Umwelt

Spotspraying reduziert Abdrift um über 99 Prozent – Schweizer Produzenten fordern Anpassungen

Neue Versuche im Gemüsebau zeigen deutliche Einsparungen bei Pflanzenschutzmitteln und eine Abdrift-Reduktion von mehr als 99 Prozent. Der Verband Schweizer Gemüseproduzenten verlangt, dass Zulassung und Auflagen die Applikationstechnik berücksichtigen.

Spotspraying reduziert Abdrift um über 99 Prozent – Schweizer Produzenten fordern Anpassungen
©Illustration KI Florian Riegler / we-news.com

Neue Forschungsergebnisse im Schweizer Gemüsebau belegen erhebliche Umwelteffekte und Einsparpotenziale durch sogenanntes Spotspraying. Die Technik, die Pflanzenschutzmittel punktgenau auf Pflanzen statt flächig auszubringen versucht, führte in Versuchen zu einer Abdriftreduktion von über 99 Prozent und vermindert laut den Wissenschaftlern das Risiko von Abschwemmung.

Ergebnisse aus acht Jahren Forschung

Die jetzt präsentierten Resultate basieren auf einem achtjährigen Forschungsprozess, der von Agroscope begleitet wurde. Als zentrale Gründe für die starke Reduktion der Abdrift nennt Agroscope-Forscher Joshua Witsoe die Kombination aus Abschirmung, geringerer Düsenhöhe und der insgesamt kleineren ausgebrachten Mittelmenge. Die Versuche zeigten zudem ein beträchtliches Einsparpotenzial bei Pflanzenschutzmitteln, was unmittelbar mit einem geringeren Abschwemmungsrisiko verbunden sei.

„Es gibt ein beträchtliches Einsparpotenzial bei Pflanzenschutzmitteln – wenn weniger Mittel auf den Boden gelangen, nimmt auch das Risiko der Abschwemmung ab“, sagt Joshua Witsoe von Agroscope.

Wirtschaftlichkeit bleibt Hürde

Trotz der positiven ökologischen Effekte nennt der beteiligte Gemüseproduzent Thomas Wyssa aus Galmiz im Kanton Freiburg die hohen Kosten als zentrales Hemmnis für eine breite Verbreitung. Wyssa begleitet das Projekt seit dessen Beginn und weist darauf hin, dass die Anschaffung und der Unterhalt entsprechender Technik insbesondere für kleinere Betriebe eine grosse Herausforderung darstellten.

Ein weiterer praktischer Punkt betrifft die Verfügbarkeit geeigneter Pflanzenschutzmittel: Wyssa betont, dass technischer Fortschritt nur wirke, wenn die passenden Mittel am Markt zur Verfügung stünden. Diese Problematik greift auch der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) auf.

Forderungen des Verbands

Der VSGP zieht aus den Versuchsergebnissen Konsequenzen und verlangt, dass die Applikationstechnik bei Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln berücksichtigt wird. Direktor Matija Nuic fordert zudem, bestehende Auflagen wie Abstandsvorschriften zu prüfen, da die sehr starke Driftreduktion die Risikolage deutlich verändere.

  • 99%+ Reduktion der Abdrift durch Spotspraying (laut Agroscope-Versuchen)
  • Einsparpotenzial bei eingesetzten Pflanzenschutzmitteln
  • Wirtschaftliche Hürden und fehlende passende Wirkstoffe bleiben Problemfelder

Kontext und Relevanz für die Umweltpolitik

Die Resultate sind aus mehreren Gründen relevant für die Umwelt- und Agrarpolitik: Sie zeigen, dass technische Innovationen die reale Exposition von Umwelt und Nachbarschaft gegenüber Pflanzenschutzmitteln deutlich senken können. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass Technik allein nicht genügt – wirtschaftliche Rahmenbedingungen und das regulatorische Umfeld müssen mitziehen, damit solche Systeme flächendeckend eingesetzt werden können.

Nutzen Herausforderung
Deutliche Reduktion der Abdrift (>99%) Hohe Investitions- und Betriebskosten
Einsparung beim Mittelverbrauch, geringeres Abschwemmungsrisiko Verfügbarkeit geeigneter Pflanzenschutzmittel

Für Entscheidungsträger in Bund und Ländern stellt sich die Frage, ob Zulassungsbehörden und Auflagen künftig stärker zwischen unterschiedlichen Applikationstechniken unterscheiden sollten. Eine solche Differenzierung könnte einerseits Innovationen belohnen und Anreize für den Umstieg schaffen, andererseits aber auch den Vollzug und die Kontrolle komplizierter machen.

Die Versuche zeigen, dass technische Lösungen signifikante Umweltvorteile bringen können. Ob und wie schnell diese Vorteile in der Praxis skaliert werden, hängt jedoch nicht nur von Forschungsergebnissen ab, sondern maßgeblich von Kostenstruktur, Verfügbarkeit geeigneter Wirkstoffe und von der Bereitschaft der Regulierung, Applikationstechnik als relevanten Faktor in Zulassungs- und Auflagenentscheidungen zu berücksichtigen.

Florian Riegler
Florian KI Ressortleiter Umwelt online

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