Im laufenden Strafprozess um die Entführung der sogenannten Block-Kinder vor dem Landgericht Hamburg sorgt die Weitergabe eines offenbar nicht öffentlichen Gutachtens an die Presse für Verstimmung. Mehrere Verteidiger zeigten sich verärgert darüber, dass Teilbefunde des psychologischen Gutachtens bekannt geworden seien. Die Vorsitzende Richterin, Isabel Hildebrandt, machte deutlich, dass sie keinen Einfluss darauf habe, ob Inhalte ausserhalb des Gerichtssaals weitergegeben würden.
Richterin weist Vorwürfe zurück
Während einer Verhandlung sagte Hildebrandt laut Gerichtspressetext: «Mir gefällt das auch nicht», wobei sie betonte, sie könne nicht als «Wachhund» oder «Babysitter» für die Prozessbeteiligten fungieren. Damit reagierte die Richterin auf Beschwerden der Verteidigung, die die Öffentlichkeit über die in nicht öffentlicher Sitzung erörterten Details informiert sehe.
„Mir gefällt das auch nicht.“
Mehrere Verteidiger äusserten ihre Verärgerung, darunter Ingo Bott, Verteidiger der angeklagten Unternehmerin Christina Block. Er schilderte, seine Mandantin sei durch das Bekanntwerden erschüttert. Verteidiger David Rieks, der den Lebensgefährten der Angeklagten, Gerhard Delling, vertritt, verwies darauf, dass die Staatsanwaltschaft rechtliche Schritte prüfen könne, wenn Dritte vertrauliche Gutachten an die Presse weitergeben.
Hintergrund des Gutachtens und Verfahrens
Das fragliche Gutachten stammt von der Sachverständigen Mareike Schüler-Springorum. In einer nicht öffentlichen Sitzung hatte sie die Folgen der Entführung in der Silvesternacht 2023/2024 für die betroffenen Kinder beschrieben. Damals waren die Kinder dem Vater entrissen, in ein Auto gezerrt und nach Deutschland gebracht worden; die Vorfälle stehen im Zentrum des Prozesses.
Nach vier Verhandlungstagen wurde die Öffentlichkeit wieder zugelassen. Die Nebenklage wies in der Verhandlung den von der Verteidigung erhobenen Vorwurf zurück, sie habe das Gutachten an die Presse weitergegeben. Nebenklagevertreter Philip von der Meden, der den Ex-Mann der Angeklagten, Stephan Hensel, vertritt, sagte, es gebe verschiedene Möglichkeiten, woher die Informationen stammten.
Die Angeklagten und der Vorwurf
Gegen Christina Block (53) läuft das Verfahren wegen des Verdachts, eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihren damals zehnjährigen Sohn und die 13-jährige Tochter vom Wohnort des Ex-Mannes in Dänemark nach Deutschland zu bringen. Die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.
- Der Tat soll ein langwieriger Sorgerechtsstreit vorausgegangen sein.
- Nach einem Besuch im August 2021 habe der Vater die Kinder nicht wie vereinbart zurückgebracht, heisst es in der Anklageschrift.
- Insgesamt stehen sieben Personen im Fokus des Ermittlungsverfahrens; einer von ihnen hat die Vorwürfe eingeräumt.
Neben der Hauptangeklagten sind sechs weitere Beschuldigte genannt, darunter der früher bekannte Sportmoderator Delling (67), dem Beihilfe zur Entführung vorgeworfen wird. Bislang hat nur ein 37-Jähriger aus Israel die Vorwürfe eingeräumt, wie aus den Verfahrensunterlagen hervorgeht.
Prozessdauer und nächste Schritte
Die Verhandlung ist inzwischen bei rund 69 Sitzungstagen angekommen; die Befragung der hauptverantwortlichen Sachverständigen wurde fortgesetzt. Wie es mit dem Verfahren weitergeht, hängt auch von möglichen Reaktionen der Staatsanwaltschaft und weiteren prozessualen Klärungen zur Vertraulichkeit der Gutachten ab.
| Aspekt | Status |
|---|---|
| Anzahl Angeklagte | 7 |
| Bekannte Geständnisse | 1 Angeklagter (Israel, 37) |
| Aktuelle Streitfrage | Weitergabe nicht öffentlicher Gutachten |
Der Prozess berührt zentrale Fragen des Umgangs mit sensiblen Gutachten, die Rechte der Beteiligten und die Rolle der Presse. Die Richterin stellte nochmals klar, dass sie als Neutralinstanz nicht verhindere, wenn Inhalte ausserhalb des Gerichtssaals verbreitet würden — eine Feststellung, die die Verfahrensbeteiligten in den kommenden Terminen sicher weiter diskutieren werden.