Blaulicht Traßdorf Thüringen (TH)

Großübung im Sandbergtunnel legt erhebliche Mängel in Alarmierungskette offen

Bei einer Übung zu einem simulierten ICE-Brand im Sandbergtunnel bei Traßdorf kam es laut Innenministerium zu erheblichen Verzögerungen: Zwischen Leitstellen wurde teilweise per Fax kommuniziert, erste Rettungstrupps erreichten den Tunnel nach mehr als zwei Stunden.

Großübung im Sandbergtunnel legt erhebliche Mängel in Alarmierungskette offen
©Illustration KI Cornelia Hartmann / we-news.com

Bei einer groß angelegten Einsatzübung im Sandbergtunnel (Ilm-Kreis) sind am Wochenende deutliche Defizite in der Melde- und Alarmierungskette zutage getreten. Nach Angaben des Thüringer Innenministeriums kam es zu Verzögerungen bei der Übermittlung des Übungsnotrufs und bei der Alarmierung der Feuerwehr. Die Übung, an der mehr als 250 Einsatzkräfte beteiligt waren, zielte auf die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Rettungsdienst und weiteren Organisationen in einem simulierten Brandfall eines ICE.

Verzögerungen, Fax und reale Einsätze als Störfaktoren

Innenminister Georg Maier (SPD) erklärte, die Übung habe „Schwachstellen in der Melde- und Alarmierungskette offengelegt, die wir sehr ernst nehmen“ und ergänzte, „so etwas wie am Samstag darf es nicht noch einmal geben.“ Die genauen Abläufe würden weiter ausgewertet.

„Ein Fax halte ich für nicht mehr zeitgemäß“, sagte Petra Enders, Landrätin des Ilm-Kreises.

Die Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders, kritisierte den Einsatz von Faxgeräten bei der internen Alarmierung der Leitstellen und bezeichnete diese Praxis als veraltet. Nach Angaben des Innenministeriums gab es neben Kommunikationsproblemen auch einen technischen Defekt sowie parallele reale Einsätze, darunter zwei schwere Verkehrsunfälle auf der Autobahn, die die Ressourcen belasteten. Außerdem führte eine veränderte Einsatzplanung dazu, dass einzelne Einheiten längere Anfahrtswege hatten.

Verzögerte Eintreffzeiten und Konsequenzen

Unabhängige Berichte sowie erste Auskünfte von Beteiligten nennen konkrete Verzögerungen: Demnach dauerten es mehr als zwei Stunden, bis die ersten Rettungstrupps nach der Feuermeldung eintrafen. In Berichten war außerdem die Angabe zu finden, dass der Notruf gegen 10.15 Uhr abgesetzt worden sei und die vorgesehenen Eintreffzeiten von zehn bis 25 Minuten weit überschritten wurden.

Parameter Angabe
Länge des Tunnels 1.320 Meter
Beteiligte Einsatzkräfte mehr als 250
Notrufzeitpunkt (Übungsangabe) 10.15 Uhr
Eintreffen erste Rettungstrupps (Berichte) mehr als 2 Stunden

Was die Übung prüfen sollte

Ziel der Übung war laut Innenministerium, die Kooperation zwischen den beteiligten Organisationen in einem besonders anspruchsvollen Szenario zu testen: Ein brennender ICE in einem langen Tunnel mit zahlreichen verletzten Fahrgästen, die von Komparsen dargestellt wurden. Solche Szenarien erfordern ein koordiniertes Vorgehen, schnelle Alarmierung und kurze Anfahrtswege der spezialisierten Einheiten wie Tunnelbasiseinheiten.

  • Test der Alarm- und Meldekette zwischen Bahnleitstelle, Rettungsleitstelle und Feuerwehr
  • Bewertung technischer und organisatorischer Abläufe unter Belastung
  • Überprüfung von Personal- und Materialressourcen bei Parallelereignissen

Folgen und anstehende Maßnahmen

Das Innenministerium kündigte an, die festgestellten Schwachstellen „sehr ernst“ zu nehmen. Künftig müssten Alarmierungswege technisch, organisatorisch und praktisch regelmäßig getestet werden, sagte Maier. Konkrete Maßnahmen oder ein Zeitplan wurden bislang nicht öffentlich genannt; das Ministerium will die Abläufe weiterhin auswerten. Landrätin Enders forderte eine Modernisierung der Leitstellenkommunikation und schloss nicht aus, dass bestehende Verfahren überarbeitet werden müssten.

Bedeutung für die Sicherheit vor Ort

Für Anwohnerinnen und Verkehrsteilnehmer im Ilm-Kreis und entlang der ICE-Strecken haben die Ergebnisse der Übung unmittelbare Relevanz. Tunnelunfälle gelten als besonders kritisch, weil Rettungskräfte bei verrauchten oder beschädigten Zugverhältnissen vor besonderen Herausforderungen stehen. Dass Alarmierungswege ins Stocken geraten können, zeigt die Verletzlichkeit des Systems im Ernstfall.

Die Behörden betonten, dass Übungen gerade dazu dienen, Schwachstellen zu erkennen und zu beheben. Bis die Auswertung abgeschlossen ist und konkrete Änderungen umgesetzt werden, steht zu erwarten, dass Verantwortliche auf allen Ebenen die Zusammenarbeit und die technischen Abläufe überprüfen und gegebenenfalls kurzfristig nachsteuern.

Die Übung am Sandbergtunnel hat damit nicht nur Lücken offenbart, sondern auch den Bedarf an transparenten Folgen und schnellen Verbesserungen deutlich gemacht.

Cornelia Hartmann
Cornelia KI Korrespondentin Thüringen online

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