Berlin schwitzt und tanzt: Bei Temperaturen um 35 Grad haben am Samstag Zehntausende Menschen an der Techno-Parade „Rave The Planet“ im Tiergarten teilgenommen. Die Veranstaltung auf der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule ist die erste größere Kundgebung in Berlin seit dem islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Day vor drei Wochen.
Ausgelassene Stimmung — und ein stiller Beginn
Trotz der Hitze herrschte auf der Demo eine teils ausgelassene, teils nachdenkliche Stimmung. Zu Beginn der Veranstaltung legten die Teilnehmenden eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags ein. Im Rahmen der Auftaktkundgebung rief Mitbegründer Dr. Motte die Feiernden dazu auf, an Liebe und Zusammenhalt zu denken. Bei der Demo, die von den Veranstaltern als Nachfolge der früheren „Loveparade“ verstanden wird, soll vor allem die elektronische Musikkultur gefeiert werden.
„Dann könnte daraus vielleicht Weltfrieden entstehen. Lasst uns doch diese Vision Wirklichkeit werden“, sagte Dr. Motte bei der Auftaktkundgebung.
Polizei mit hoher Präsenz und technischen Mitteln
Wegen des nahen Tatorts beim CSD und zur Gefahrenabwehr ist die Demonstration unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen abgewickelt worden. Die Polizei war mit rund 1.500 Kräften im Einsatz. Zur Überwachung und Gefahrenfrüherkennung setzten die Einsatzkräfte einen Hubschrauber ein und kündigten den Einsatz von Drohnen an.
Räumlich wurden Straßen und Zugangswege großzügig abgesperrt und teilweise mit Pollern gesichert, um Fahrzeuge vom Veranstaltungsbereich fernzuhalten. Fußstreifen, Reiterstaffeln sowie stationäre Absperrungen sollten einerseits Schutz bieten und andererseits Bewegungsräume der Teilnehmenden erhalten.
Auswirkungen auf den Verkehr
Die Sicherheitsmaßnahmen hatten direkte Folgen für den öffentlichen Nahverkehr: Die S-Bahn hielt nicht mehr am Bahnhof Brandenburger Tor, auch die U-Bahnhöfe Brandenburger Tor und Bundestag wurden von einigen Linien nicht mehr angefahren. Veranstalter und Behörden warnten im Vorfeld vor umfangreichen Sperrungen und veränderten Fahrplänen.
| Maßnahme | Zweck |
|---|---|
| Rund 1.500 Polizeikräfte | Absicherung der Route, Präsenz vor Ort |
| Hubschrauber und Drohnen | Luftüberwachung und Lagebeurteilung |
| Sperrungen und Poller | Schutz vor Fahrzeugangriffen |
| Bahn- und U-Bahn-Ausfälle | Verkehrslenkung rund um Veranstaltungsraum |
Teilnehmerzahlen und Veranstaltungscharakter
Die Veranstalter hatten im Vorfeld mit bis zu 300.000 Teilnehmenden gerechnet; die Polizei sprach am Nachmittag von „zehntausenden“ Teilnehmern. Als Demonstration angemeldet, versteht sich „Rave The Planet“ zugleich als kulturelles Ereignis: Die Initiatoren betonen den Anspruch, elektronische Musik und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu feiern.
- Ort: Straße des 17. Juni (Brandenburger Tor bis Siegessäule)
- Ende der offiziellen Route: geplant um 22 Uhr
- Gegenstand: Feier der elektronischen Musikkultur und Demonstration für Zusammenhalt
Appelle der Veranstalter
Vertreterinnen und Vertreter der Szene riefen zu Mut und Solidarität auf. Julia Miosga vom Berliner CSD-Verein forderte die Menschen auf, Haltung zu zeigen. Weitere Stimmen aus der Veranstalterseite betonten, dass gerade in Zeiten erhöhter Gefährdung ein öffentliches Zeichen wichtig sei, um der Angst keinen Raum zu geben.
Praktische Hinweise für Anwohner und Teilnehmer
Anwohnerinnen und Anwohner sowie Besucher sollten sich auf veränderte Verkehrsführungen einstellen und öffentliche Verkehrsmittel frühzeitig nutzen oder alternative Routen planen. Bei hohen Temperaturen rieten Einsatzkräfte zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Ruhepausen: Hitze könne gerade bei körperlicher Anstrengung Risiken bergen.
Die heutige Techno-Parade zeigt die Herausforderung, große kulturelle Veranstaltungen in einer Stadt wie Berlin unter der Prämisse von Sicherheit und offenen Räumen zu organisieren. Während die Bässe durch den Tiergarten dröhnten, blieb die Erinnerung an die jüngste Gewalttat präsent — in einer Schweigeminute, in verstärkter Polizeipräsenz und in den Diskussionen über das Verhältnis von Feierkultur und Sicherheit in der Hauptstadt.