Eine aktuelle Auswertung des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel dokumentiert ein deutliches Defizit an Wohnraum in Baden-Württemberg. Ende 2025 fehlten demnach rund 201.000 Wohnungen im Land, nur in Nordrhein-Westfalen und Bayern wurde ein größerer Mangel festgestellt. Die Autoren verknüpfen den gebremsten Wohnungsbau mit spürbaren Einbußen für die Bauwirtschaft und Mindereinnahmen beim Staat.
Wohnen, Wirtschaft, Steuern: die Verknüpfung
Die Studie „Bau-Monitor 2026“ weist darauf hin, dass der Rückgang der Fertigstellungen in den vergangenen Jahren volkswirtschaftliche Folgen hat. Bundesweit seien 2025 rund 84.600 Wohnungen weniger fertiggestellt worden als 2023. Für die Baubranche ergab sich daraus ein Netto-Umsatzverlust von 26,9 Milliarden Euro. Im Modell rechnete sich daraus ein geringeres Bruttoinlandsprodukt um etwa 0,6 Prozentpunkte – und dem Staat entgingen nach Angaben der Autoren insgesamt 5,1 Milliarden Euro an Umsatzsteuer sowie 1,9 Milliarden Euro an Grunderwerbsteuer.
Auch für Baden-Württemberg zieht die Studie konkrete Zahlen: Demnach wurden 2025 im Land fast 12.300 Wohnungen weniger fertiggestellt als zwei Jahre zuvor. Das Umsatzminus für die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg beziffert das Pestel-Institut mit rund 4,5 Milliarden Euro. Dem Staat seien etwa 851 Millionen Euro Umsatzsteuer sowie rund 312 Millionen Euro Grunderwerbsteuer entgangen.
„Wirtschaftswachstum funktioniert nur mit mehr Wohnungsbau“, sagte Studienautor Matthias Günther.
Regionale Bedeutung und Vergleich
In der bundesweiten Einordnung liegt Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen (rund 364.000 Wohnungen Fehlbestand) und Bayern (rund 220.000) auf Platz drei. Insgesamt summierte sich der Mangel in Deutschland auf gut 1,35 Millionen Wohnungen.
| Region | Fehlende Wohnungen (Ende 2025) |
|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 364.000 |
| Bayern | 220.000 |
| Baden-Württemberg | 201.000 |
| Bundesweit | 1,35 Millionen |
Folgen für Bürgerinnen und Bürger
Für Menschen, die eine Wohnung suchen, bedeutet das anhaltende Ungleichgewicht höhere Belastungen: längere Suchzeiten, stärkere Konkurrenz auf dem Markt und tendenziell steigende Miet- und Kaufpreise in besonders gefragten Lagen. Die Studie benennt diese Effekte nicht nur als soziale Herausforderung, sondern auch als Wachstumshemmnis für die regionale Wirtschaft: Arbeitskräfte können in Ballungsräumen ausbleiben, wenn bezahlbarer Wohnraum fehlt.
Auswirkungen auf Bauunternehmen und Zulieferer
Der geringere Bauumfang hat direkte Konsequenzen für Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette: Hersteller von Baustoffen, Handwerksbetriebe und Planungsbüros verzeichnen laut Studie Umsatzeinbußen. Das verringert Investitionsspielräume, hemmt Beschäftigungswachstum und kann langfristig die Leistungsfähigkeit des Sektors schwächen.
- Ökonomischer Schaden: Umsatzverlust der Baubranche in BW: rund 4,5 Milliarden Euro.
- Steuerausfall: Etwa 851 Millionen Euro Umsatzsteuer und 312 Millionen Euro Grunderwerbsteuer in BW entgangen.
- Soziale Folgen: Erhöhter Druck auf Miet- und Immobilienmärkte, längere Suche nach Wohnraum.
Welche Schlussfolgerungen lassen sich ziehen?
Die Studie zieht eine klare Verbindung zwischen Wohnungsbau und gesamtwirtschaftlicher Entwicklung. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass politische Maßnahmen zur Beschleunigung von Planung und Bau sowie Anreize für Investitionen im Wohnungsbau erforderlich sind, wenn die negativen Effekte auf Wirtschaft und Staatsfinanzen begrenzt werden sollen. Konkrete Handlungsempfehlungen oder Vorschläge für Förderinstrumente nennt das Pestel-Institut im zusammenfassenden Teil des Bau-Monitors nicht im Einzelnen; die Autoren betonen jedoch die Dringlichkeit eines Kurswechsels.
Für Kommunen und Landespolitik in Baden-Württemberg bedeutet das, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass mehr und schneller gebaut werden kann: von Flächenaktivierung über Vereinfachungen bei Genehmigungsverfahren bis hin zu zielgerichteten Förderprogrammen für bezahlbaren Wohnraum. Die wirtschaftlichen Kennzahlen der Studie machen deutlich, dass es sich dabei nicht nur um eine soziale, sondern auch um eine wirtschaftspolitische Priorität handelt.