Die Bevölkerung der Region Basel steht der Wirtschaft grundsätzlich positiv gegenüber, doch gleichzeitig gibt es erhebliche Vorbehalte gegenüber den sozialen und ökologischen Folgen wirtschaftlichen Wachstums. Das zeigt eine repräsentative Bevölkerungsbefragung des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der Handelskammer beider Basel (HKBB).
Kernaussagen der Umfrage
Laut der Untersuchung beurteilen rund zwei Drittel der Befragten die nationale und regionale Wirtschaft eher positiv. Diese Mehrheit zieht sich durch verschiedene Bevölkerungsgruppen, es treten jedoch deutliche Nuancen zutage:
- Männer zeigen sich etwas positiver als Frauen.
- Jüngere Erwachsene (18–39 Jahre) sind kritischer als ältere Altersgruppen.
- Politische Präferenzen beeinflussen die Haltung: Befürworterinnen und Befürworter der GLP und der FDP äussern die stärkste Zustimmung, besonders kritische Stimmen kommen von Anhängern der Grünen und der SVP.
- Die eigene wirtschaftliche Lage spielt eine Rolle: Personen mit höherem Einkommen beurteilen die Wirtschaft positiver als Haushalte mit geringerem Einkommen.
Andreas Meier, stellvertretender Direktor und Abteilungsleiter Mitglieder & Netzwerk der HKBB, stellte die Ergebnisse im Rahmen eines Mediengesprächs vor und betonte die Homogenität des Grundbildes in beiden Basel.
Skepsis gegenüber Infrastruktur und Wachstum
Die Zustimmung zur Wirtschaft geht nicht einher mit einer uneingeschränkten Akzeptanz aller Folgen von Wachstum. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Thema Verkehrsinfrastruktur: 76 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass das Wirtschaftswachstum zur Überlastung der kantonalen Verkehrsinfrastruktur führt. Diese Sorge steht im Zentrum der kritischen Wahrnehmungen, die auch ökologische und soziale Aspekte umfassen.
Die Umfrage macht damit deutlich, dass wirtschaftlicher Erfolg und Wachstum zwar mehrheitlich begrüsst werden, die Bevölkerung aber zugleich stärker in die Bewertung der Nebenwirkungen einbezogen werden will. Forderungen nach besseren Lösungen für Verkehr, Raumplanung und Umwelt werden damit politisch relevanter.
Regionale Übereinstimmung
Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist die vergleichbare Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in Basel-Stadt und Baselland. Trotz unterschiedlicher urbaner und ländlicher Voraussetzungen beurteilen die Befragten in beiden Halbkantonen die wirtschaftliche Situation ähnlich positiv, heisst es im Bericht von gfs.bern.
| Ergebnis | Wert |
|---|---|
| Positive Einstellung zur Wirtschaft | Rund zwei Drittel |
| Glauben, dass Wachstum Verkehrsinfrastruktur überlastet | 76 % |
Folgen für Politik und Wirtschaft
Die Umfrage liefert Ansatzpunkte für die kantonale und regionale Politik sowie für Unternehmen: Die Mehrheit befürwortet wirtschaftliche Stärke, doch der Fokus verschiebt sich auf praxistaugliche Massnahmen, um negative Nebeneffekte abzufedern. Konkret bedeuten die Ergebnisse einen verstärkten Handlungsauftrag in folgenden Bereichen:
- Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und Anpassungen in der Raumplanung, um Überlastungen zu reduzieren.
- Sozialpolitische Massnahmen, die Ungleichheiten abmildern und die Akzeptanz von Wachstum erhöhen.
- Klarere ökologische Strategien, damit wirtschaftliche Aktivitäten mit Umweltzielen vereinbar bleiben.
Die Handelskammer beider Basel und lokale Entscheidungsträger dürften die Befunde für ihre Strategien und Kommunikationsarbeit nutzen. Die Studie weist darauf hin, dass wirtschaftlicher Erfolg wohlwollend betrachtet wird, der gesellschaftliche Anspruch an Nachhaltigkeit und Lebensqualität jedoch wächst.
„Die wirtschaftliche Lage, sowohl kantonal als auch national, wird in Basel-Stadt und Baselland insgesamt ähnlich positiv eingeschätzt“, heisst es im Bericht von gfs.bern.
Die vollständige Auswertung der Umfrage kann weitere Differenzierungen zu Branchenerwartungen, Mobilitätsverhalten und konkreten Reformwünschen bieten. Für Politik und Wirtschaft in den beiden Basel bleibt die Herausforderung, Wachstum mit einer besseren Infrastruktur- und Sozialpolitik in Einklang zu bringen.