In der ZOOM Erlebniswelt in Gelsenkirchen sind in den vergangenen Wochen insgesamt elf Jungtiere der bedrohten McCords Schlangenhals-Schildkröte geschlüpft. Nach Angaben des Zoos kamen bereits im Juni zwei Junge zur Welt; Anfang August folgten weitere neun. Mutter aller Jungtiere ist ein 19 Jahre altes Weibchen mit dem Namen Brunhilde. Beim Schlupf messen die Jungtiere rund knapp drei Zentimeter.
Naturschutz und Haltung in Europa und Deutschland
Die Nachzucht in Gelsenkirchen hat über die Stadt hinaus Bedeutung für den Artenschutz. Die McCords Schlangenhals-Schildkröte stammt ursprünglich ausschließlich von den indonesischen Inseln Roti und Timor. In den 1990er-Jahren sanken die Bestände dort nach Schätzungen um 80 bis 90 Prozent. Lebensraumverlust und illegaler Tierhandel werden als Hauptursachen genannt.
Aktuell werden die Tiere in Europa nur in einer begrenzten Zahl zoologischer Einrichtungen gehalten. Insgesamt geben die verfügbaren Daten folgende Verteilung an:
| Region / Kategorie | Angaben |
|---|---|
| Europa (Zoos) | 33 Zoos, rund 180 Exemplare |
| Deutschland (Einrichtungen beteiligt) | 6 Einrichtungen, insgesamt 43 Tiere |
| ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen | 15 Tiere, davon jetzt 11 Jungtiere |
Warum die Nachzucht wichtig ist
Die Zucht in europäischen Zoos dient vor allem dem Aufbau einer Reservepopulation. Angesichts der dramatischen Bestandsrückgänge in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet sind solche Bestände notwendig, um die Art langfristig zu erhalten, Erfahrungen zur Haltung und Zucht zu sammeln und wissenschaftliche Erkenntnisse über Lebensweise und Reproduktion zu gewinnen.
- Prävention gegen Aussterben: Reservepopulationen verringern das Risiko eines vollständigen Verlusts der Art.
- Forschung: Beobachtungen in menschlicher Obhut liefern Daten über Fortpflanzung und Jungtieraufzucht.
- Öffentlichkeitsarbeit: Haltung in Zoos macht auf Bedrohungsszenarien aufmerksam und kann Schutzmaßnahmen in Herkunftsgebieten unterstützen.
Die ZOOM Erlebniswelt betont, dass die Haltung und erfolgreiche Nachzucht Teil eines koordinierten Engagements mehrerer Einrichtungen ist. In Deutschland beteiligen sich demnach sechs Häuser an der Haltung dieser Schildkrötenart; allein in Gelsenkirchen sind derzeit 15 Tiere untergebracht. Solche Bündnisse sind nach Einschätzung von Fachleuten wichtig, um genetische Vielfalt zu sichern und Nachzuchtprogramme sinnvoll zu planen.
Konsequenzen für Gelsenkirchen
Für Gelsenkirchen bedeutet der Erfolg in der ZOOM Erlebniswelt eine positive Nachricht für den Standort: Der Zoo demonstriert fachliche Kompetenz in der Haltung einer seltenen und anspruchsvollen Art und stärkt damit sein Profil als Ort von Bildungs- und Naturschutzarbeit im Revier. Besucherinnen und Besucher können künftig mehr über die bedrohte Art erfahren, ohne dass daraus unmittelbare Eingriffe in die natürliche Population folgen — die Tiere stammen aus Zuchtbeständen.
Gleichzeitig stellt die Haltung eine Verantwortung dar: Die Einrichtungen müssen Transport, Pflege und langfristige Betreuung der Tiere sicherstellen und an Zuchtprogrammen kooperieren, um einen nachhaltigen Beitrag zum Artenschutz zu leisten.
Die ZOOM Erlebniswelt hat die Nachzucht als Beitrag zur Erhaltung der Art benannt. Konkrete Pläne zum weiteren Umgang mit den Jungtieren, etwa zur Integration in Zuchtprogramme anderer Einrichtungen oder zur zukünftigen Präsentation im Zoo, nannte die Meldung nicht im Detail.