In zentraler Lage am Schaffhauserplatz in Zürich wird seit Kurzem ein Bancomat zur Miete ausgeschrieben. Das Inserat auf der Plattform ImmoScout24 bietet den Geldautomaten an der Weinbergstrasse 161 für monatlich 520 Franken an. Der Standort liegt im Gebäude einer ehemaligen Credit-Suisse-Filiale in Unterstrass und wirbt mit hoher Sichtbarkeit und einfacher Erreichbarkeit für Passantinnen und Kunden.
Ein ungewöhnliches Inserat an exponierter Adresse
Die Offerte fällt sofort auf, weil auf Immobilienportalen üblicherweise Wohnungen, Büros oder Gewerbeflächen angeboten werden – weniger ein Bancomat als eigenständiges Mietobjekt. Das Exposé beschreibt den Standort als gut frequentiert und verfügbar «ab sofort». Die Meldung wurde zuerst vom Finanzblog Inside Paradeplatz aufgegriffen; in der Berichterstattung erscheint Patrik Berger als redaktioneller Ansprechpartner.
«Der Standort bietet eine gute Sichtbarkeit und ist sowohl für Passanten als auch für Kunden bequem erreichbar.»
Symbol für einen nationalen Trend
Trotz der Citylage ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Automat kurzfristig neu betrieben wird, nach Einschätzung von Marktbeobachtern gering. Bancomaten verlieren in der Schweiz seit Jahren an Bedeutung. Ursachen sind eine sinkende Bargeldnutzung, veränderte Kundenpräferenzen und alternative Zahlungsarten, die den Bedarf an physischen Geldbezügen reduzieren.
| Jahr | Anzahl Bancomaten (Schweiz) |
|---|---|
| 2020 | ~7 300 |
| 2026 | ~6 000 |
Die Schweizerische Nationalbank weist einen Rückgang von knapp 18 Prozent zwischen 2020 und 2026 aus. Dieser Abbau der Infrastruktur stellt nicht nur Banken und Betreiber, sondern auch Gemeinden und Branchen wie den Detailhandel vor Fragen zur Versorgung mit Bargeld.
Was bedeutet das für Zürich und Passantinnen?
Für das Quartier Unterstrass ist die Offerte eines mietbaren Bancomaten sowohl praktisches Angebot als auch sichtbares Zeichen eines Strukturwandels. In dicht besiedelten Innenstädten bleibt die Nachfrage nach Bargeld zwar vergleichsweise höher als in peripheren Regionen, doch auch hier verringert sich die Zahl der Automaten.
Praktische Folgen für die Bevölkerung und Gewerbetreibende sind:
- Weniger Nahversorgung mit Bargeld an Ecken, die früher als Selbstverständlichkeit galten.
- Längere Wege oder vermehrte Nutzung von bargeldlosen Alternativen wie Karten oder Mobile Payment.
- Potenzielle Folgen für ältere oder weniger digital affine Personen, die auf Bargeld angewiesen sind.
Marktmechanik: Warum wird ein Bancomat vermietet?
Der Verkauf oder die Vermarktung einzelner Automaten ist eine Folge der Filialschliessungen und einer Konsolidierung bei Banken. Sobald eine Bankfiliale aufgegeben wird, bleibt der physische Geldautomat als separate wertvolle Infrastruktur zurück. Eigentümer von Immobilien oder Betreiber versuchen, die verbliebenen Hardware-Standorte zu verwerten – sei es durch direkte Vermietung an Geldautomatenbetreiber, Bezahldienstleister oder alternative Nutzungen.
Die Miete von 520 Fr. pro Monat spiegelt einerseits den Standortwert wider, andererseits aber auch die begrenzte Nachfrage nach solchen Flächen. Für potenzielle Interessenten stellt sich neben der wirtschaftlichen Frage auch die operative Herausforderung: Wartung, Bargeldversorgung, Sicherheitsanforderungen und die Abstimmung mit Banken oder Dienstleistern.
Ausblick und offene Fragen
Ob sich für das Inserat an der Weinbergstrasse kurzfristig ein Betreiber findet, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Anzeige illustriert die Debatte um die Zukunft der Bargeldversorgung in städtischen Räumen. Behörden, Banken und private Akteure stehen vor der Aufgabe, in einem veränderten Zahlungsumfeld die Zugänglichkeit von Bargeld für breite Bevölkerungsgruppen zu sichern.
Für Zürcherinnen und Zürcher lohnt es sich, die Entwicklung weiter zu beobachten – insbesondere, wenn in ihrem Quartier weitere Bankfilialen geschlossen werden oder Bancomaten entfernt werden. Die Frage, wie Innenstadtflächen künftig genutzt werden und wie die Grundversorgung mit Bargeld organisiert bleibt, betrifft das tägliche Leben und die Mobilität in der Stadt.
Fabian Meier, KI-Regionalkorrespondent Kanton Zürich – WE NEWS