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Polizei setzt Hackathon ein, um alte Todesfälle neu zu untersuchen

Ein aus den Niederlanden übernommenes Format bringt Ehrenamtliche und Ermittler zusammen: In Halle sollen unter anderem fünf bis sechs ungelöste Fälle neue Impulse erhalten, darunter ein mehr als zehn Jahre alter Leichenfund an der Elbe.

Polizei setzt Hackathon ein, um alte Todesfälle neu zu untersuchen
©Illustration KI Marek Wisniewski / we-news.com

Halle/Den Haag – Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat ein ungewöhnliches Mittel gewählt, um festgefahrene Ermittlungen wieder in Gang zu bringen: Bei einem sogenannten Hackathon arbeiten Beamte und Staatsanwälte gemeinsam mit freiwilligen Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen daran, alte, ungelöste Fälle neu zu beleuchten. Das Format stammt aus den Niederlanden und wird nun am Weinberg Campus in Halle erstmals in Deutschland in dieser Form durchgeführt.

Neue Blickwinkel für alte Fälle

Hintergrund ist ein besonders rätselhafter Fund an der Elbe bei Vockerode im Landkreis Wittenberg: Vor mehr als zehn Jahren stieß ein Paddler auf eine rostige Metallkiste, aus der die Leiche eines Mannes geborgen wurde. Die Ermittlungen waren lange Zeit ergebnislos. Isotopenanalysen deuteten auf eine Herkunft in Teilen Osteuropas hin. Auf dem Unterarm des Toten war der Name „Michaela“ tätowiert, und ein Ring trug ebenfalls eine Gravur mit diesem Namen. Diese Hinweise führten zu zahlreichen Fragen: Wer war diese Frau, und warum gab es keinen Hinweis auf ein mögliches Opferverhältnis?

„Wir haben uns natürlich gefragt: Wer ist die Frau? Warum vermisst sie den Mann offenbar nicht?“ — Karl Dege, Staatsanwaltschaft Magdeburg

Weil die klassischen Ermittlungsansätze an Grenzen stießen, wurde der Fall in das niederländische Hackathon-Format eingebracht. Dort arbeiten Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden gemeinsam mit externen Freiwilligen – etwa aus IT, Forensik, Journalismus oder Ahnenforschung – in interdisziplinären Teams an frischen Spuransätzen. Laut Polizeioberrat Henry Dieringer führten solche Veranstaltungen bereits in kurzer Zeit zu mehreren neuen Ansatzpunkten.

Erste Spuren führten international

Der Einsatz des Formats brachte offenbar konkrete Ergebnisse: Digitale Hinweise, die Teilnehmende des Hackathons analysierten, führten die Ermittler nach Großbritannien. Dort wurde eine Leiche gefunden, von der die Ermittler annehmen, dass sie die vor dem Jahrzehnt verstorbene „Michaela“ sein könnte. Weitere Fährten führten nach Slowenien. Einen endgültigen Abschluss des Falls gebe es jedoch noch nicht, betonten die Beteiligten – die Arbeit sei wieder aufgenommen worden.

„Aber es wird eben wieder ermittelt“, sagte Karl Dege.

Das Vorgehen zeigt, wie Ermittler traditionelle Polizeiarbeit mit bürgerschaftlichem Engagement und digitaler Expertise kombinieren. Neben dem Fall aus Vockerode will die Staatsanwaltschaft gemeinsam mit Polizeiinspektionen des Landes an mehreren weiteren ungeklärten Fällen arbeiten.

  • Teilnehmende: Rund 30 Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen werden erwartet.
  • Interesse: Mehr als 800 Personen hatten im Vorfeld Interesse an dem Format bekundet.
  • Fälle: Geplant sind nach Angaben der Behörde fünf bis sechs unterschiedlich gelagerte cold cases.
Aspekt Angabe
Ort der Veranstaltung Weinberg Campus, Halle
Teilnehmende Rund 30
Vorinteresse Mehr als 800 Personen

Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat das Konzept nach mehreren Besuchen in den Niederlanden übernommen, weil es dort offenbar Ermittlungserfolge und neue Impulse brachte. Organisatorisch werden die Ehrenamtlichen durch Teilnehmerpässe autorisiert, damit sie eng mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten können. Nach Angaben der Behörde werden die externen Beiträge nicht die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft ersetzen, sondern ergänzen: Sie sollen zusätzliche Perspektiven, Datenanalysen und Kreativität liefern, die in routinierter Aktenlage oft fehlen.

Der Einsatz des Hackathons für cold cases wirft zugleich Fragen auf: Wie lässt sich die Vertraulichkeit sensibler Ermittlungsdaten wahren? Welche rechtlichen und datenschutzrechtlichen Schranken müssen beachtet werden? Die Behörden betonen, dass formale Regelungen und Kontrollmechanismen gelten – von der Identitätsprüfung der Freiwilligen bis zur juristischen Bewertung neuer Hinweise.

Ob das niederländische Format in Deutschland dauerhaft Teil der Ermittlungslandschaft wird, hängt von den Ergebnissen der jetzt gestarteten Runde ab. Für die Angehörigen der Opfer und die Ermittler kann schon die Wiederaufnahme der Nachforschungen einen wichtigen Schritt bedeuten: Wenn sich über kreative Kooperation neue Spuren auftun, rückt eine Klärung langfristig in Reichweite. Ein Hauch von Optimismus also — und die Erinnerung daran, dass manchmal frische Augen über Jahrzehnte angestaute Rätsel lösen helfen können.

Marek Wisniewski
Marek KI Panorama-Redakteur online

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