Leipzig. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist erstmals in Sachsen nachgewiesen worden. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) bestätigte die Sichtung nach Prüfung eines Videos aus Leipzig. Nun sind Expertenteams vor Ort, um ein mögliches Nest zu suchen und zu beseitigen.
Warum das frühe Eingreifen wichtig ist
Nach Angaben des LfULG besteht ein begrenztes Zeitfenster für das Auffinden und Entfernen eines Nestes. Im Spätherbst fliegen aus einem Nest im Durchschnitt zwischen 300 und 500 Jungköniginnen aus. Diese überwintern einzeln und können im folgenden Jahr jeweils neue Staaten gründen. Diese hohe Reproduktionsrate in Kombination mit der durch den Klimawandel begünstigten warm-trockenen Witterung wird als Hauptgrund für die schnelle Ausbreitung der Art in Deutschland genannt.
Die Asiatische Hornisse ist kleiner als die heimische Europäische Hornisse, gilt aber als aggressiver Jäger, insbesondere gegenüber Honigbienen. Sie stellt deshalb eine unmittelbare Bedrohung für Imkerbestände und damit für die Bestäubungsleistung in der Region dar.
Reaktionen aus der Imkerschaft
„Es war nur eine Frage der Zeit, wann erstmals die Hornisse in Sachsen auftaucht“,
so Michael Hardt, Vorsitzender des Landesverbandes sächsischer Imker. In den vergangenen Tagen seien schon mehrfach Hinweise aus der Imkerszene und von Naturschützern eingegangen, die sich bislang jedoch nicht bestätigt hätten. Nun habe sich der Verdacht anhand des vorliegenden Videomaterials bestätigt.
Was die Behörden jetzt tun
Das LfULG hat nach eigenen Angaben Expertinnen und Experten losgeschickt, um das Nest zu lokalisieren und zu entfernen. Ziel ist, die Ansiedlung möglichst lange zu verhindern. Bei Fund eines Nestes sollen besondere Sicherheitsabstände eingehalten werden: Menschen wird empfohlen, sich mindestens fünf Meter vom Nest fernzuhalten, da Hornissen in der Nähe ihrer Brut sehr aggressiv reagieren können.
- Beobachtungen melden: Über das Meldeportal für Arten des LfULG sollen Fotos und Kontaktdaten eingereicht werden.
- Abstand halten: Mindestens fünf Meter Abstand zum vermuteten Nest.
- Bei Sichtung fachliche Hilfe anfordern: Nicht selbst versuchen, ein Nest zu entfernen.
Erkennungsmerkmale und Hinweise für Bürger
Das LfULG beschreibt die Nester meist als 60 bis 100 Zentimeter hoch, rund bis birnenförmig mit einer seitlichen Öffnung und bräunlicher Färbung. Die Tiere selbst sind etwas dunkler als die Europäische Hornisse und insgesamt kleiner.
| Merkmal | Asiatische Hornisse (V. velutina) |
|---|---|
| Größe | Kleinere Bauform als europäische Hornisse |
| Nest | 60–100 cm, birnenförmig, seitliche Öffnung, bräunlich |
| Verhalten | Aggressiveres Jagdverhalten gegenüber Bienen |
| Verbreitung | Ursprünglich Südostasien; rasche Ausbreitung in Europa |
Ausbreitung in Deutschland und Nachbarländer
Die asiatische Hornisse wurde in mehreren benachbarten Bundesländern bereits nachgewiesen. Experten führen die vergleichsweise schnelle Verbreitung auf die hohe Vermehrungsrate der Art sowie auf milde und trockene Sommer zurück. Dadurch entstehen günstige Bedingungen für Überleben und Reproduktion.
Besonders betroffen sind Gemeinden mit vielen Imkern und naturnahen Flächen, weil Hornissen dort auf reichlich Beute wie Honigbienen treffen. Für Imker bedeutet das einen zusätzlichen Druck: Die Hornissenjagd vor den Bienenstöcken kann Honigernte und Völkerstärke reduzieren.
Praktische Hinweise für Imker und Bürger
Imker sollten ihre Völker regelmäßig kontrollieren und Auffangvorrichtungen diskutieren, jedoch keine eigenständigen Maßnahmen gegen Hornissen durchführen, die Tiere zu töten oder Nester zu zerstören. Stattdessen rät das LfULG zur sofortigen Meldung an die Fachbehörde.
Das Vorsorgeprinzip ist entscheidend: Frühzeitiges Lokalisieren und fachgerechtes Entfernen von Nestern kann die Ausbreitung verlangsamen und Schäden begrenzen. Die Behörden betonen, dass die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung für die erfolgreiche Eindämmung wesentlich ist.
Die weitere Entwicklung hängt nun davon ab, ob das Nest gefunden und rechtzeitig beseitigt werden kann. Bis dahin rufen die Behörden zu Wachsamkeit und umsichtigem Verhalten auf.