Die Wiener Staatsoper hat am 9. September die diesjährige Hülle des sogenannten Eisernen Vorhangs präsentiert. Für diese Saison wurde die Arbeit des österreichischen Künstlers Herbert Brandl ausgewählt; die Enthüllung ist die erste posthume Übernahme der Reihe, nachdem Brandl überraschend während der Arbeit verstarb.
Tradition, Denkmal und künstlerische Intervention
Das Original des Eisernen Vorhangs stammt aus dem Jahr 1955 und ist — so die Berichterstattung — ein Werk eines "Nazilieblings" namens Eisenmenger. Da dieser Vorhang denkmalgeschützt ist, wird er seit 29 Jahren zu Saisonbeginn jeweils nicht entfernt, sondern mit Arbeiten lebender Künstlerinnen und Künstler verhüllt. Heuer war eine internationale Jury auf Brandl gekommen; seine Arbeit zeigt laut Beobachtern eine ausladende, blau dominierte Fläche, die an Himmel, Ozean oder einen heiteren Traum erinnert und zu ruhiger Betrachtung einlädt.
Eröffnung und Begleitung
Die Präsentation wurde musikalisch begleitet. Staatsoperndirektor Bogdan Roscic hielt eine kurze Rede; auch Vertreter der Veranstalterorganisation museum in progress sowie der Sponsoren der isi Group sprachen bei der Eröffnung. In einer Ansprache wurde die heutige Enthüllung ausdrücklich als erste
„enthüllte Verhüllung“nach dem Tod des Künstlers bezeichnet.
- Künstler: Herbert Brandl (posthum ausgewählt)
- Ursprungsvorhang: Original 1955, Werk von Eisenmenger, denkmalgeschützt
- Veranstalter: museum in progress; Sponsor: isi Group
- Direktion Staatsoper: Bogdan Roscic (Eröffnungsrede)
Bedeutung und Kontexte
Die Praxis, einen geschützten historischen Vorhang mit zeitgenössischer Kunst zu verhüllen, sitzt an der Schnittstelle mehrerer Debatten: Denkmalpflege, kollektive Erinnerung und die Frage, wie mit problematischen historischem Erbe umzugehen ist. Das Originalwerk aus 1955 ist aufgrund seiner Herkunft umstritten; das Verhüllen hat sich über beinahe drei Jahrzehnte als kulturelles Ritual etabliert, das laufend aktuelle künstlerische Positionen sichtbar macht, ohne das denkmalgeschützte Objekt zu entfernen.
Bei der heurigen Lösung fällt auf, dass die Arbeit Brandls — so die Beschreibungen — einerseits fernab provokativer Gesten bleibt und andererseits bewusst Raum für Interpretation lässt. Die Motive werden als beruhigend und meditativ beschrieben; sie laden das Publikum eher zur inneren Sammlung als zum Streit ein. Die Umstände der Auswahl und der plötzliche Tod des Künstlers verleihen der Präsentation zusätzlich eine melancholische Note.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Original des Eisernen Vorhangs | 1955, Werk von Eisenmenger (denkmalgeschützt) |
| Jährliche Verhüllung | Seit 29 Jahren mit Arbeiten lebender Künstler |
| Heuer ausgewählt | Herbert Brandl (posthum) |
| Organisator | museum in progress; Sponsor: isi Group |
Für die Staatsoper hat das Ritual der Verhüllung zwei Funktionen: Es bewahrt das denkmalgeschützte Original und ermöglicht gleichzeitig eine fortlaufende Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst. Die heurige posthume Präsentation macht zugleich die Fragilität künstlerischer Arbeit sichtbar — Auswahlprozesse, Produktionszeiten und das öffentliche Sichtbarwerden von Kunst können von persönlichen Schicksalen betroffen sein.
Welche Folgen diese spezielle Verhüllung für die Debatte um historische Werke mit belasteter Provenienz haben wird, bleibt zu beobachten. Die heurige Präsentation bietet zumindest einen Moment der kollektiven Besinnung: auf Kunst, Vergänglichkeit und den Umgang mit einem kulturellen Erbe, das nicht ohne Spannungen ist.