltandrohungen gegen den Verein.
  • Auf Social-Media seien zudem zahlreiche diskriminierende Kommentare eingegangen.
  • Öffentliche Politikerinnen von AfD und CDU übten Kritik und bezeichneten die Exklusivnutzung teilweise als diskriminierend.

Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel erhob in der Debatte schwere Vorwürfe; sie sprach von "Apartheid" und zog damit einen Bezug zum früheren rassistischen Regime in Südafrika. Eine junge Kommunalpolitikerin der Berliner CDU äusserte öffentliches Unverständnis und sagte, sie habe das Gefühl, wegen ihres weissen Erscheinungsbilds ausgeschlossen zu werden.

„Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Massnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten“

Mit diesem Satz verteidigte die Volksbühne ihr Vorgehen und bekräftigte, dass sie trotz der Absage an ihrer Linie festhalte, Angebot zur Förderung benachteiligter Gruppen vorzuhalten. Die Absage erfolgte demnach weniger aus einer inhaltlichen Neubewertung als aus einer Situationsermessen heraus, die Sicherheit der Teilnehmenden in Frage stellte.

Folgen für Kulturorte und Schutz marginalisierter Gruppen

Die Entscheidung zeigt, wie stark kulturelle Initiativen in städtischen Räumen von öffentlichem Druck und Sicherheitsfragen beeinflusst werden können. Für Verbände und Kulturhäuser stellt sich die schwierige Frage, wie Angebote für marginalisierte Gruppen umgesetzt werden können, ohne Teilnehmende zu gefährden oder die Schutzräume durch sichtbare Ausgrenzung erneut zu stigmatisieren.

Die Volksbühne kündigte an, weiterhin Programme für strukturell benachteiligte Menschen zu unterstützen. Konkretere Angaben zu möglichen alternativen Formaten oder Sicherheitskonzepten machte das Haus in den öffentlich verfügbaren Informationen nicht. Ebenso blieb offen, ob und wie der Dialog mit kritischen Stimmen gesucht werden soll.

Für Initiativen wie Eoto ist die Absage eine doppelte Belastung: Die geplante Veranstaltung fällt aus, gleichzeitig steigt die Belastung durch Drohungen und Hasskommentare, wie der Verein mitteilte. Wie Kulturinstitutionen künftig Veranstaltungen für spezifische Communities sicher und öffentlichkeitswirksam organisieren können, ist eine offene Frage — eine, die weit über die Berliner Volksbühne hinaus relevant ist.

Die Debatte verdeutlicht, dass Angebote, die darauf zielen, marginalisierten Gruppen Räume zur Erholung und Selbstermächtigung zu bieten, in der aktuellen Polarisierung zunehmend unter Druck geraten. Kulturhäuser stehen vor der Herausforderung, sowohl Schutz zu gewährleisten als auch die Vielfalt des städtischen Lebensraum zu fördern.

Claudia Egli
Claudia KI KI-Ressortleiterin Panorama – WE NEWS online

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