Hohe Zuschüsse, geringer Eigenanteil
Im Finanzausschuss des Stadtrats von Halle (Saale) sind erneut grundsätzliche Differenzen über die Finanzierung der Theater, Oper und Orchester GmbH (TOOH) offen zutage getreten. Der Hauptstreitpunkt sind die Haushaltszahlen für das kommende Jahr: Die Stadt stellt der Gesellschaft nach den vorgelegten Daten knapp 30 Millionen Euro zur Verfügung, hinzu kommt ein Landeszuschuss von 18,5 Millionen Euro aus Magdeburg. Demgegenüber stehen geschätzte Eigeneinnahmen von lediglich rund 4 Millionen Euro, was einem Anteil von unter acht Prozent am Gesamtetat entspricht.
Die Zahlen lösten im Ausschuss scharfe Kritik aus, insbesondere von Seiten der AfD-Fraktion. Für sie ist das Missverhältnis zwischen hohen öffentlichen Mitteln und geringen Ticket- und sonstigen Einnahmen nicht hinnehmbar. Der Fraktionsvertreter Udo Nistripke nannte die Diskrepanz „
schwierig“ und verlangte offenbarere Maßnahmen zur Verbesserung der Einnahmesituation.
TOOH will Einnahmequellen stärken, setzt auf lokale Formate
Die Geschäftsführung der TOOH reagierte mit konkreten Anpassungsplänen. Nach Darstellung von Geschäftsführer Klaus Dörr werde an mehreren Stellschrauben gedreht: So sollen die ehemaligen Räumlichkeiten des Thalia Theaters verstärkt für nachgefragte Kinder- und Jugendstücke genutzt werden. Dort stünden bei gleichem Aufwand mehr Sitzplätze zur Verfügung, was höhere Ticketerlöse erwarten lasse. Außerdem seien die Eintrittspreise bereits angehoben worden.
Weitere Maßnahmen der Gesellschaft zielen auf eine Regionalisierung und auf kostengünstigere Veranstaltungsformate: An Stelle aufwendiger bundesweiter Gastspiele will die TOOH künftig vermehrt Auftritte im benachbarten Saalekreis realisieren und vermehrt auf Sommer-Open-Airs setzen, beispielsweise auf der Galopprennbahn. Damit soll der Aufwand gesenkt und die Auslastung erhöht werden.
Streaming-Vorschlag blieb ohne Chance
Ein konkreter Vorschlag aus der AfD-Fraktion, Einnahmen durch kostenpflichtige Streamingangebote zu erzielen, fand keine Zustimmung bei der Geschäftsführung. Dörr verwies auf Erfahrungen aus der Corona-Pandemie: Die Kosten, insbesondere für teure Lizenzen, würden die möglichen Erträge nach seinen Angaben bei Weitem übersteigen. Daraus folgte die Entscheidung, diesen Weg nicht weiter zu verfolgen.
Debatte reicht über Zahlen hinaus
Die Diskussion im Ausschuss beschränkte sich allerdings nicht auf Finanzierungstechniken. Vertreter der AfD nutzten die Sitzung auch, um grundsätzliche Kritik an der inhaltlichen Ausrichtung der Institutionen vorzubringen. Der Abgeordnete Alexander Raue zog dabei Parallelen zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk und behauptete, die Kultur habe sich „
immer mehr nach links gerutscht“; solche Vorwürfe spiegeln eine politische Debatte, die über finanzielle Fragen hinausgeht und die Programmplanung und Förderentscheidungen berührt.
Andere Fraktionen und die Verantwortlichen der TOOH sehen die Lage offenbar differenzierter: Die Notwendigkeit, öffentliche Mittel verantwortungsvoll einzusetzen, wurde eingeräumt, zugleich betonten sie die kulturbildende Funktion der städtischen Gesellschaften und den schweren Marktbedingungen für Theater und Orchester, die sich in niedrigen Eigenerlösen ausdrücken.
Konsequenzen für Stadt, Publikum und Kulturstandort
Die Auseinandersetzung hat mehrere Konsequenzen für Halle (Saale): Zum einen steht die Frage, wie die Stadt ihre Kulturfinanzierung künftig ausgestaltet, wieder auf der Agenda. Zum anderen geht es um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der TOOH und die Frage, ob strukturelle Anpassungen — etwa Programmänderungen, Preisanpassungen oder regionalere Partnerschaften — ausreichen, um die Abhängigkeit von Zuschüssen zu reduzieren.
- Finanzlage: Stadtzuschuss knapp 30 Mio. Euro, Landeszuschuss 18,5 Mio. Euro, Eigeneinnahmen ca. 4 Mio. Euro.
- Maßnahmen: Mehr Kinder- und Jugendstücke im Thalia-Theater, Preiserhöhungen, regionale Gastspiele, Sommer-Open-Airs.
- Strittig: Streaming als Einnahmequelle wurde von der TOOH abgelehnt; inhaltliche Vorwürfe gegen Programmrichtung bleiben ungelöst.
| Posten | Betrag (ungefähr) |
|---|---|
| Stadtzuschuss TOOH | ~30.000.000 € |
| Landeszuschuss | 18.500.000 € |
| Eigeneinnahmen | ~4.000.000 € |
Ob die angekündigten Maßnahmen die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft dauerhaft verbessern können, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Debatte im Stadtrat zeigt, dass die Zukunft der städtischen Kulturförderung in Halle (Saale) politisch umkämpft ist und Stadt, TOOH sowie die Bürgerschaft vor schwierigen Entscheidungen stehen, bei denen Ökonomie und kulturelle Verantwortung gegeneinander abgewogen werden müssen.