Die extreme Trockenheit in Österreich ist nach Angaben der Geosphere Austria in Teilen des Landes außergewöhnlich stark ausgeprägt. Bis zum 12. August verzeichnete Oberösterreich im heurigen Jahr rund 42 Prozent weniger Niederschlag als üblich; besonders stark betroffen ist auch Niederösterreich mit einem Minus von etwa 43 Prozent.
Ausmaß und regionale Verteilung
Die Analyse der Behörde zeigt, dass auf rund 72 Prozent der österreichischen Landesfläche seit 1. Jänner bis 12. August mehr trockene Tage registriert wurden als in jedem der vergangenen 65 Jahre. Wien und das Burgenland liegen laut Auswertung jeweils bei einem Niederschlagsminus von etwa 39 Prozent.
| Bundesland | Abweichung Niederschlag (bis 12. Aug) |
|---|---|
| Niederösterreich | −43 % |
| Oberösterreich | −42 % |
| Wien | −39 % |
| Burgenland | −39 % |
Gründe und Folgen
Die Experten betonen, dass das aktuelle Defizit nicht allein durch fehlende Niederschläge erklärbar ist. Parallel zur Trockenheit verstärkten außergewöhnlich hohe Temperaturen die Wasserknappheit, weil warme Luft deutlich mehr Feuchtigkeit aus Böden und Pflanzen entzieht. Zur Bewertung der Situation wird in der Analyse die klimatische Wasserbilanz herangezogen, die Niederschlag und Verdunstung zusammenführt; als Kennzahl dient der Standardized Precipitation Evapotranspiration Index (SPEI).
Als Folge wurden in den Wäldern bereits vertrocknete Laubblätter beobachtet, die vorzeitig abfallen. Die Kombination aus Niederschlagsdefizit und erhöhter Verdunstung belastet Bodenfeuchte, Vegetation und Trinkwasserressourcen und kann landwirtschaftliche Erträge sowie die Waldgesundheit gefährden.
Hitze als Verstärker
Die Geosphere Austria weist zudem auf die außergewöhnliche Häufung von Hitzetagen hin: In Ostösterreich gab es zwischen 23. Februar und 9. August im Mittel 26 Hitzetage (Tage mit mindestens 30 °C). Diese Zahl stellt nach den vorliegenden Vergleichsdaten seit 1961 einen Rekord dar. Temperaturspitzen erreichten heuer laut Analyse bis zu 41,2 °C.
- Mehr trockene Tage: 72 Prozent der Fläche mit Rekordhäufigkeit seit 65 Jahren.
- Hitze: Rekordanzahl an Hitzetagen und Extreme bis 41,2 °C.
- Wald- und Pflanzenstress: Früher Blattfall und verstärkte Verdunstung.
Aussichten und Unsicherheiten
Langfristprognosen deuten nach Angaben der Forscher erst ab Oktober auf tendenziell feuchteres Wetter hin. Gleichzeitig mahnen die Expertinnen und Experten zu Vorsicht: Wettervorhersagen über Zeiträume von mehr als einem Monat sind im Alpenraum mit großen Unsicherheiten verbunden, sodass eine rasche Entspannung derzeit nicht sicher prognostiziert werden kann.
Die Geosphere Austria beschreibt die Lage als außergewöhnlich; die Forscher sprechen von einer historischen Situation. Selbst wenn nun kurzfristig Niederschlag eintritt, reichen normale Regenmengen laut Analyse nicht aus, um das bestehende Defizit schnell auszugleichen. Die hohe Verdunstung infolge der Hitze macht eine Wiederherstellung der Bodenfeuchte zusätzlich schwieriger.
Für Land-, Forstwirtschaft und Wassermanagement bedeutet dies konkrete Herausforderungen: Die Erholung der Böden erfordert anhaltend überdurchschnittliche Niederschläge, und mögliche lokale Auswirkungen wie Ertragseinbußen, erhöhte Waldbrandgefahr und Stress für Trinkwasserressourcen bleiben in den kommenden Monaten relevant.
Diese Einordnung basiert auf den veröffentlichten Daten der Geosphere Austria zur Periode 1. Jänner bis 12. August und den dort genannten Indikatoren zu Niederschlagsdefiziten und Hitzetagen.