Der österreichische Tischtennis-Profi Daniel Habesohn beendet seine Laufbahn im Nationalteam noch vor der Europameisterschaft Mitte Oktober in Ljubljana. Das teilte der Österreichische Tischtennisverband (ÖTTV) am Dienstag in einer Aussendung mit. Habesohn, der 40 Jahre alt ist, begründete den Schritt mit den zunehmenden zeitlichen Belastungen im internationalen Spitzensport.
Begründung und Perspektive
Habesohn erklärte, dass der immer enger werdende Zeitplan und das ständige Reisen, das nötig ist, um in den Weltranglisten vorne mitzumischen, zu einer Belastung geworden seien. Er betonte, dass ihm die Turniere zuletzt weniger Freude bereitet hätten und die wenigen Prozent an Leistungsfähigkeit, die für intensives Training nötig sind, nicht mehr vorhanden gewesen seien. Gleichzeitig will er seine Spielstärke durch weniger Belastungsfaktoren steigern und sich punktuell besser auf die Bundesliga-Saison vorbereiten.
„Der Hauptgrund für den Rücktritt ist der immer enger werdende Zeitplan im Tischtennis“, erklärte der 40-Jährige.
Habesohn wird weiterhin für Bad Königshofen in der deutschen Bundesliga antreten. Durch den Rücktritt aus dem Nationalteam erwartet er, dass ihm mehr Zeit für die Familie sowie für sein privates Engagement bleibt: Das Tischtennisprojekt Spin City in Wien-Alterlaa läuft laut Angaben des Spielers erfolgreich an. Ziel des Projekts sei es, die Atmosphäre des Sports zu verbessern und mehr Lifestyle ins Tischtennis zu bringen.
Erfolge und Karrierebilanz
Habesohn zählt zu den erfolgreichsten heimischen Tischtennisspielern der vergangenen Jahre. Seine wichtigsten Erfolge sind im Doppel und im Team erzielt worden:
- EM-Doppeltitel mit Robert Gardos: 2012 (Herning), 2018 (Alicante)
- EM-Teamgold: 2015 (Jekaterinburg)
- Turniersieg: Ungarn Open 2014 (Einzel)
- Olympische Spiele: Präsenz bei fünf Spielen, von 2008 (Peking, als Ersatz) sowie von 2012 (London) bis 2024 (Paris) im Einsatz
| Jahr | Erfolg |
|---|---|
| 2012 | EM-Doppelsieger (Herning) mit Robert Gardos |
| 2014 | Einzelsieg Ungarn Open |
| 2015 | EM-Teamgold (Jekaterinburg) |
| 2018 | EM-Doppelsieger (Alicante) mit Robert Gardos |
| 2008–2024 | Teilnahme an fünf Olympischen Spielen (2008 als Ersatz, 2012–2024 im Einsatz) |
Habesohn selbst wertet insbesondere die Doppelerfolge mit Robert Gardos hoch: Das erste gemeinsame EM-Gold 2012 bezeichnete er als „äußerst überraschend“, die erfolgreiche Titelverteidigung 2018 in Alicante wegen der Anwesenheit seiner Mutter emotional noch bedeutsamer. Den Mannschaftstitel von 2015 sieht er als dauerhaftes Kapitel in der Sportgeschichte des ÖTTV, zugleich stehen die Doppeltriumphe für ihn persönlich ganz oben auf der Erfolgsliste.
Folgen für ÖTTV und Nationalteam
Der Rückzug des routinierten Wieners bringt für das Nationalteam eine Lücke in Erfahrung und internationaler Präsenz mit sich. Konkrete Auswirkungen auf die Kaderplanung für die EM in Ljubljana hat der ÖTTV in der Aussendung noch nicht detailliert genannt. Fest steht, dass Habesohns Entscheidung dem Verband Gelegenheit gibt, jüngere Spieler stärker einzubinden und langfristig aufzubauen.
Gleichzeitig könnte Habesohns Fokusverschiebung positive Effekte für das heimische Nachwuchsmarketing haben: Sein Projekt in Wien-Alterlaa zielt auf eine modernere Vermittlung des Sports, was langfristig Zuschauerinteresse und Teilnehmendenzahlen positiv beeinflussen kann. Ob und in welcher Form Habesohn dem ÖTTV künftig abseits des aktiven Nationalteam-Einsatzes erhalten bleibt, wurde nicht ausgeführt.
Die Bekanntgabe erfolgt rund zwei Monate vor der Europameisterschaft in Ljubljana; die ökonomischen und sportlichen Konsequenzen für den ÖTTV werden sich in den kommenden Wochen im Zuge der Kader-Nominierungen und Vorbereitungsturniere zeigen.