Berlin hat in der öffentlichen Wahrnehmung erheblich an Anziehungskraft verloren. Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ stimmen nur noch 31 Prozent der Aussage zu, Berlin sei eine „faszinierende Metropole“. Demgegenüber sehen 36 Prozent die Stadt als „Hauptstadt ohne Ausstrahlung“. Befragt wurden 1.039 Personen in Interviews vom 1. bis 13. August.
Starker Rückgang gegenüber 2007
Der Vergleich mit einer Allensbach-Erhebung aus dem Jahr 2007 macht das Ausmaß des Wandels deutlich: Damals nannten noch 66 Prozent Berlin eine faszinierende Metropole, lediglich 14 Prozent hielten die Stadt für ohne Ausstrahlung. Das heißt: Innerhalb weniger Jahre hat sich die öffentliche Bewertung der Hauptstadt markant verschlechtert.
„arm, aber sexy“
Der Satz „arm, aber sexy“, einst vom damaligen Regierenden Bürgermeister geprägt und lange als treffende Charakterisierung Berlins verstanden, verliert damit offenbar an Rückhalt in der Bevölkerung. Die Debatte um Gentrifizierung, steigende Mieten und den Strukturwandel in Wirtschaft und Kultur gilt als Hintergrund dieses Stimmungswandels.
Platzierung im Städteranking
Bei der Frage, welche Städte in Deutschland einen besonderen Reiz haben, liegt Berlin laut der Umfrage mit 34 Prozent Zustimmung nur auf dem dritten Platz hinter Hamburg (48 Prozent) und München (47 Prozent). Gleichzeitig nennen 46 Prozent der Befragten Berlin als Stadt, in der sie auf keinen Fall leben wollten — ein Wert, der nur noch von Frankfurt geteilt wird.
| Bewertung | Prozent |
|---|---|
| Faszinierende Metropole (2026) | 31% |
| Hauptstadt ohne Ausstrahlung (2026) | 36% |
| Faszinierende Metropole (2007) | 66% |
| Keine Ausstrahlung (2007) | 14% |
| Besonderer Reiz: Hamburg | 48% |
| Besonderer Reiz: München | 47% |
| Würden auf keinen Fall leben: Berlin | 46% |
Mögliche Ursachen des Stimmungswandels
Die Zahlen sprechen für einen komplexen Ursachenmix, der sich in öffentlichen Debatten seit Jahren zeigt: Die steigenden Mieten und die Verdrängung in vielen Vierteln, ein veränderter Arbeitsmarkt mit Zuzug zahlreicher Erwerbstätiger, die Angleichung an wirtschaftliche Standards sowie Probleme in Bereichen wie Infrastruktur, öffentliche Ordnung oder Sicherheit. Auch der Wandel der Club- und Kulturwelt und die Angst um das kreative Leben der Stadt werden häufig genannt.
- Gentrifizierung: Wohnkosten steigen, soziale Durchmischung verändert sich.
- Wirtschaftlicher Aufholprozess: Mehr Unternehmen, aber auch soziale Spannungen.
- Kulturelle Transformation: Clubs und alternative Räume stehen unter Druck.
Die Umfrage liefert keine direkten Ursachen, wohl aber Hinweise darauf, welche Aspekte die Wahrnehmung prägen. Entscheidend bleibt: Die öffentliche Meinung kann sich auf Tourismus, Fachkräftesuche und Stadtmarketing auswirken.
Konsequenzen für Politik und Verwaltung
Für die Berliner Politik und Verwaltung bedeuten solche Umfragewerte Handlungsbedarf in mehreren Bereichen: bezahlbares Wohnen, Sicherung kultureller Orte, bessere kommunale Dienstleistungen und gezielte Imagearbeit. Berliner Akteure aus Wirtschaft und Kultur werden die Zahlen als Anlass nehmen, eigene Strategien zur Profilierung der Stadt zu prüfen.
Ob Berlin als Metropole mit Anziehungskraft zurückgewinnen kann, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell und wirksam Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität ergriffen werden. Die Umfrage ist zugleich Warnsignal und Diskussionsgrundlage: Die Hauptstadt bleibt zwar groß, aber ihre Ausstrahlung ist nicht mehr selbstverständlich.
Für die Allensbach-Umfrage wurden 1.039 Personen im Zeitraum 1. bis 13. August interviewt; Auftraggeber der Veröffentlichung ist die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Die Zahlen zeigen, wie sich das Bild einer Stadt innerhalb weniger Jahre verschieben kann — und liefern Stoff für die kommenden Auseinandersetzungen um Entwicklung und Identität Berlins.