Der sachsen-anhaltinische AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat in einem Podcast die mögliche Abschaffung des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt ins Gespräch gebracht. Zugleich ließ er offen, ob die Partei die Behörde ganz auflösen oder nur deren Aufgaben neu ausrichten wolle. Die Aussagen erfolgten im Podcast „ungeskriptet“ von Ben Berndt.
Offenheit über zwei Varianten
Siegmund erklärte, es gebe innerhalb der AfD unterschiedliche Positionen: Entweder den Verfassungsschutz vollständig abzuschaffen oder ihn „auf seine eigentlichen Aufgaben zurückzuführen“. Er betonte, die Partei sei bei der Frage „völlig ergebnisoffen“ und werde die Möglichkeiten in Sachsen-Anhalt prüfen.
„Da bin ich völlig ergebnisoffen, das werden wir uns mal anschauen in Sachsen-Anhalt.“
Er warf der Behörde zugleich vor, gegen die AfD als Opposition instrumentalisiert zu werden. „Konsens sei in der AfD aber, dass die Behörde nicht dazu benutzt werden dürfe, die Opposition zu überwachen und ‚für Stimmung zu sorgen, weil das haben wir aktuell‘“, sagte Siegmund. „Wer zweifelt daran?“
Reaktion des Innenministeriums und Hintergrund
Das Innenministerium in Magdeburg hat entsprechende Vorwürfe in der Vergangenheit stets zurückgewiesen und wiederholt betont, der Verfassungsschutz handele nach Recht und Gesetz. Eine unabhängige Bestätigung für die von Siegmund erhobenen Vorwürfe liegt bislang nicht vor.
Relevanter Kontext für die Debatte ist die Einstufung der AfD Sachsen-Anhalt durch den Verfassungsschutz: Im November 2023 stuften die Behörden den Landesverband als gesichert rechtsextremistisch ein. In der Begründung werden „zahlreiche muslimfeindliche, rassistische und auch antisemitische Aussagen von Funktions- und Mandatsträgern“ genannt. Die AfD hat gegen diese Einstufung Klage erhoben; das Verfahren ist derzeit ausgesetzt, möglicherweise um eine Entscheidung auf Bundesebene abzuwarten.
Konsequenzen einer Abschaffung
Würde die AfD nach einem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt tatsächliche Schritte zur Abschaffung des Verfassungsschutzes einleiten, wären weitreichende Fragen zu klären: Wer würde die bisherigen Aufgaben übernehmen, wie würden Informationsflüsse zu Bund und anderen Ländern geregelt, und wie wäre die parlamentarische Kontrolle gewährleistet? Zu solchen praktischen Folgen äußerte sich Siegmund im Podcast nicht konkret.
- Offene Optionen: Abschaffung oder Rückführung auf Kernaufgaben
- AfD erhebt Vorwurf der politisierten Überwachung
- Verfassungsschutz stuft AfD ST seit November 2023 als gesichert rechtsextremistisch ein
Prozessstand und rechtliche Schritte
Die AfD geht gegen die Einstufung gerichtlich vor. Nach Angaben aus der Berichterstattung ist das Verfahren vorübergehend ausgesetzt; als möglicher Grund wurde genannt, auf Entscheidungen auf Bundesebene zu warten. Konkrete Fristen oder weitere Verfahrensschritte wurden in den vorliegenden Aussagen nicht benannt.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| November 2023 | Verfassungsschutz stuft AfD Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch ein |
| August 2026 | AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erwägt Abschaffung oder Neuordnung des Verfassungsschutzes (Podcast) |
| laufend | Gerichtliches Verfahren der AfD gegen die Einstufung, derzeit ausgesetzt |
Politische Debatte in Sachsen-Anhalt
Die Äußerungen des AfD-Spitzenkandidaten werden die politische Debatte im Land weiter anheizen. Innenpolitisch handelt es sich um ein Kerninstrument zur Gefahrenabwehr und zur Beobachtung extremistischer Bestrebungen. Kritiker einer Abschaffung warnen vor Sicherheitslücken und einer Schwächung der Verfassungsschutzarbeit, Befürworter einer Reform kritisieren dagegen mögliche Fehlsteuerungen und fordern klare gesetzliche Vorgaben.
Für Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt sind zwei Fragen zentral: Wie will eine Partei, die über Änderungen am Verfassungsschutz nachdenkt, konkrete Sicherheitsaufgaben künftig ausgestalten? Und wie bewerten Gerichte die Rechtmäßigkeit der Einstufung der AfD als rechtsextremistisch? Beide Punkte dürften in den kommenden Monaten Gegenstand von Politik, Verwaltung und Justiz bleiben.
Die weiteren Schritte der AfD in dieser Sache hängen maßgeblich vom Ergebnis der Landtagswahl und den anschließenden Koalitionsverhandlungen ab. Bis dahin bleibt die Debatte um die Rolle des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt politisch und rechtlich umkämpft.