Umwelt Les Brenets Jura (JU)

Ausgetrockneter Lac des Brenets wird grüne Wiese – seltene Arten erscheinen auf Seegrund

Innerhalb von rund zwei Monaten ist der Lac des Brenets weitgehend verdunstet. Der fruchtbare Seeboden zeigt einen dichten Pflanzenteppich, auf dem seltene, teils gefährdete Arten wachsen. Wissenschaftlerinnen und Naturschutzorganisationen beobachten das Phänomen aufmerksam.

Ausgetrockneter Lac des Brenets wird grüne Wiese – seltene Arten erscheinen auf Seegrund
©Illustration KI Nadine Bühler / we-news.com

Der Lac des Brenets, der die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich bildet, präsentiert sich derzeit nicht mehr als stehendes Gewässer, sondern als grosse, grüne Fläche: Innerhalb von etwa zwei Monaten ist das Wasser weitgehend verschwunden, und der fruchtbare Seegrund hat einen dichten Pflanzenbewuchs entwickelt. Das Phänomen hat nicht nur ästhetischen Wert, sondern ist auch aus naturschutzfachlicher Sicht bemerkenswert.

Ursache: anhaltende Trockenheit und Verdunstung

Die Entstehung der flächigen Vegetation ist eine direkte Folge der anhaltenden Trockenheit in der Region. Laut Beobachtungen ist das Wasser des rund 0,8 Quadratkilometer grossen Sees innerhalb kurzer Zeit so stark zurückgegangen, dass der ehemals wassergesättigte Boden jetzt Pflanzenwachstum erlaubt. Aufnahmen zeigen Boote, die zuvor im Schlamm steckten und nun auf grünem Untergrund ruhen. Die Grenze zwischen Ufer und ehemals offenem Wasser ist vielerorts nicht mehr zu erkennen.

Seltene und bedrohte Arten nutzen den temporären Lebensraum

Auf dem trockengefallenen Grund spriessen nicht nur gewöhnliche Pionierpflanzen: Fachleute berichten von seltenen Arten, darunter die Wasser-Limoselle und das sogenannte Höhle-Sternlebermoos, die in diesem temporären Habitat erscheinen. Diese Vorkommen erklären, weshalb Biologen und Naturschutzorganisationen die Fläche in den kommenden Wochen und Monaten genau beobachten werden.

«Das ist aussergewöhnlich», sagte Biologe Laurent Juillerat gegenüber SRF und verwies auf die Anziehungskraft des Phänomens für Forscherinnen und Forscher.

Gaëlle Vadi von Pro Natura Neuenburg ergänzt, dass der Boden unter der Oberfläche noch feucht sei und Nährstoffe enthalte, die sich über Jahrzehnte unter dem See abgelagert hätten. Diese Bedingungen beguenstigten das Wachstum anspruchsvoller Pflanzenarten, die andernfalls im stehenden Wasser nicht zur Entfaltung kommen.

Ökologische Chancen und Risiken

Das Auftreten seltenster Arten auf dem Seeboden bietet eine seltene Gelegenheit zur Beobachtung und Forschung. Zugleich bleiben Unsicherheiten: Temporäre Lebensräume können rasch wechseln — wenn das Wetter wieder nass wird, geht die Vegetation zurück, und Arten, die sich an die speziellen Bedingungen angepasst haben, könnten verlorengehen.

  • Positive Aspekte: Zunahme von Habitatvielfalt, Forschungschancen, Sichtbarkeit gefährdeter Arten.
  • Risiken: Verlust temporärer Populationen bei Wiederauffüllung, mögliche Störungen durch Besucherverkehr, eingeschränkte langfristige Schutzperspektive.
  • Beobachtungsbedarf: Fortlaufende Kartierung der Arten, Schutz sensibler Bereiche gegen Trampel- und Fahrzeugdruck.

Was aktuell zu beobachten ist

Die vegetationsbedeckte Fläche erstreckt sich über mehrere Kilometer und zieht sowohl Fachpersonen als auch Medien an. Luftaufnahmen aus jüngster Zeit dokumentieren das rasche Anwachsen des Pflanzenteppichs, der sich bereits im August sichtbar ausbreitete. Experten betonen, dass die Bodenfeuchte unter der Oberfläche weiterhin einen Einfluss auf die Artzusammensetzung hat.

FaktDetail
Grösse des Sees (vor Trockenheit)circa 0,8 km²
Zeitraum des Wasserverlustsetwa zwei Monate
Sichtbare seltene ArtenWasser-Limoselle, Höhle-Sternlebermoos

Lokale Bedeutung und mögliche Folgen

Der Lac des Brenets hat für die Region eine hohe Bedeutung als Freizeit- und Erholungsraum sowie als grenzüberschreitendes Naturgebiet. Ein ausgeprägter Wasserverlust beeinflusst Freizeitnutzung, Schifffahrt und touristische Angebote. Zugleich entsteht ein einzigartiges Forschungsfeld zur Reaktion von Flora und Fauna auf plötzliche Habitatveränderungen.

Naturschutzorganisationen wie Pro Natura beobachten das Geschehen und wägen ab, inwieweit Besucherlenkung oder temporäre Sperren nötig sind, um empfindliche Pflanzenbestände nicht zu gefährden. Die wissenschaftliche Dokumentation während dieser Phase wird entscheidend dafür sein, welche Schutzmassnahmen später sinnvoll erscheinen.

Ausblick

Ob und wann der Lac des Brenets wieder vollständig Wasser führen wird, hängt von den kommenden Niederschlägen und dem hydrologischen Verhalten des Einzugsgebiets ab. Für Forscher bleibt die aktuelle Phase eine wertvolle Chance, dynamische Prozesse der Wiederbesiedelung und der Anpassung seltener Arten direkt zu beobachten. Für die lokale Bevölkerung und Besucher gilt es, die Balance zu finden zwischen Interesse an diesem aussergewöhnlichen Anblick und dem Schutz der empfindlichen neuen Lebensräume.

Nadine Bühler
Nadine KI KI-Ressortleiterin Umwelt – WE NEWS online

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