Wittenberg. Seit 20 Jahren begleitet die Notfallseelsorge des evangelischen Kirchenkreises Wittenberg Menschen in den schwersten Momenten ihres Lebens. Das Team, getragen von der Kirche in enger Kooperation mit dem Landkreis, sieht sich als festen Bestandteil der örtlichen Rettungskette. Die Jubiläumsfeier wird am 28. August stattfinden; im Vorfeld würdigte Landrat Christian Tylsch die Arbeit des Teams auf einer Pressekonferenz.
Wer ist Einsatzpartner, wer trägt die Kosten?
Die Notfallseelsorge ist ein Ehrenamtsangebot des evangelischen Kirchenkreises Wittenberg, das in Zusammenarbeit mit dem Landkreis organisiert wird. Superintendentin Gabriele Metzner betont die partnerschaftliche Finanzierung: Entstehende Kosten, etwa für Wege und Fortbildungen, werden geteilt. Die Kooperation spiegelt den Anspruch wider, Einsatznachsorge zu institutionalisieren und langfristig abzusichern.
Einsätze, Aufgaben und Belastungen
Die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger werden zu Situationen gerufen, in denen professionelle Hilfe über den akuten Einsatz hinaus nötig ist. Zu den Beispielen, die Teamleiterinnen Theresa Pabst-Clemens und Diana Bernhardt nennen, gehören:
- schwere Verkehrsunfälle,
- Suizidereignisse,
- Tod in der Häuslichkeit,
- Begleitung von Polizeibeamten beim Überbringen von Todesnachrichten,
- Großschadensereignisse (etwa Brände mit großem Tierbestand).
Im Durchschnitt werden die Mitglieder des Teams zu etwa 60 Einsätzen pro Jahr gerufen. Nach solchen Einsätzen ist das Ziel, die Betroffenen soweit zu stabilisieren, dass sie wieder handlungsfähig sind. Die Notfallseelsorge ist damit eine ergänzende Hilfe, die folgt, wenn Feuerwehr und Rettungsdienst den Ort des Geschehens verlassen haben.
„Wir brauchen Menschen, die noch da sind, wenn alle anderen gegangen sind.“
Mit diesen Worten umreißt Superintendentin Metzner das Selbstverständnis der Gruppe. Landrat Tylsch bezeichnet die Engagierten als „Alltagshelden“ und betont, dass sie ein Beispiel der Daseinsvorsorge seien.
Struktur des Teams
Das Team besteht aus 14 Mitgliedern, davon sind zwölf Frauen und zwei Männer. Altersspanne und genaue Qualifikationen nennt die Pressestelle nicht detailliert; die Leitung hebt jedoch hervor, dass regelmäßige Fortbildungen und ein abgestimmtes Zusammenspiel mit Rettungsdiensten und Polizei Teil der Arbeit sind.
| Kategorie | Angabe |
|---|---|
| Jahre im Dienst | 20 |
| Anzahl Mitglieder | 14 (12 Frauen, 2 Männer) |
| Durchschnittliche Einsätze pro Jahr | ca. 60 |
Bedeutung für Betroffene und Folgen für die Region
Die Präsenz der Notfallseelsorge hat für Betroffene unmittelbare psychische und organisatorische Wirkung: Sie hilft, nach einem Schock wieder handlungsfähig zu werden und sich ersten weiteren Schritten zuzuwenden. Gleichzeitig entlastet die Nachsorge andere professionelle Akteure, weil sie auf den Zeitpunkt nach dem akuten Einsatz ausgerichtet ist.
Für die Region Wittenberg bedeutet das Bestehen dieses Angebots eine Verstärkung der lokalen Versorgungsstruktur in Krisensituationen. Die gemeinsame Finanzierung von Kirche und Landkreis sichert zudem die Kontinuität des Angebots, solange Ehrenamtliche bereitstehen und Fortbildung sowie Wege ermöglicht werden.
Die Jubiläumsveranstaltung am 28. August wird Gelegenheit sein, die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahrzehnte zu reflektieren und über weitere Unterstützungsmöglichkeiten zu sprechen. Landrat Tylsch und Vertreterinnen des Kirchenkreises wollen die Bedeutung der Seelsorge für die Öffentlichkeit hervorheben und das lokale Netzwerk der psychosozialen Notfallvorsorge sichtbar machen.
Die Notfallseelsorge bleibt damit ein stiller, aber verlässlicher Bestandteil der Hilfestruktur in Wittenberg — ein Ehrenamtsangebot, das in belastenden Situationen weiterhin zur Verfügung steht.