Bildung

St. Gallen fördert „offline“-Phase für Kleinkinder und stärkt Medienkompetenz bei Jugendlichen

Der Kanton St. Gallen beteiligt sich an der Gemeinschaftsaktion „Go offline!“ und stellt Gemeinden sowie Fachstellen ein digitales Aktionspaket bereit. Ziel ist, Kinder bis zum Alter von vier Jahren weitgehend ohne digitale Medien aufwachsen zu lassen und parallel mit der Kampagne „Facts Matter“ die Medienkompetenz älterer Kinder und Jugendlicher zu fördern.

St. Gallen fördert „offline“-Phase für Kleinkinder und stärkt Medienkompetenz bei Jugendlichen
©Illustration KI Emre Yildiz / we-news.com

Der Kanton St. Gallen beteiligt sich an der Initiative „Go offline! – keine digitalen Medien bis 4 Jahre“ und stellt interessierten Gemeinden, Schulen und Fachorganisationen ein digitales Aktionspaket zur Verfügung. Damit soll ein bewusster Umgang mit Bildschirmen in Familien gefördert werden, ohne Eltern zu beschämen. Parallel unterstützen die Kantone St.Gallen, Zürich und Luzern die Kampagne „Facts Matter“, die die Medienkompetenz älterer Kinder und Jugendlicher stärken will.

Beobachtungen aus Kita und Früher Förderung

Als Anlass für das Engagement nennt der Kanton Rückmeldungen von Lehrkräften im Kindergarten und Fachpersonen der Frühen Förderung. Diese hätten zunehmend bei Schulanfängern Defizite beobachtet: Schwierigkeiten beim freien Spiel, Verzögerungen in der Sprachentwicklung und eine geringe Konzentrationsspanne. Aus Sicht der Verantwortlichen lernen Kinder unter vier Jahren vorrangig über Sprache, Bewegung und das Spiel mit realen Menschen; Nähe und direkte Erfahrung seien in dieser Phase entscheidend.

Der Kanton finanziert das digitale Aktionspaket und koordiniert die Aktion über die Koordinationsstelle Elternbildung im Amt für Volksschule. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Gesundheitsvorsorge und dessen Fachstelle ZEPRA sollen Gemeinden und lokale Bildungsakteure die Kampagne vor Ort umsetzen. Konkrete Formen sind offen und sollen vor Ort festgelegt werden: Von speziellen Offline-Orten über Elternbildungsabende bis zu persönlichen Beratungsgesprächen mit Eltern.

„Go offline! – keine digitalen Medien bis 4 Jahre“

Vermittlung statt Verbote

Die Verantwortlichen betonen, dass es nicht darum gehe, Eltern einen Mahnfinger zu zeigen. Vielmehr solle die Aktion sensibilisieren und aufzeigen, wie Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder bewusst gestalten können. Ein reflektierter Umgang von Anfang an werde als Grundlage für spätere Urteilsfähigkeit und kritisches Denken betrachtet.

Die Kampagne setzt damit weniger auf Verbote als auf Information und Unterstützung. Die lokale Umsetzung wird den Bedürfnissen der Gemeinden angepasst, sodass verschiedene Angebote kombinierbar sind. Die Webseite der Aktion bietet ergänzende Materialien und Hinweise (go-offline-4.ch/sg).

Gleichzeitig: „Facts Matter“ fördert Medienkompetenz

Die zweite Initiative, an der sich St. Gallen beteiligt, wendet sich an ältere Kinder und Jugendliche. Unter dem Titel „Facts Matter“ sollen einfache Fragen und Werkzeuge helfen, die Herkunft und Verlässlichkeit von Informationen einzuschätzen. Ziel ist die Stärkung von Medienkompetenz und kritischem Denken in einem Alter, in dem digitale Informationsquellen zunehmend genutzt werden.

InitiativeZielgruppeKerngedanke
Go offline!Kinder bis 4 Jahre und ElternFörderung unmittelbarer, realer Lernkontakte; Sensibilisierung für bewussten Medienkonsum
Facts MatterÄltere Kinder und JugendlicheStärkung der Medienkompetenz und der Fähigkeit, Informationen zu prüfen
  • Finanzierung: Kanton St. Gallen stellt das digitale Paket bereit.
  • Koordination: Koordinationsstelle Elternbildung im Amt für Volksschule.
  • Partner: Amt für Gesundheitsvorsorge, Fachstelle ZEPRA; Zusammenarbeit mit Gemeinden, Schulen und Fachorganisationen.

Für die Bildungspraxis bringt das Doppelkonzept zwei Aspekte zusammen: Frühförderung durch reale Interaktion und später gezielte Förderung von Informationskompetenz. Damit reagiert der Kanton auf unterschiedliche Herausforderungen in verschiedenen Altersstufen — von der sprachlichen und sozialen Entwicklung der Kleinen bis zur Fähigkeit, digitale Inhalte kritisch zu beurteilen.

Wichtig bleibt, dass die Umsetzung vor Ort im Dialog mit Eltern, Lehrpersonen und Fachstellen geschieht. Ob sich die Maßnahmen langfristig in den Entwicklungsverläufen der Kinder niederschlagen, lässt sich noch nicht beurteilen; die Kampagne setzt auf Sensibilisierung und Unterstützung als ersten Schritt. Beobachter werden insbesondere darauf achten, wie die Angebote angenommen werden und welche konkreten Folgen sich für Kindergartenpraxis und Übergang in die Schule ergeben.

Die Initiative reiht sich ein in eine wachsende Debatte über den angemessenen Umgang mit digitalen Medien in frühen Lebensjahren und die Notwendigkeit, Medienkompetenz bereits in der Schule systematisch zu vermitteln. St. Gallen versucht mit einer Kombination aus klaren Empfehlungen für die frühe Kindheit und Bildungsangeboten für Ältere eine tragfähige Balance zu finden.

Emre Yildiz
Emre KI Bildungsredakteur online

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