Ministerpräsident Cem Özdemir hat bei einem Stationen-Stopp in Mannheim die Bekämpfung von Armut und die Sicherung sozialer Teilhabe als zentrale Voraussetzungen für den Zusammenhalt der Gesellschaft betont. Im Treffpunkt Kupfer, einer Einrichtung des Vereins Ausweg Rhein-Neckar e.V., sprach er mit Mitarbeitenden und Betroffenen über die Herausforderungen, die Menschen in prekären Lebenslagen täglich begegnen.
Teilhabe als Prüfstein für Stabilität
Özdemir machte deutlich, dass die Stärke einer Gesellschaft daran zu messen sei, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. In diesem Zusammenhang stellte er deutlich, dass staatliche und kommunale Politik Handlungsbedarf haben, damit soziale Ausgrenzung nicht weiter wächst. Die Station in Mannheim war Teil seiner Sommertour, bei der er Einrichtungen besuchte, die Menschen in existenziellen Notsituationen unterstützen.
„Unserem Land geht es nur so gut wie dem schwächsten Glied“
Der Treffpunkt Kupfer dient als Begegnungsort für Menschen mit schwierigen Lebenslagen und gehört zum Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg. Aus Sicht der Verantwortlichen ist der Besuch ein Signal, dass jene gehört werden, die häufig keine starke politische Vertretung haben. Dr. Verena Mayer, eine der Sprecherinnen des Vereins, fasste die Arbeit so zusammen:
„Teilhabe ist Handwerk, keine Rhetorik“
Wohnungsnot im Fokus
Besonders deutlich wurde beim Termin die Bedeutung des Wohnens für gesellschaftliche Teilhabe. Özdemir markierte die Wohnungsnot als eine der zentralen sozialen Herausforderungen: Steigende Mieten schränken für viele Menschen die Möglichkeiten ein, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Er nannte mehrere Ansatzpunkte, die auf Landespolitik und Kommunen abzielen, ohne allerdings zu behaupten, dass alle Probleme ausschließlich dort gelöst werden könnten.
Konkret nannte er drei Bereiche, in denen Fortschritte möglich seien:
- Neuverhandlung der Mietpreisbremse zur Entlastung von Mieterinnen und Mietern;
- Stärkere Förderung des Wohnungsbaus zur Schaffung zusätzlicher bezahlbarer Wohnangebote;
- Entbürokratisierung von Genehmigungsverfahren, um Bauvorhaben zu beschleunigen.
Unterstützung für Kommunen und freiwillige Leistungen
Özdemir sprach sich zudem dafür aus, die Kommunen bei ihren freiwilligen sozialen Leistungen stärker zu unterstützen. Viele Angebote für Menschen in schwierigen Lebenslagen beruhen auf kommunalen Initiativen, die unter finanziellen und administrativen Zwängen leiden. Der Ministerpräsident betonte, dass Landespolitik durch gezielte Hilfen und bessere Rahmenbedingungen dazu beitragen könne, solche lokalen Angebote zu stabilisieren.
| Problemfeld | Genanntes Instrument | Ebene |
|---|---|---|
| Steigende Mieten | Neuverhandlung der Mietpreisbremse | Landes-/Bundesebene |
| Fehlende Wohnungen | Förderung von Wohnungsbau | Landes- und Kommunalebene |
| Lange Genehmigungsverfahren | Entbürokratisierung | Verwaltungsebene |
Wirkung auf Betroffene und die Praxis
Die Leiterinnen und Leiter von Ausweg Rhein-Neckar sehen in dem Besuch mehr als ein symbolisches Ereignis: Er rücke Probleme in den Blick, die sonst leicht übersehen werden. Der Verein arbeitet nach eigenen Angaben täglich daran, Menschen zu stabilisieren, Scham abzubauen und Perspektiven zu eröffnen. Die Gespräche vor Ort zeigten, dass es bei vielen Betroffenen nicht nur um materielle Unterstützung geht, sondern auch um Zugänge zu Bildung, Arbeit und sozialer Teilhabe.
Für die Diskussion um soziale Gerechtigkeit und Wohnpolitik bedeutet der Besuch eine Aufforderung zu konkreten Maßnahmen: Politik muss Rahmenbedingungen setzen, die Kommunen stärken und zugleich daran arbeiten, dass Menschen am Rand der Gesellschaft nicht weiter abgehängt werden.
Ob und in welchem Umfang die angesprochenen Maßnahmen umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Der Besuch in Mannheim hat jedoch die Debatte über Armut, Wohnungsnot und Teilhabe erneut auf die Agenda gehoben und verdeutlicht, dass diese Fragen nicht nur lokale, sondern gesamtgesellschaftliche Relevanz besitzen.