Die Eröffnung des neuen Bürger‑Service‑Points in Delmenhorst verzögert sich weiter, obwohl die Stadt bereits Mietzahlungen leistet. Seit Anfang Januar 2026 sind Kosten für die angemietete Immobilie angefallen, eine konkrete Eröffnungsperspektive fehlt jedoch bislang. Kritik an der Vorgehensweise äußern unter anderem Vertreter des Behindertenbeirats.
Bereits angefallene Kosten und Gründe für die Anmietung
Die Verwaltung gibt an, dass seit Jahresbeginn rund 5.500 Euro Miete für die Räumlichkeiten in der Langen Straße 1 gezahlt wurden. Nach Angaben aus dem Rathaus sei die Anmietung notwendig gewesen, um konkrete Planungen und Begehungen vor Ort zu ermöglichen. Ohne die Nutzung der Räume hätten etwa Innenraumbesichtigungen, Abstimmungen mit Handwerkern sowie die Vorbereitung von Ausschreibungen für Malerarbeiten und Technik nicht stattfinden können, so der stellvertretende Stadtsprecher Felix Frank.
Barrierefreiheit als zentrales Problem
Kritik kommt vor allem aus dem Kreis der Menschen mit Behinderungen: Personalrat und Schwerbehindertenvertretung hätten Bedenken wegen fehlender Barrierefreiheit angemeldet, heißt es. Auch Artur Diegel, Mitglied des Delmenhorster Behindertenbeirats, äußerte Unverständnis über die Situation und forderte praktikable Lösungen.
„Das ist doch nicht deren Ernst“,
so Diegel. Er betonte, eine regelmäßige Sprechstunde wäre aus seiner Sicht schon ausreichend und fragte zugleich, warum eine solche Anlaufstelle noch nicht eingerichtet worden sei, obwohl bereits Gelder ausgegeben worden seien.
Stadtverwaltung hält an Planung fest
Trotz der Kritik bekräftigt die Verwaltung, an dem Projekt festzuhalten. Die Anmietung habe es ermöglicht, mit internen und externen Partnern konkrete Schritte zu planen. Nach Darstellung der Stadt seien die Begehungen vor Ort Voraussetzung gewesen, um notwendige Ausschreibungen anstoßen zu können. Ein konkretes Eröffnungsdatum wurde bislang nicht genannt.
- Standort: Zugangbereich des Bürgerbüros, Lange Straße 1
- Seit Beginn der Nutzung: Januar 2026
- Bislang gezahlte Miete: 5.500 Euro
- Offene Punkte: Barrierefreiheit, Eröffnungstermin, konkrete Angebote vor Ort
Konsequenzen für Bürger und Verwaltung
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Verzögerung, dass eine zusätzliche Anlaufstelle, die Erreichbarkeit von Verwaltungsleistungen und eine mögliche Entlastung des bestehenden Bürgerbüros weiterhin nicht zur Verfügung stehen. Für die Verwaltung entsteht durch die fortlaufenden Mietkosten ein finanzieller Aufwand, ohne dass bislang ein entsprechender Nutzen für die Bevölkerung sichtbar ist.
| Aspekt | Status / Kommentar |
|---|---|
| Mietkosten | Seit Jan. 2026: ca. 5.500 Euro |
| Barrierefreiheit | Beanstandet von Personalrat und Schwerbehindertenvertretung |
| Eröffnung | Kein Datum genannt |
Offene Fragen zur Barrierefreiheit sind dabei nicht nur ein formales Thema: Für viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen entscheidet die bauliche Zugänglichkeit darüber, ob sie Verwaltungswege überhaupt ohne Hilfe erledigen können. Der Behindertenbeirat fordert daher pragmatische Lösungen, etwa regelmäßige Sprechstunden, bis bauliche Mängel umfassend behoben sind.
Die Debatte um den Bürger‑Service‑Point verbindet stadtplanerische und haushaltsbezogene Aspekte: Einerseits geht es um die Schaffung eines niedrigschwelligen Angebots für Verwaltungsangelegenheiten, andererseits werden bereits entstandene Kosten kritisiert, bevor das Angebot genutzt werden kann. Wie die Verwaltung die offenen Fragen konkret lösen will und bis wann eine Eröffnung realistisch ist, bleibt eine zentrale Erwartungshaltung an die Rathausspitze und die beteiligten Fachämter.
Die Stadt hat angekündigt, an den Planungen festzuhalten. Für viele Delmenhorsterinnen und Delmenhorster wird nun wichtig sein, dass die Verwaltung zeitnah transparente Informationen liefert: zu den erforderlichen baulichen Anpassungen, zu einem verbindlichen Zeitplan und dazu, welche Angebote der Bürger‑Service‑Point später konkret umfassen wird.