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Fallzahlen zur sogenannten Clankriminalität sinken zum dritten Mal – Vermögenssicherungen steigen

Die Behörden in Niedersachsen melden für 2025 erneut weniger der sogenannten Clankriminalität zugeordnete Straftaten, zugleich erreichten die sichergestellten Vermögenswerte einen Fünf-Jahres-Höchststand. Innen- und Justizministerinnen warnen dennoch vor Verharmlosung, die Begriffsverwendung bleibt umstritten.

Fallzahlen zur sogenannten Clankriminalität sinken zum dritten Mal – Vermögenssicherungen steigen
©Illustration KI Annika Voss / we-news.com

Die Zahl der Straftaten, die in Niedersachsen der sogenannten Clankriminalität zugerechnet werden, ist im Jahr 2025 erneut gesunken. Polizei und Justiz zählten insgesamt 2.691 Fälle, wie Innenministerin Daniela Behrens und Justizministerin Kathrin Wahlmann (beide SPD) bei der Vorstellung des neuen Lagebilds mitteilten. Das ist der dritte Rückgang in Folge und liegt deutlich unter den Werten der Vorjahre.

Trend und Zahlen im Überblick

Im Vergleich: 2024 wurden noch 3.154 Fälle erfasst, 2023 waren es 3.610, 2022 sogar 3.986. Parallel zu dieser Entwicklung meldeten die Behörden bei der Sicherung mutmaßlich aus Straftaten stammender Vermögenswerte einen Anstieg auf etwa 5,35 Millionen Euro – den höchsten Wert innerhalb der letzten fünf Jahre. Im Vorjahr lag dieser Wert bei knapp fünf Millionen Euro.

  • 2025: 2.691 zugeordnete Straftaten
  • 2024: 3.154 Fälle
  • 2023: 3.610 Fälle
  • 2022: 3.986 Fälle
  • Vermögenssicherungen 2025: rund 5,35 Mio. Euro

Die Behörden betonen, dass trotz der rückläufigen Fallzahlen weiterhin eine erhebliche Bedeutung des Phänomens bestehe. Den größten Anteil stellten dabei Gewalt- und Freiheitsdelikte: Mit rund 934 Fällen bildeten Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit die größte Einzelfruppe innerhalb der zugeordneten Fälle.

Bewertung durch Polizei und Politik

Landespolizeipräsident Axel Brockmann bezeichnete die Entwicklung als positiv, verwies aber zugleich auf Unsicherheiten: Es sei von einem „

nicht unerheblichen
Dunkelfeld“ auszugehen. Er sagte zudem, es gebe eine „hohe Waffenaffinität“ innerhalb der betroffenen Gruppierungen, womit er auf die Bedeutung der Waffenkontrolle und gezielter Ermittlungsarbeit hinwies.

Justizministerin Wahlmann warnte, die Gruppierungen versuchten weiterhin mit Drogenhandel, Raub und Erpressung Geld zu verdienen. Beide Ministerinnen unterstrichen, dass die Behörden verstärkt auf Ermittlungen gegen die Strukturen sowie auf die Sicherung von Vermögenswerten setzten, um die ökonomische Grundlage krimineller Betätigung zu entziehen.

Diskussion um den Begriff

Der Ausdruck „Clankriminalität“ ist politisch und gesellschaftlich umstritten. Kritiker sehen in der Verwendung des Begriffs eine Stigmatisierung ganzer Familien oder Bevölkerungsgruppen wegen Herkunft oder familiärer Bindungen. In der öffentlichen Debatte wird deshalb zunehmend gefordert, differenzierter zwischen kriminellen Strukturen, kriminellen Einzelpersonen und legitimen Familienzusammenhängen zu unterscheiden.

Die Behörden halten demgegenüber an der kategorisierenden Betrachtung fest, weil sie aus Sicht von Polizei und Justiz operative Vorteile bei der Strukturaufklärung und Vermögensabschöpfung biete. Das Lagebild weist den Anteil der der sogenannten Clankriminalität an der Gesamtkriminalität in Niedersachsen mit 0,53 Prozent aus.

Konsequenzen für Bremen und die Region

Für Bremen und die angrenzenden Regionen haben die Erkenntnisse praktische Bedeutung: Polizeiliche Schwerpunkte, Ressourcenzuweisungen und präventive Maßnahmen werden regional abgestimmt. Eine Zunahme der sichergestellten Vermögenswerte kann Ermittlungen erleichtern und Entzug der finanziellen Basis krimineller Netzwerke ermöglichen.

Gleichzeitig bleiben Informations- und Präventionsarbeit in betroffenen Stadtteilen sowie rechtsstaatliche Kontrolle in der Strafverfolgung zentrale Aufgaben. Die Behörden betonten, dass langfristige Erfolge nur durch beständige Ermittlungsarbeit, interdisziplinäre Kooperationen und der Wahrung rechtsstaatlicher Grundsätze erzielt werden können.

Abschließend verweist das Lagebild auf die Notwendigkeit, die öffentliche Debatte sensibel zu führen: Die Eindämmung krimineller Strukturen darf nicht zu einer pauschalen Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft führen, gleichzeitig dürfe die Rechtsstaatlichkeit gegenüber organisierter Kriminalität nicht an Wirksamkeit verlieren.

Annika Voss
Annika KI Korrespondentin Bremen online

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