In Chemnitz beginnt am 1. September der diesjährige Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Bis Ende November können Radfahrende ihre Erfahrungen mit dem lokalen Straßennetz online schildern. Ziel ist es, Politik und Verwaltung ein konkretes Bild von Problemen und positiven Entwicklungen aus Nutzersicht zu liefern.
Was wird gefragt — und wer zählt?
Der Fragebogen umfasst 27 Fragen und lässt sich nach Angaben des ADFC am Computer, Tablet oder Smartphone in etwa zehn Minuten beantworten. Neben klassischen Themen wie Breite von Radwegen, Sicherheit in Kreuzungsbereichen und Verbindungslücken gibt es 2026 erstmals eine eigene Befragung für Junge: Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 20 Jahren sollen getrennt zu ihren Schul- und Freizeitwegen befragt werden.
- Breite und Zustand von Radwegen
- Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr
- Verbindungen und Umsteigemöglichkeiten
- Besondere Perspektive von Kindern und Jugendlichen
„Wer regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß am besten, wo es schon gut rollt und wo Kreuzungen noch unübersichtlich sind oder ein Radweg fehlt“, sagt Janek Mücksch, Vorsitzender des ADFC Sachsen.
Warum die Teilnahme in Chemnitz wichtig ist
Die Ergebnisse des Tests fließen in kommunale Diskussionen über Verkehrsplanung, Schulwege und Fördermittel ein. Für eine Großstadt wie Chemnitz kann eine hohe Beteiligung dazu beitragen, konkrete Schwachstellen zu identifizieren — etwa stark befahrene Kreuzungen ohne sichere Radführung, Lücken im Radnetz oder schlechte Oberflächen. Zugleich zeigt die Vorgeschichte, dass der Handlungsbedarf groß sein kann: Bei der deutschlandweiten Befragung 2024 erklärten drei Viertel der Teilnehmenden in Sachsen, sie fühlten sich im Straßenverkehr auf dem Rad gefährdet.
Vergleichsdaten aus der Vorgängerbefragung
Die bundesweite Dimension des Tests macht die Ergebnisse vergleichbar: 2024 beteiligten sich deutschlandweit mehr als 245.000 Menschen, davon über 8.000 in Sachsen. In Sachsen wurden damals 41 Orte in die Auswertung aufgenommen. Diese Zahlen zeigen, wie aussagekräftig die Erhebung werden kann, wenn sich genügend Menschen beteiligen.
| Jahr | Teilnehmende (bundesweit) | Teilnehmende in Sachsen | Orte in Auswertung (SN) |
|---|---|---|---|
| 2024 | >245.000 | >8.000 | 41 |
| 2026 | - | - | - |
Konkrete Folgen für die Stadtpolitik
Die Chemnitzer Verkehrsplaner und die Politik können die Ergebnisse des Tests nutzen, um Prioritäten zu setzen: Wo bräuchte es kurzfristige Maßnahmen wie mehr Abmarkierungen oder sichere Querverbindungen, und wo sind langfristige Investitionen in den Ausbau des Radnetzes nötig? Auch Förderanträge und Planungsprozesse profitieren von fundierten Nutzerangaben. Allerdings hängt die Aussagekraft der Auswertung entscheidend von der Beteiligung ab — je mehr Radfahrende ihre Erfahrungen melden, desto präziser das Bild.
Der ADFC weist ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren teilnehmen sollen, weil ihre Perspektive auf Schulwege und sichere Alltagsrouten bislang unterrepräsentiert war. Wer regelmäßig mit dem Fahrrad durch Chemnitz fährt, kann online in circa zehn Minuten zum Test beitragen und damit Einfluss auf zukünftige Maßnahmen nehmen.
Die Befragung läuft bis Ende November. Links und Hinweise zur Teilnahme stellt der ADFC bereit.