Leitung vorerst beim Prior
Im Stift Zwettl hat nach dem Ende der Amtszeit von Abt Johannes Maria Szypulski eine Übergangsphase begonnen. Szypulski schied am 26. Oktober aus dem Amt. Bis die Ordensgemeinschaft einen neuen Vorsteher gewählt hat, übernimmt Prior Paulus Nüss die Leitung des Zisterzienserstiftes. Zur Seite steht ihm ein dreiköpfiges Leitungsgremium, dem neben ihm P. Bernhard Prem und P. Daniel Gärtner angehören.
Für die Zeit ohne Abt gilt im kirchenrechtlichen Sprachgebrauch eine Sedisvakanz. Gemeint ist damit, dass die Leitungsstelle vorübergehend unbesetzt ist, während die laufenden Aufgaben des Hauses weitergeführt werden. Die Verantwortung liegt in dieser Phase nicht bei einer neu eingesetzten langfristigen Führung, sondern bei der interimistischen Leitung und den dafür vorgesehenen Gremien des Klosters.
Entscheidung innerhalb von 60 Tagen
Abtpräses Pius Maurer vom Stift Lilienfeld kam am Dienstag mit dem Klosterkapitel in Zwettl zusammen. Bei diesem Treffen ging es um das weitere Verfahren und um die Möglichkeiten für die Nachfolge. Nach den Bestimmungen der Österreichischen Zisterzienserkongregation muss die Wahl innerhalb von 60 Tagen erfolgen. Damit ist die Entscheidung spätestens bis Weihnachten vorgesehen.
„Ich bin zuversichtlich, dass das Stift Zwettl bald einen neuen von den Mitbrüdern gewählten Leiter hat“, erklärte Abtpräses Pius Maurer.
Vorgesehen ist grundsätzlich die Wahl eines neuen Vorstehers aus den Reihen der Mitbrüder. Die Ordensregeln lassen jedoch auch eine Postulation zu. In diesem Fall könnte ein Mönch aus einem anderen österreichischen Zisterzienserkloster nach Zwettl berufen werden. Welche Möglichkeit weiterverfolgt wird, ist nach der Zusammenkunft des Klosterkapitels noch nicht entschieden.
Rücktritt nach dem 70. Geburtstag
Der Wechsel folgt auf den 70. Geburtstag Szypulskis am 25. Juni. Nach den Bestimmungen des Ordens bot er seinen Rücktritt an. Nach einer Befragung des Konvents nahm Abtpräses Maurer diesen mit Ende Oktober an. Szypulski hatte das Stift seit 29. Mai 2017 geleitet.
Der aus Polen stammende Ordensmann war bereits 1982 in Zwettl eingetreten und wurde drei Jahre später zum Priester geweiht. Während seiner Amtszeit wurden Teile der Stiftsanlage restauriert. Außerdem wurde Zwettl in den europäischen Kulturwanderweg „Cisterscapes“ aufgenommen. Dieses Netzwerk verbindet zisterziensische Kulturlandschaften und ordnet das Waldviertler Stift in einen größeren europäischen Zusammenhang ein.
Stift bleibt für Region bedeutsam
Die Wahl des neuen Abtes betrifft daher nicht nur die interne Organisation der Ordensgemeinschaft. Das Stift ist in Zwettl zugleich ein Ort der Seelsorge, der Kultur und der Bildung. Die derzeit zwölf Mitglieder der Gemeinschaft betreuen Pfarren in der Umgebung. Darüber hinaus gehören die Forst- und Teichwirtschaft zu den Tätigkeitsfeldern des Hauses. Das Kloster tritt außerdem als Kultur- und Bildungszentrum auf.
- Interimistische Leitung: Prior Paulus Nüss mit P. Bernhard Prem und P. Daniel Gärtner
- Frist für die Wahl: spätestens bis Weihnachten
- Mögliche Nachfolge: Wahl eines Mitbruders oder Postulation aus einem anderen österreichischen Zisterzienserkloster
Das im Jahr 1138 gegründete Stift zählt zu den ältesten weltweit ohne Unterbrechung bestehenden Zisterzienserklöstern. Zur Österreichischen Zisterzienserkongregation gehören sieben Klöster, darunter neben Zwettl auch Heiligenkreuz, Lilienfeld, Rein, Schlierbach und Wilhering sowie Vyssi Brod in Tschechien. Mit der laufenden Übergangsleitung bleiben die täglichen Aufgaben des Stiftes aufrecht, während das Kapitel die Entscheidung über die künftige Führung vorbereitet.
| Bereich | Information |
|---|---|
| Ende der Amtszeit | 26. Oktober |
| Vorläufige Leitung | Prior Paulus Nüss |
| Wahlfrist | Innerhalb von 60 Tagen, bis Weihnachten |
| Gemeinschaft | Derzeit zwölf Mitglieder |