Beobachtungen und Erstmeldungen
In Celle sind in den vergangenen Tagen vermehrt tote Maulwürfe im Französischen Garten gemeldet worden. Anwohner und Mitglieder der BUND-Kreisgruppe Celle berichteten, dass Tiere aus ihren Bauen krochen, geschwächt an der Oberfläche liegen blieben und später verendeten. Die Häufung der Meldungen löste Besorgnis aus und rief die zuständigen Behörden auf den Plan.
Untere Naturschutzbehörde: keine Hinweise auf Vergiftung
Die Untere Naturschutzbehörde (UNB) der Stadt Celle teilte mit, dass nach derzeitiger Sachlage kein erneutes, vorsätzliches Vergiften der Maulwürfe festgestellt worden sei. Bereits im Jahr 2019 hatte es in Celle eine genehmigte Bekämpfungsmaßnahme gegeben, weshalb zunächst der Verdacht nahegelegen hatte, ein ähnliches Vorgehen könne sich wiederholt haben. Die UNB widersprach diesem Verdacht nach eigenen Angaben.
Klimatische Bedingungen als mögliche Ursache
Als plausiblerer Erklärungsansatz werden klimatische Faktoren genannt. Ein Maulwurfsbau reicht im Regelfall nur etwa einen halben Meter tief in den Boden. Steigen die Temperaturen in den Gangsystemen über 20 °C, "gerät der Maulwurf unter Hitzestress". Bei anhaltender Hitze können zusätzlich Austrocknung des Bodens sowie Mangel an Wasser und Nahrung eintreten, weil sich Regenwürmer — die Hauptnahrung der Maulwürfe — in tiefere Bodenschichten zurückziehen. Geschwächte Tiere seien dann nicht mehr in der Lage, den Gefahren zu entkommen und kämen an die Oberfläche, wo sie verendeten.
Ökologische Bedeutung des Maulwurfs
Trotz der Beschwerden über Maulwurfshügel weisen Naturschützer darauf hin, dass der Maulwurf ein ausgesprochen nützliches Tier für das Ökosystem ist. Durch seine Grabetätigkeit trägt er wesentlich zur Bodenlockerung und -belüftung bei und beeinflusst damit lokale Pflanzen- und Tiergemeinschaften. Folgende Funktionen sind besonders hervorzuheben:
- Förderung der Keimung von Wiesenkräutern durch das Aufbrechen der Grasnarbe;
- Steigerung der Artenvielfalt, unter anderem weil bestimmte Schmetterlinge wie der Kleine Feuerfalter von Pflanzen auf Störstellen (z. B. Maulwurfshügeln) abhängig sind;
- Bessere Versickerung von Regenwasser in tiefere Bodenschichten;
- Reduktion schädlicher Bodeninsekten durch Fraß von Engerlingen und Drahtwürmern.
"Täglich nimmt ein Maulwurf mehr als 75 % seines Körpergewichts an Nahrung auf."
Folgen für andere Arten und Nutzung der Baue
Die Baue selbst haben ebenfalls ökologischen Wert: Verlassene Gangsysteme werden von verschiedenen anderen Tieren als Unterschlupf genutzt, etwa von Spitzmäusen oder Amphibien. Damit sind Maulwürfe Bestandteil eines kleinräumigen, aber wichtigen Netzwerks im Naturhaushalt.
Was das für Celle bedeutet
Für Celle ergibt sich daraus ein mehrschichtiger Handlungsbedarf. Zum einen ist die Ursache der aktuellen Todesfälle weiterhin zu beobachten: Meldungen über tote Maulwürfe traten bundesweit bereits während früherer Hitzewellen auf. Zum anderen steht die Stadt vor der Frage, wie sich innerstädtische Grünflächen so pflegen lassen, dass Tiere auch bei zunehmender Hitze bessere Überlebensbedingungen finden. Konkrete Maßnahmen oder weiterführende Untersuchungen nannte die UNB in der vorliegenden Meldung nicht; sie wies allerdings darauf hin, dass direkte Verfolgung nach wie vor zu den Gefährdungsursachen für den Maulwurf gehört — obwohl sein ökologischer Nutzen deutlich ist.
| Funktion des Maulwurfs | Wirkung |
|---|---|
| Bodenlockerung | Verbesserte Wasseraufnahme, Förderung von Pflanzenkeimung |
| Fraß von Bodeninsekten | Regulation von Schädlingen wie Engerlingen |
| Bereitstellung von Unterschlupf | Nutzung durch Spitzmäuse, Amphibien u. a. |
Die Beobachtungen im Französischen Garten zeigen, wie sensibel auch städtische Naturräume auf veränderte Umweltbedingungen reagieren. Für die Bevölkerung in Celle bedeutet dies: Meldungen über auffällige Tiersterblichkeit ernstnehmen und an die zuständigen Stellen weiterleiten, damit die UNB die Lage prüfen und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen abstimmen kann.