Welle von Angriffen auf Wahlwerbung erschüttert Berliner Straßen
Berlin – Fünf Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus ist in mehreren Bezirken der Hauptstadt eine Zunahme von Vandalismus an Wahlplakaten registriert worden. Der Polizeiliche Staatsschutz hat Ermittlungen zu zahlreichen Fällen aufgenommen, in denen Plakate von Laternen gerissen, beschädigt beschmiert oder verbrannt wurden. Nach Angaben der Polizei waren fast alle größeren Parteien betroffen.
Konkrete Vorfälle in mehreren Bezirken
Die Gewaltakte ereigneten sich laut Polizei in der Nacht zum Samstag und am folgenden Tag. Die Beamten wurden zunächst nach Reinickendorf gerufen, wo auf dem Mittelstreifen der Lindauer Allee zwei Großplakate der CDU und der SPD mit Farbe besprüht wurden. Auf beiden Plakaten sei das Wort „Nazi” sowie die Zahlenkombination 161 gesprüht worden, sagte ein Polizeisprecher.
In Schöneberg beobachtete eine Anwohnerin am Samstagmorgen, wie Unbekannte zwei CDU-Plakate von einer Laterne rissen und zerstörten. Die demolierten Reste fanden die Beamten auf dem Gehweg. Wenig später brannten ebenfalls in Schöneberg an der Kulmer Straße Wahlplakate, die zuvor an einem Laternenmast hingen. Es sei nicht mehr erkennbar, welche Partei betroffen war, teilte die Polizei mit. Die Plakate aus Kunststoff seien vollständig verbrannt.
Weitere Vorfälle meldeten die Einsatzkräfte in Köpenick und Zehlendorf: An der Müggelheimer Straße in Köpenick wurde ein CDU-Plakat zerschnitten aufgefunden. In Zehlendorf riss ein 54-Jähriger ein Plakat der Linken von einem Lichtmast an der Onkel-Tom-Straße; bei dem Mann wurde laut Polizei ein Atemalkoholwert von 2,0 Promille gemessen.
Auswirkungen und Reaktionen
Die Vorfälle zeigen, wie anfällig öffentliche Wahlwerbung gegenüber politisch motivierten Aktionen und randständigem Vandalismus ist. Neben dem materiellen Schaden sind die Attacken ein Ausdruck von Polarisierung, die in einer heißen Wahlkampfphase die Ruhe auf den Straßen stören kann. Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt, weil die Taten über reinen Sachschaden hinaus politisch motivierte Signale tragen könnten.
„Es sei nicht mehr erkennbar, welche Partei hier betroffen war”,
zitiert die Polizei die Lage bei einem der Brandfälle in Schöneberg. Die Behörden prüfen Anzeigen und suchen nach möglichen Zeugen für die einzelnen Vorfälle.
- Reinickendorf: Farbschmierereien an Großplakaten (CDU, SPD), Schriftzüge „Nazi” und „161”.
- Schöneberg: Entfernte und zerstörte CDU-Plakate; später Brand an Kulmer Straße, Kunststoffplakate vollständig verbrannt.
- Köpenick: Zerschnittenes CDU-Plakat an der Müggelheimer Straße.
- Zehlendorf: Mann (54) riss Plakat der Linken ab; Atemalkohol 2,0 Promille.
| Bezirk | Art des Vorfalls | Betroffene |
|---|---|---|
| Reinickendorf | Farbschmierereien | CDU, SPD |
| Schöneberg | Entfernen/Zerstören, Brand | unbekannt / Kunststoffplakate |
| Köpenick | Zerschneiden | CDU |
| Zehlendorf | Abreißen durch Person (alkoholisiert) | Die Linke |
Polizei ermittelt, Parteien alarmiert
Parteien und Wahlkämpfer stehen nun vor der Aufgabe, beschädigte Plakate zu ersetzen und Wahlwerbung zu sichern. Der Vorwurf politischer Hetze, sichtbar in Beschriftungen wie „Nazi”, schärft die Debatte um Meinungsäußerung und Straftatbestand. Die Ermittlungen des Polizeilichen Staatsschutzes zielen darauf ab, Motive, Täter und mögliche Zusammenhänge zwischen den Einzeltaten zu klären.
Für die kommenden Wochen bedeutet das zusätzliche Arbeit für Wahlkampfteams und Polizei: Neben dem Wiederaufstellen zerstörter Plakate stellt sich die Frage nach präventiven Maßnahmen und verstärkter Präsenz in besonders betroffenen Bezirken. Unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen bleibt der faktische Schaden sichtbar – in zerrissenen Bannern, verbrannten Kunststoffflächen und aufgebrachten Bürgern, die eine saubere Wahlkampfkultur fordern.
Die Hauptstadt erlebt damit eine Phase, in der politische Auseinandersetzungen nicht nur auf Wahlbühnen, sondern auch auf Laternenmasten ausgetragen werden. Die Polizei rief mögliche Zeugen auf, sich zu melden, damit die Vorfälle lückenlos aufgeklärt werden können.
Berichtet aus Berlin für WE NEWS.