Die Berliner Volksbühne und der Verein Each One Teach One (Eoto) haben eine gemeinsam geplante Veranstaltung abgesagt, bei der ausschließlich Menschen der Schwarzen Community das vor dem Theater eingerichtete Freibad nutzen sollten. Als Begründung nannten die Veranstalter, dass sie die sichere An- und Abreise der angemeldeten Gäste sowie einen entspannten Feriennachmittag nicht mehr garantieren könnten.
Absage nach öffentlicher Debatte und Drohungen
Die Aktion war ursprünglich als ein Angebot gedacht, Menschen, die Diskriminierungserfahrungen machen, einen geschützten Rahmen zu geben. Eoto ist ein in der Rassismusprävention tätiger Verein und Mitträger des in Berlin-Wedding eröffneten Black Communities Center. Das vor der Volksbühne aufgebaute Freibad, das sogenannte Volksbad, ist eine temporäre Anlage, die bis Anfang Oktober betrieben wird und freien Eintritt bietet; an einzelnen Tagen ist das Becken jedoch für bestimmte Gruppen reserviert.
Nach Bekanntwerden der exklusiven Nutzung für die Schwarze Community war es zu heftiger öffentlicher Debatte gekommen. Politikerinnen von CDU und AfD äußerten Kritik, die Diskussion verlagerte sich schnell in soziale Medien.
Die Veranstalter berichteten zudem von massiven Anfeindungen: Seit Beginn der öffentlichen Auseinandersetzung seien rassistische Droh-E-Mails, Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social-Media-Plattformen eingegangen. In Folge davon entschieden Volksbühne und Eoto, die Veranstaltung nicht stattfinden zu lassen.
„Wir versuchen damit, dem Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz zu folgen, das vorsieht, Gruppen, die diskriminierende Erfahrungen machen, einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich diskriminierungsfrei bewegen können.“
Dieses Wort stammt vom Intendanten der Volksbühne, Matthias Lilienthal, der die ursprüngliche Idee in der Debatte verteidigt hatte.
Reaktionen aus der Politik und der Öffentlichkeit
Unter den Kritikern befand sich unter anderem die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel, die scharf gegen die Pläne wetterte. Auch eine junge Berliner CDU-Kommunalpolitikerin äußerte öffentliches Unverständnis und sagte, sie fühle sich durch die geplante Exklusivnutzung diskriminiert. In sozialen Netzwerken wiederum wurde diese Politikerin teils scharf dafür kritisiert und auf Konzepte wie White Privilege hingewiesen.
Die Diskussion spiegelt tiefere gesellschaftliche Spannungen über Gleichberechtigung, Freiraum und Integration wider. Während die einen in geschützten Angeboten eine notwendige Reaktion auf strukturelle Ausgrenzung sehen, werten andere sie als problematisch oder spaltend.
Konkrete Angaben zur Veranstaltung
| Punkt | Angaben |
|---|---|
| Ort | Freibad vor der Volksbühne, Berlin-Mitte |
| Veranstalter | Volksbühne Berlin und Each One Teach One (Eoto) |
| Geplante Nutzung | Exklusiver Schwimmnachmittag für die Schwarze Community |
| Eintritt | kostenlos (Volksbad: temporäre Einrichtung bis Anfang Oktober) |
| Grund der Absage | Sicherheitsbedenken wegen Drohungen und Anfeindungen |
Was bedeuten solche Initiativen für die Stadt?
In Berlin gibt es eine wachsende Zahl zivilgesellschaftlicher Projekte, die gezielt Räume für marginalisierte Gruppen schaffen möchten. Befürworter argumentieren, dass solche Angebote Schutz und Empowerment bieten und Betroffenen ermöglichen, frei von Alltagsdiskriminierung Gemeinschaft zu erleben. Kritiker sehen darin eine Form der Separierung öffentlicher Räume oder fordern inklusivere Alternativen.
Die Absage in diesem Fall zeigt außerdem, wie schnell angesichts öffentlicher Kontroversen Sicherheitsbedenken maßgeblich werden können – selbst bei kostenfreien, temporären Angeboten im öffentlichen Raum.
Organisationen berichten von Einschüchterung
Der Verein Eoto, der sich in der Antidiskriminierungsarbeit engagiert, ist einer der Träger des Black Communities Center in Wedding, das dieses Jahr eröffnet wurde. Die Verantwortlichen betonten, dass die Entscheidung zur Absage nicht leicht gefallen sei, sie aber unter Berücksichtigung der aktuellen Bedrohungslage getroffen worden sei. Konkrete Angaben zu Polizeiaktionen oder Ermittlungen gegen die Drohschreiben wurden von den Veranstaltern in ihren Mitteilungen nicht gemacht.
Ausblick
Ob und in welcher Form ähnliche Angebote künftig wieder stattfinden können, bleibt offen. Entscheidend werden wohl Sicherheitskonzepte, öffentliche Debatten über Ziele solcher Formate und die Frage sein, wie Stadtgesellschaft und Behörden mit Hass und Drohungen gegen Initiativen umgehen. Bis dahin bleibt das Volksbad vor der Volksbühne geöffnet – jedoch ohne die angekündigte Exklusivnutzung für Eoto.
- Wichtig: Die Veranstaltung wurde abgesagt wegen Sicherheitsbedenken infolge von Drohungen.
- Kontext: Eoto ist in der Rassismusprävention aktiv und Mitträger des Black Communities Center.
- Folge: Diskussionen über geschützte Räume, Gleichberechtigung und öffentlicher Raum in Berlin bleiben aktuell.