Immer mehr Menschen entscheiden sich für Therapien mit sogenannten GLP‑1‑Rezeptoragonisten — in Form der bekannten Abnehmspritze oder neuerdings auch als Abnehmtablette. Ernährungsexpertin Heike Niemeier weist darauf hin, dass damit typische Nebenwirkungen verbunden sein können, vor allem zu Therapiebeginn oder bei Dosisänderungen.
Worauf Betroffene besonders achten sollten
Typische Begleiterscheinungen betreffen vor allem den Magen-Darm-Bereich: Betroffene berichten über ein anhaltendes Völlegefühl, Übelkeit, gelegentlich Erbrechen und auch Verstopfung. Niemeier erklärt, dass die Präparate – je nach Wirkstoff Semaglutid oder Tirzepatid – direkt auf das Sättigungszentrum im Gehirn einwirken. Das erzeugte Sättigungsgefühl kann so stark sein, dass Patientinnen und Patienten selbst bei kleinen Portionen satt bleiben und dadurch zu wenig Nährstoffe aufnehmen.
Aus diesem Grund betont die Expertin: Wichtig ist, trotz vermindertem Appetit weiter zu essen, um einen möglichen Nährstoffmangel zu vermeiden. Konkret gibt sie Alltagsratschläge, die sich leicht umsetzen lassen.
„Das Völlegefühl wird durch die Medikamente erzeugt. Daher ist es wichtig, trotzdem zu essen, um an die Nährstoffe aus dem Essen zu kommen und die Gefahr eines Nährstoffmangels zu reduzieren.“
Praktische Tipps gegen Übelkeit und Verdauungsprobleme
Niemeier empfiehlt mehrere Maßnahmen, die Betroffene sofort probieren können:
- Trinken: Rund um die Injektion ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen; bei Übelkeit sind Kräutertees hilfreich, etwa Fenchel‑Anis‑Kümmel.
- Temperatur beachten: Wasser lieber lauwarm als eiskalt trinken; ein Kältereiz im Magen kann Übelkeit verstärken.
- Ballaststoffe erhöhen: Mehr Flüssigkeit und mehr Ballaststoffe fördern die Darmbewegung und helfen bei Verstopfung.
- Kleine Portionen nahrhaft gestalten: Auch wenn das Sättigungsgefühl früh einsetzt, sollte die Kost nährstoffreich sein, um Mangelzustände zu vermeiden.
Als besonders einfache Ballaststofflieferanten nennt Niemeier Haferkleie, getrocknete Pflaumen und Leinsamen. Haferkleie lässt sich unkompliziert in Joghurt, Salat oder sogar in Frikadellen einrühren; oft reichen kleine Mengen aus, um die Verdauung zu unterstützen.
| Beschwerde | Konkreter Tipp |
|---|---|
| Völlegefühl | Weiter kleine, nährstoffreiche Portionen einnehmen; auf ausreichende Nährstoffzufuhr achten |
| Übelkeit / Erbrechen | Viel trinken; Kräutertees (Fenchel‑Anis‑Kümmel); lauwarmes statt eiskaltes Wasser |
| Verstopfung | Mehr trinken und Ballaststoffe (Haferkleie, Pflaumen, Leinsamen) |
Was das für die Praxis bedeutet
Für Patientinnen und Patienten, die eine GLP‑1‑Therapie beginnen oder die Dosis verändern, empfiehlt es sich, diese Hinweise frühzeitig zu berücksichtigen und gegebenenfalls mit der betreuenden Ärztin oder dem Arzt abzusprechen. Gerade ältere Personen oder Menschen mit geringerer Nahrungsaufnahme sollten auf Anzeichen eines Nährstoffmangels achten.
Die Empfehlungen sind pragmatisch: Kleine Änderungen im Trink‑ und Speiseverhalten, die Integration ballaststoffreicher Lebensmittel und einfache Hausmittel wie Kräutertees können Beschwerden lindern. Wer stärker oder länger andauernde Beschwerden hat, sollte ärztlichen Rat einholen.
Die Diskussion um die neuen Abnehmpräparate bleibt aktuell: Während der Gewichtsverlust für viele Betroffene erwünscht ist, ist ein bewusster Umgang mit Nebenwirkungen notwendig, damit die Therapie nachhaltig und sicher wirkt.