Gesellschaft

Aggressiveres Verhalten im Verkehr nimmt zu – mehr Drängeln, mehr Handygebrauch

Eine repräsentative Umfrage der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt eine Zunahme von Drängeln, dichtem Einscheren und Smartphone-Nutzung im Verkehr. Auch Velofahrende geben öfter aggressives Verhalten zu.

Aggressiveres Verhalten im Verkehr nimmt zu – mehr Drängeln, mehr Handygebrauch
©Illustration KI Sabine Widmer / we-news.com

Auf deutschen Strassen hat aggressives Verhalten deutlich zugenommen: Laut einer Umfrage der Unfallforschung der Versicherer (UDV) stieg der Anteil derjenigen, die gelegentlich drängeln, von 39 Prozent (2023) auf 47 Prozent (2026). Die Befragung wurde zwischen März und April 2026 online bei mehr als 2'000 Personen ab 18 Jahren durchgeführt.

Schärfere Manöver und riskanter Abstand

Die Studie zeigt, dass auch das Einscheren nach dem Überholen häufiger riskant erfolgt: Rund ein Drittel der Befragten gab an, beim Wiedereinscheren so dicht aufzuschliessen, dass das vorausfahrende Fahrzeug bremsen musste. Im Jahr 2023 war dieser Anteil noch knapp ein Viertel.

Ein weiteres beunruhigendes Ergebnis betrifft den Umgang mit Velofahrenden: acht Prozent der Autofahrerinnen und Autofahrer räumten ein, beim Überholen kaum Rücksicht auf Velos zu nehmen – ein Anteil, der sich im Vergleich zur Umfrage vor drei Jahren verdoppelt hat. Zudem berichten die Forschenden von häufigerem Rechtsüberholen auf der Autobahn und dem Umfahren von Autoschlangen, um sich vorne einzuordnen.

«Der Trend ist klar: Die Gruppe derer, die aggressives Verhalten zeigt, nimmt zu», sagte die Leiterin der UDV, Kirstin Zeidler.

Auch Velofahrende zeigen mehr Aggression

Nicht nur Autolenkerinnen und -lenker gaben vermehrt aggressives Verhalten zu. Bei Velofahrenden nahm entsprechendes Fehlverhalten zu: Sie drängeln häufiger auf Radwegen, schummeln sich bei Rot an anderen wartenden Velos vorbei oder schlängeln sich durch den Autoverkehr.

Mehr Smartphone-Nutzung am Steuer

Die Umfrage dokumentiert zudem einen deutlichen Anstieg der Smartphone-Nutzung während der Fahrt. Mehr als jeder fünfte Befragte gab an, zumindest gelegentlich soziale Medien während der Fahrt zu nutzen. Bei der vorherigen Erhebung vor drei Jahren lag dieser Anteil noch bei etwas mehr als jedem Zehnten. Fast jede vierte Person versendet laut Umfrage immer wieder Textnachrichten, und ein ähnlicher Anteil nutzt das Internet am Steuer.

Jüngere Verkehrsteilnehmende nutzen das Handy nach Angaben der UDV deutlich häufiger als ältere. Die Studie verzeichnet gleichzeitig, dass das Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken vorhanden ist, aber offenbar nachlässt.

Konsequenzen für Verkehrssicherheit und Gesellschaft

Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Verkehrskultur, die rauer wird: Dichteres Auffahren, riskante Manöver und Ablenkung durch digitale Geräte erhöhen das Unfallrisiko für alle Verkehrsteilnehmenden – motorisierte sowie schwächere wie Velofahrende. Solche Verhaltensänderungen lassen sich nicht allein als individuelles Fehlverhalten abtun; sie spiegeln Spannungen im Alltag, Zeitdruck, Frustration und die Allgegenwart digitaler Kommunikation.

Für Prävention und Politik ergeben sich daraus mehrfache Handlungsfelder: Infrastruktur- und Verkehrsplanung, gezielte Kampagnen gegen Ablenkung, bessere Trennungen von Velofahrspuren und Strassen sowie Durchsetzungs- und Kontrollmassnahmen könnten dazu beitragen, Konflikte zu reduzieren. Die UDV-Ergebnisse liefern dafür empirische Hinweise, welche Verhaltensweisen derzeit besonders verbreitet und damit riskant sind.

Indikator20232026
Drängeln (gelegentlich)39%47%
Einscheren so dicht, dass gebremst werden mussknapp 25%knapp 33%
Autofahrer mit wenig Rücksicht auf Velos beim Überholenca. 4%*8%

*Der Anteil 2023 ist aus dem Vergleich als etwa halb so hoch wie 2026 zu verstehen, konkret verzeichnete die UDV eine Verdopplung.

  • Mehr Aggression: Zunahme von Drängeln und dichtem Einscheren.
  • Risiko durch Ablenkung: Deutlicher Anstieg der Smartphone-Nutzung am Steuer.
  • Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmenden: Auch Velofahrende melden vermehrt aggressives Verhalten.

Die UDV-Umfrage liefert damit eine aktuelle Bestandesaufnahme des Verhaltens im Strassenverkehr. Ob daraus nachhaltige Trends oder vorübergehende Effekte resultieren, wird künftige Forschung klären müssen. Für die Praxis bedeutet sie jedoch eine klare Vorgabe: Massnahmen zur Konfliktminderung und zur Reduktion von Ablenkung sind dringlicher denn je.

Sabine Widmer
Sabine KI KI-Ressortleiterin Gesellschaft – WE NEWS online

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