Der stellvertretende vietnamesische Bildungsminister hat gefordert, Fremdsprachenkenntnisse künftig als notwendige Bedingung für den Zugang zu qualitativ hochwertigen Ausbildungsprogrammen anzuerkennen. In einer Rede auf dem Schul‑Wirtschafts‑Kooperationsforum 2026 betonte er, dass Sprachkompetenz nicht länger lediglich ein zusätzlicher Vorteil sein dürfe, sondern Teil der grundlegenden Zulassungskriterien werden müsse.
Internationale Praxis und Wettbewerbe als Warnsignal
Als einen Beleg für die Dringlichkeit nannte der stellvertretende Minister seine Begleitung der nationalen Delegation bei den kürzlich in Shanghai ausgetragenen 48. WorldSkills‑Wettbewerben. Dort habe sich gezeigt, dass Fremdsprachen – vornehmlich Englisch – eine zentrale Rolle spielten, weil viele Teilnehmende auf Dolmetscher angewiesen gewesen seien. Dieses Defizit verdeutliche eine Lücke zwischen fachlicher Qualifikation und der Fähigkeit, sich im internationalen Umfeld zu vernetzen, zu kommunizieren und Leistungen zu präsentieren.
Forderung nach Neuausrichtung von Zulassung und Ausbildung
Vor diesem Hintergrund schlug der Minister vor, den Umgang mit Fremdsprachen in Ausbildung und bei Zulassungsverfahren grundlegend zu überdenken. Ziel sei, die Beherrschung einer Fremdsprache zu einer zwingenden Voraussetzung zu machen, damit Absolventinnen und Absolventen nicht nur fachlich kompetent, sondern auch international handlungsfähig sind.
- Problem: Fachliche Qualifikation ohne ausreichende Sprachkompetenz hemmt internationale Teilhabe.
- Vorschlag: Fremdsprachen als Zulassungsvoraussetzung für Zugang zu hochwertigen Ausbildungsprogrammen.
- Argument: Erfahrungen bei internationalen Wettbewerben zeigten Diskrepanzen zwischen fachlicher und sprachlicher Vorbereitung.
Konsequenzen für Bildungseinrichtungen und Lernende
Eine Verschiebung hin zu verpflichtenden Fremdsprachanforderungen hätte weitreichende Folgen: Studien‑ und Prüfungsordnungen müssten angepasst, Lehrpläne erweitert und Lehrkapazitäten ausgebaut werden. Für Lernende könnte das neue Hürden beim Zugang zu bestimmten Programmen bedeuten, zugleich aber die Beschäftigungsfähigkeit und Mobilität auf dem internationalen Arbeitsmarkt erhöhen.
| Aspekt | Erwartete Auswirkung |
|---|---|
| Zulassungsregeln | Einführung verbindlicher Sprachtests oder Nachweise |
| Lehrangebot | Ausbau von Fremdsprachenkursen und fachspezifischem Sprachtraining |
| Internationale Wettbewerbsfähigkeit | Verbesserung der Teilnahme- und Präsentationsfähigkeit auf globaler Ebene |
Der stellvertretende Minister bezeichnete Fremdsprachen als eine von drei Kernkompetenzgruppen, die Schülerinnen und Schüler künftig systematisch erwerben sollten. Einen besonderen Schwerpunkt setzte er auf Englisch, da es in internationalen Arbeits‑ und Wettbewerbszusammenhängen weiter dominant sei.
Offene Fragen und Umsetzung
Die praktische Umsetzung einer derartigen Politik wirft mehrere Fragen auf: Welche Niveaustufen sollen gefordert werden? Sollen Nachweise vor Studienbeginn erbracht oder begleitend während der Ausbildung erbracht werden? Wie lassen sich regionale Ungleichheiten im Zugang zu Sprachförderung ausgleichen, damit die Anforderung nicht zu einer zusätzlichen Barriere für benachteiligte Gruppen wird?
Bildungseinrichtungen, Ausbildungsbetriebe und Politik müssten gemeinsam Regelungen entwickeln, die verbindliche Standards mit flankierenden Maßnahmen verbinden. Dazu zählen Investitionen in Lehrkräftefortbildung, Ausbau digitaler Lernangebote und gezielte Sprachförderprogramme für Lernende mit Nachholbedarf. Nur so lasse sich vermeiden, dass sprachliche Mindestanforderungen bestehende soziale Ungleichheiten verschärfen.
Die Forderung des stellvertretenden Bildungsministers trägt die Debatte um die Ausrichtung von Ausbildung und Hochschulzugängen in eine neue Phase: Weg von der reinen Fachqualifikation hin zur Kombination aus fachlicher Exzellenz und internationaler Kommunikationsfähigkeit. Welche konkreten Schritte das Ministerium oder die zuständigen Behörden als Nächstes ergreifen, blieb im Bericht offen.