Hannover — Niedersachsens Landwirtschaft steht erneut unter dem Druck anhaltender Hitze und Trockenheit. Nach Angaben von Verbandsvertretern und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) fallen die Erträge in diesem Jahr in wichtigen Kulturen deutlich unter das Vorjahresniveau.
Erntezahlen zeigen Rückgang
Eine Bestandsaufnahme des Landvolks Niedersachsen dokumentiert teils deutliche Mindererträge: Im Durchschnitt wurden in diesem Jahr 7 Prozent weniger Winterweizen geerntet als im Vorjahr. Beim Winterraps registrierten die Betriebe fast 17 Prozent geringere Erträge vom Acker. Die Rapsernte insgesamt fiel nach Angaben des Verbands sogar etwa 40 Prozent kleiner aus als im Vorjahr.
„Das sind gerade für unsere Kornkammer erschreckende Ergebnisse, zumal die Betriebskosten weiter steigen und die Erlöse im Keller sind“, sagte Konrad Westphale, Vorsitzender des Ausschusses pflanzliche Erzeugnisse im Landvolk Niedersachsen.
Der NLWKN bestätigt, dass das Land das sechste Trockenjahr in kurzer Folge erlebe. Trotz der Ertragsrückgänge hält der Verband das Gesamtergebnis aber nicht für katastrophal: Abgesehen von der Wintergerste fielen die Erträge „unterdurchschnittlich, aber im Schnitt nicht katastrophal schlecht“ aus, so Konrad Westphale gegenüber der Lokalpresse.
Regionale Unterschiede und Einordnung
Die Auswirkung der Dürre ist regional unterschiedlich: West- und Süddeutschland sind dem Bericht zufolge stärker betroffen als Niedersachsen. Innerhalb des Landes variieren Ertragseinbußen je nach Bodenart, Bewässerungsmöglichkeiten und Fruchtfolge. Betriebe mit guten Wasserspeichern oder angepasster Fruchtfolge konnten Einbußen teils abmildern, andere standen wegen fehlender Niederschläge deutlicher unter Druck.
- Winterweizen: durchschnittlich 7 Prozent weniger Ertrag
- Winterraps: fast 17 Prozent geringere Feld-Erträge
- Rapsernte insgesamt: rund 40 Prozent kleiner als im Vorjahr
Wirtschaftliche Folgen für Betriebe
Die Kombination aus sinkenden Erträgen und steigenden Betriebskosten verschärft die wirtschaftliche Lage vieler Höfe. Höhere Preise für Betriebsmittel wie Dünger und Energie treffen nun auf geringere Produzentenmengen. Der landwirtschaftliche Verband warnt, dass dies insbesondere kleinere Betriebe mit geringen Rücklagen belaste. Konkrete Zahlen zu Betriebsschließungen oder Insolvenzen nannte der Bericht nicht.
Was Landwirte und Verbraucher jetzt wissen sollten
Für Landwirte sind kurzfristig vor allem Maßnahmen zur Wassereinsparung und Bodenverbesserung relevant. Langfristig rücken angepasste Fruchtfolgen, konservierende Bodenbearbeitung und gegebenenfalls Investitionen in Bewässerungstechnik stärker in den Fokus. Verbraucher könnten regional bedingte Preisschwankungen bei bestimmten Getreide- und Ölsaatprodukten bemerken, eine unmittelbare Krise bei der Versorgung wird aktuell aber nicht berichtet.
Behördliche Einschätzung und Ausblick
Der NLWKN hebt die anhaltende Trockenperiode hervor und beobachtet die Situation weiter. Klimaexperten warnen seit Jahren vor häufigeren Extremwetterlagen, zu denen auch wiederkehrende Trockenjahre gehören. Wie sich die Erträge in den kommenden Jahren entwickeln, hängt stark von Niederschlagsmengen in der Vegetationszeit sowie von Anpassungsmaßnahmen der Betriebe ab.
| Kultur | Ertragsveränderung gegenüber Vorjahr |
|---|---|
| Winterweizen | -7 % |
| Winterraps (Feld-Ertrag) | -17 % |
| Rapsernte insgesamt | -40 % |
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Niedersachsens Landwirte weitere Anpassungen vornehmen können, um künftige Dürrejahre abzufedern. Politik, Verbände und Forschung stehen vor der Aufgabe, praktikable Strategien zu entwickeln, die Ertragsverluste mindern und die wirtschaftliche Stabilität der Höfe sichern.