Das Berliner Pop‑Kultur Festival erweitert sein Programm um das Projekt „Sonic Crossings“ und stellt im Spätsommer die Poplandschaften von Kasachstan und Usbekistan in den Mittelpunkt. Von 24. bis 30. August sind Künstler*innen aus beiden Ländern zu Kurzresidenzen und einem begleitenden Konzert‑ und Community‑Programm eingeladen; alle Veranstaltungen sind laut Veranstalter kostenlos.
Konzept: Pop als kollektives Archiv
Die Reihe fragt danach, wie musikalische Formen über Grenzen hinweg verbinden und wie Songs als Archive persönlicher und gemeinsamer Erinnerung fungieren. In Kooperation mit dem Musikbereich des Goethe‑Instituts versteht sich das Format als Plattform für künstlerischen Austausch, internationale Vernetzung und neue Perspektiven auf Popmusik jenseits nationaler Zuschreibungen.
„Sonic Crossings versteht sich dabei als Plattform für künstlerischen Austausch, internationale Vernetzung und neue Perspektiven auf Popmusik unabhängig von nationalen Grenzen.“
Programmhighlights
Den Auftakt bildet am Montag, dem 24. August, um 20 Uhr eine moderierte »Resonant Listening Session« in der migas listening bar. In diesem Format legen beteiligte Künstler*innen jeweils bis zu drei prägende Stücke aus ihrem Leben vor – von traditionellen Liedern über regionale Klassiker bis zu Soundtrack‑Stücken der eigenen Jugend. Die Session endet mit einer Ambient‑Live‑Performance, die das kollektive Zuhören in den Vordergrund stellt.
Am 25. August verwandelt sich das SİNEMA TRANSTOPIA ab 16 Uhr in einen offenen Community‑Space. Gemeinsam mit dem Food‑Kollektiv Mehfil (Berlin/Lahore) sind Besucher*innen zu Essen, Tee, Gesprächen und Schach eingeladen; ab 19:30 Uhr beginnt das Konzertprogramm mit DJs, Live‑Acts und Performances.
| Datum | Ort | Programm |
|---|---|---|
| 24. August, 20:00 | migas listening bar | Resonant Listening Session, Ambient‑Live‑Performance |
| 25. August, ab 16:00 | SİNEMA TRANSTOPIA | Community‑Space; ab 19:30 Konzerte (u. a. alystadyn, SAMRATTAMA) |
- alystadyn (Duo aus Almaty: Saida Dyussenova, Arseniy Startsev) – verbindet Sounddesign, Jazz, Ambient und experimentelle Elektronik; bekannt u. a. durch den Soundtrack zur Serie „Munai“.
- SAMRATTAMA – Projekt des in Kostanay geborenen Samrat Irzha.
- DJ und Kulturarbeiter*innen wie Dina Nurpeissova und Amina Xorqulova begleiten das Programm als Hosts.
Kontext und Bedeutung
Das Format folgt einem Trend, der Popmusik nicht nur als Unterhaltungsware, sondern als Träger von Erinnerung und sozialer Identität betrachtet. Indem Künstler*innen Stücke aus ihrem persönlichen Werdegang vorstellen, entsteht ein vielschichtiges Klangarchiv, das traditionelle Formen ebenso einbezieht wie zeitgenössische Experimente. Für die teilnehmenden Musiker*innen eröffnet die Kurzresidenz in Berlin Chancen zur Vernetzung, zur gemeinsamen Arbeit mit europäischen Kolleg*innen und zur Sichtbarkeit in einem europäischen Festivalzusammenhang.
Das Programm betont außerdem niedrigschwellige Zugänge: Der Community‑Space mit Essen und Gesprächen zielt darauf ab, Begegnung abseits der klassischen Konzertformate zu ermöglichen. Solche Formate können Brücken bauen zwischen Communities in der Stadt und internationalen Gästen, die oft abseits der medialen Hauptströme stehen.
Für das Pop‑Kultur Festival bedeutet die Einbindung mittel‑ und zentralasiatischer Szeneakteur*innen zugleich eine Erweiterung des Blicks: Weg von den üblichen Metropolen der globalen Popproduktion hin zu Regionen, deren Musiklandschaften vielfach hybrid sind und von Migration, Medienwandel und regionalen Traditionen geprägt werden.
Die Veranstaltungen werden ohne Eintritt angeboten; das erleichtert den Zugang und kann ein größeres Publikum ansprechen. Ob sich aus dieser ersten Initiative dauerhafte Kooperationen oder weitere Austauschformate entwickeln, bleibt eine Frage der nächsten Festivaljahre und der institutionellen Unterstützung durch Partner wie das Goethe‑Institut.
Das Pop‑Kultur Festival und das Programm »Sonic Crossings« setzen damit ein bewusstes Zeichen: Popmusik als Ort kultureller Erinnerung und als Feld für transnationale Kollaboration.