Konflikt um E‑Bus‑Auftrag sorgt für Unsicherheit bei ViP und Fahrgästen
Die Verkehrsbetriebe Potsdam GmbH (ViP), ein Unternehmen der Stadtwerke Potsdam‑Gruppe, hat nach eigenen Angaben einen Vertrag über die Lieferung von insgesamt 23 Elektrobussen gekündigt. Der Zulieferer, der niederländische Hersteller Ebusco, widerspricht dieser Entscheidung und kündigte an, die eigene Position bis zum 14. August 2026 detailliert darzulegen. Die Auseinandersetzung zwischen Auftraggeber und Hersteller wirft Fragen zur weiteren Modernisierung des Potsdamer Busnetzes und zu möglichen finanziellen Folgen für kommunale Unternehmen auf.
Der ursprüngliche Auftrag war am 4. Januar 2024 veröffentlicht worden. Er umfasste demnach zehn Busse des Typs 3.0 mit 12 Metern Länge sowie 13 Gelenkbusse desselben Typs mit 18 Metern Länge. ViP erklärte in einem Schreiben vom 23. Juli 2026, das am 29. Juli 2026 eingegangen sei, die außerordentliche Kündigung des Vertrags. Ebusco reagierte schriftlich am 3. August 2026 und widersprach der Stornierung.
„Das Unternehmen bedauert diese Entscheidung, prüft den Sachverhalt derzeit und wird im Laufe dieser Woche innerhalb der ViP bereits mitgeteilten Frist inhaltlich darauf reagieren.“
Zeitplan, Inhalt und mögliche Folgen
Nach Angaben von Ebusco stand zwischen den Parteien in den vergangenen Wochen ein Dialog über den Lieferplan und die damit verbundenen geschäftlichen Bedingungen. Ebusco bemängelt, dass ViP die Kündigung bereits öffentlich gemacht habe, obwohl die niederländische Seite ihre Antwort noch nicht vollständig übermittelt hatte. ViP hat nach eigenen Angaben angedeutet, dass sie sich Ansprüche gegenüber dem Lieferanten vorbehalte.
Ebusco kündigte an, die Angelegenheit „in ihrer Gesamtheit“ zu prüfen, einschließlich möglicher finanzieller Auswirkungen der Kündigung und etwaiger Ansprüche. Eine weitere Darstellung der Position des Herstellers und mögliche buchhalterische Effekte sollen im Halbjahresergebnis 2026 veröffentlicht werden, das für den 14. August 2026 angekündigt ist.
- Vertragsumfang: 23 E‑Busse (10 x 12 m, 13 x 18 m)
- Wesentliche Daten: Auftrag 04.01.2024, Kündigungsschreiben 23.07.2026 (Eingang 29.07.2026), Antwort Ebusco 03.08.2026, weitere Frist bis 14.08.2026
- Offene Fragen: Liefertermine, Schadensersatzansprüche, Folgen für Fahrplan und Klimaziele der Stadt
Relevanz für Potsdam
Für Potsdam geht es bei dem Streit nicht nur um technische Details der Busflotte, sondern um die Umsetzung von Elektrifizierungsplänen im Nahverkehr. Neue E‑Busse sind Teil größerer Strategien zur Verringerung lokaler Emissionen und zur Modernisierung des Angebots für Fahrgäste. Verzögerungen oder ein geplatzter Vertrag können Auswirkungen haben auf:
- die geplante Erneuerung und Kapazität der Busflotte;
- die Haushaltsplanung der Stadtwerke und damit verbundene kommunale Kosten;
- die Durchführung von Linientests, Schulungen und Infrastrukturprojekten wie Ladeinfrastruktur.
| Position | Anzahl | Länge |
|---|---|---|
| Standardbus Typ 3.0 | 10 | 12 m |
| Gelenkbus Typ 3.0 | 13 | 18 m |
Welche rechtlichen Schritte ViP und Ebusco letztlich ergreifen werden, ist derzeit offen. Die Stadtwerke Potsdam haben bislang selbst keine ausführlichen öffentlichen Angaben zu den Gründen der Kündigung gemacht. Die von Ebusco genannten Fristen deuten jedoch auf eine kurzfristige Klärung hin, die spätestens mit der Veröffentlichung des Halbjahresberichts des Herstellers am 14. August 2026 erwartet werden kann.
Für Fahrgäste und Kommunalpolitik bleibt wichtig, dass die Verkehrssicherheit sowie die geplanten Verbesserungen im Öffentlichen Personennahverkehr nicht unter den Auseinandersetzungen leiden. Die Stadt Potsdam und die Stadtwerke stehen vor der Aufgabe, die Versorgungssicherheit im Busverkehr zu gewährleisten, unabhängig vom Ausgang des Rechtsstreits.