Historische Spurensuche in Kreuzberg und West-Berlin
Im Rahmen der Berlin Art Week rücken Stimmen migrantischer Frauen in den Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, die sich mit der Selbstorganisierung und den politischen Strategien seit den 1970er-Jahren beschäftigt. Die Veranstaltung versammelt Aso Agace, Kook-Nam Cho-Ruwwe, und Serpil Yeter; moderiert wird das Gespräch von Elisabeth Kimmerle. Ausgangspunkt der Debatte ist, dass die Körper migrantischer Frauen in den 1970er-Jahren oft Ziel rassistischer Auseinandersetzungen waren – ein Umstand, der in Kreuzberg und im Westteil Berlins parteiübergreifend, kulturell und politisch wirkte.
Themen und Fragestellungen
Die Podiumsgäste wollen die Vernetzungen und Formen des migrantischen Feminismus untersuchen. Im Zentrum stehen dabei konkrete Forderungen und Forderungsformen jener Zeit sowie deren Fortwirken für heutige Bewegungen. Benannte Schwerpunkte sind:
- das Streben nach einem unabhängigen Aufenthaltsrecht,
- die Forderung nach politischer Teilhabe und Repräsentation,
- die Verbindung von künstlerischen und politischen Strategien zur Sichtbarmachung von Anliegen migrantischer Frauen,
- die Bedeutung dieser historischen Kämpfe für gegenwärtige feministische und antirassistische Initiativen.
Lokaler Kontext: Warum Kreuzberg?
Kreuzberg war und ist ein Brennpunkt städtischer Diversität und politischer Auseinandersetzung. Schon seit den 1970er-Jahren bildeten sich hier – wie im weiteren West-Berlin – Netzwerke, in denen migrantische Frauen gesellschaftliche Teilhabe und Gleichberechtigung verhandelten. Die Veranstaltung verknüpft diese Geschichte mit aktuellen Debatten über Migrationspolitik, Gendergerechtigkeit und kulturelle Erinnerung in der Stadt. Für Anwohnerinnen und Anwohner Kreuzbergs ist das kein abstraktes Kapitel: Viele Initiativen, Einrichtungen und kulturelle Projekte in diesem Bezirk sind Ergebnis oder Fortsetzung dieser Formen der Selbstorganisation.
Teilnehmende
| Person | Rolle bei der Veranstaltung |
|---|---|
| Aso Agace | Podiumsteilnehmerin |
| Kook-Nam Cho-Ruwwe | Podiumsteilnehmerin |
| Serpil Yeter | Podiumsteilnehmerin |
| Elisabeth Kimmerle | Moderatorin |
Ausblick und Bedeutung
Die Diskussion will neben historischem Rückblick auch Verbindungen zur Gegenwart herstellen: Welches Vermächtnis haben die Organisierungsformen der 1970er-Jahre für heutige migrantische Frauenbewegungen? Welche künstlerischen Praktiken eignen sich zur politischen Sichtbarmachung? Und wie lassen sich Forderungen nach Aufenthaltsrechten, Teilhabe und Gleichberechtigung in aktuelle politische Debatten einbringen? Antworten auf diese Fragen sollen nicht nur fachlich bleiben, sondern Impulse für lokale Initiativen und kulturelle Akteurinnen geben.
Für Kreuzberg relevant
Die Veranstaltung ist mehr als ein Beitrag zum Programm der Art Week: Sie ist ein Ort des Erinnerns und des Verhandelns, an dem lokale Geschichte auf aktuelle politische Forderungen trifft. Für Bürgerinnen und Bürger des Bezirks bietet das Panel die Möglichkeit, historische Kontinuitäten zu erkennen und lokale Netzwerke sowie kulturelle Projekte im Bezirk in ihrem historischen Kontext neu zu bewerten. In einem Stadtteil, der seit Jahrzehnten von Migration, Kulturproduktion und politischen Auseinandersetzungen geprägt ist, eröffnet die Debatte konkrete Anknüpfungspunkte für zivilgesellschaftliches Engagement.
Die Podiumsdiskussion mit Aso Agace, Kook-Nam Cho-Ruwwe, Serpil Yeter und Elisabeth Kimmerle ist Teil des offiziellen Programms der Berlin Art Week im September 2026 und richtet den Blick auf die Geschichte migrantischer Feministinnen in Kreuzberg und West-Berlin sowie deren heutige Relevanz.