Im Rathaus Charlottenburg an der Otto‑Suhr‑Allee 100 gibt es nach Angaben des Bezirksamts in mehreren Sitzungssälen und im großen Bürgersaal ein kostenloses WLAN mit dem Namen „WiFi4EU“. Die Installation erfolgte mit einmaligen Mitteln der Europäischen Union; der Zugang muss laut Förderbedingungen kostenlos und werbefrei sein, persönliche Daten dürfen nicht kommerziell verwertet werden.
Ein Gutschein, ein Amt – und die Karte zeigt nur Rathaus‑Standorte
Die EU stellte für die Ausrüstung und Installation einmalig 15.000 Euro zur Verfügung. Danach oblag dem Bezirksamt die Finanzierung von Internetanschluss und Wartung für mindestens drei Jahre. Auf der offiziellen WiFi4EU‑Karte sind für den Bezirk Charlottenburg‑Wilmersdorf 15 Zugangspunkte verzeichnet – alle als Indoor‑Standorte. In der Pressemitteilung des Bezirksamts werden namentlich die Heinrich‑Schulz‑Bibliothek sowie die Sitzungssäle Minna‑Cauer, Gertrud‑Bäumer und Helene‑Lange sowie der große Bürgersaal genannt.
Die Kartendarstellung hat in Sozialen Netzwerken für Spott gesorgt: Nutzerinnen und Nutzer sehen in der Konzentration auf ein einziges Amtsgebäude Symbolpolitik und eine Verschwendung von Steuermitteln. Solche Kommentare treffen jedoch die Förderung nur teilweise. Die WiFi4EU‑Aktion war groß angelegt und erreichte viele Kommunen, bundesweit wie europaweit.
Worum es bei WiFi4EU ging
Das Programm wurde zwischen November 2018 und 2020 in vier Bewerbungsrunden vergeben. Jede ausgewählte Kommune erhielt einen Gutschein in Höhe von 15.000 Euro. Die EU‑Agentur nennt inzwischen mehr als 93.000 öffentliche Zugangspunkte in über 7.200 Kommunen. Insgesamt wurden 8.802 Gutscheine vergeben; das ursprünglich angekündigte Volumen von 120 Millionen Euro erreichte am Ende ein Gutscheinvolumen von 132 Millionen Euro. Deutschland erhielt 856 Gutscheine und gehörte damit zu den großen Empfängerländern.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| EU‑Zugangspunkte (laut Agentur) | 93.000 |
| Vergebene Gutscheine insgesamt | 8.802 |
| Gutscheinwert pro Kommune | 15.000 € |
| Deutschland: vergebene Gutscheine | 856 |
| Programmvolumen (Gutscheine) | 132 Mio. € |
Warum ist Berlin nur mit dem Rathaus auf der Karte?
Die Erklärung für die vermeintliche Diskrepanz liegt in den Details der Umsetzung: Nicht jeder bewilligte Gutschein führte zwingend zu einem in der Karte dokumentierten Netzausbau. Manche Kommunen beantragten zwar Gutscheine, setzten die Installation jedoch nicht um oder dokumentierten die Zugangspunkte nicht auf der offiziellen Karte. Zudem erfolgte die Vergabe nach dem Windhundprinzip, ergänzt um geografische Quoten – in der zweiten Runde waren 98 Prozent der Gutscheine innerhalb der ersten Minute vergeben. Diese Mechanik führte dazu, dass schnelle Bewerber und gezielte Ausbaustrategien oft den Ausschlag gaben.
Für Charlottenburg‑Wilmersdorf liegt die dokumentierte Umsetzung deutlich sichtbar im Rathaus, weil hier offenbar Installation und Dokumentation zusammengeführt wurden. Ob dadurch öffentliche WLAN‑Angebote in anderen Berliner Bezirken fehlen oder lediglich nicht auf der EU‑Karte erscheinen, lässt sich aus den verfügbaren Daten nicht zweifelsfrei ablesen.
„Die EU‑Karte weist für Charlottenburg‑Wilmersdorf 15 Indoor‑Standorte aus“
- Standorte im Rathaus: Sitzungssäle Minna‑Cauer, Gertrud‑Bäumer, Helene‑Lange und der große Bürgersaal
- Bibliothek: Heinrich‑Schulz‑Bibliothek ist genannt
- Förderrahmen: einmalig 15.000 Euro je Gutschein, mindestens drei Jahre Betriebspflicht
Für die Einwohnerinnen und Einwohner von Charlottenburg bedeutet das: Wer die Rathausangebote nutzt, hat freien und werbefreien WLAN‑Zugang, dessen Betrieb zumindest in den ersten drei Jahren gesichert sein muss. Für die Berliner Gesamtstadt bleibt die Frage offen, wie viele öffentliche WLAN‑Angebote außerhalb der EU‑Karte existieren und wie transparent die Dokumentation jener Projekte ist, die über andere Programme oder kommunale Mittel finanziert wurden.
Wer diese Lücke in der Visualisierung beklagt, trifft damit weniger auf eine „Realitätsferne Brüssels“ als auf die Grenzen einer Förderaktion: Geschwindigkeit der Antragstellung, lokale Umsetzungsentscheidung und Dokumentationspraxis bestimmten am Ende, wo ein WiFi4EU‑Netz in der öffentlichen Karte erscheint. Für Charlottenburg bleibt zunächst die praktische Folge: Das Rathaus ist sichtbarer geworden – und für Besucherinnen und Besucher eine Anlaufstelle, wenn es um freies WLAN geht.